Frutt Family Lodge & Apartments

Monolithe am Bergsee

11. Februar 2016

Frutt Family Lodge & Apartments
2015

Melchsee-Frutt OW
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Frutt Resort AG, Melchsee-Frutt
 
Architektur
Architekt Entwurf: Philip Loskant Architekt Eth | Sia, Zürich
Architekt Ausführung: Architekturwerk AG, Sarnen
Innenarchitektur: Matthias Buser, Zürich
 
Fachplaner
Fach­planer HLK: Aicher-​De Martin-​Zweng AG, Luzern
Bau-Inge­nieur: Dur­rer & Part­ner AG, Kerns
Elektro-Ingenieur: Wasmer Engineering, Kriens
Sanitär-Ingenieur: Arregger Partner AG, Luzern
 
Bauleitung/Generalunternehmer
Eberli Generalunternehmung AG, Sarnen

Gebäudevolumen
36’890 m3
 
Fotos
Ulrich Stockhaus, Zürich

Kürzlich wurde ein Berghotel mit Ferienwohnungen auf der Melchsee-Frutt fertiggestellt. Der Architekt Philip Loskant stellt sich unseren Fragen.

Monolithe am Bergsee

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Nebau liegt direkt am Obwaldner Melchsee, mitten im Skigebiet auf rund 1900 Metern Höhe. Die Herausforderung bestand darin, das grosse Bauvolumen in Ortsbild und Landschaft zu integrieren. Das Hotel und die Ferienwohnungen sind daher auf vier Baukörper verteilt, welche auf einem verbindenden Sockel um einen Hof ruhen. Die Architektur nimmt zudem die ortsübliche Bauform freistehender Giebelhäuser oder auch von Berghütten auf. Das Auf und Ab der Dächer und die warmgraue Farbgebung lassen die Baukörper wie riesige Findlinge wirken. Wir lassen jedoch die schweren Baukörper über dem verglasten Sockelbau schweben – als Analogie zu einem Spiegelbild der Berge im See. Die Last der schweren alpinen Gebäude wird hier bewusst nicht thematisiert. Die Baukörper bekommen somit etwas «fantastisches», etwas, das wir nicht gewohnt sind. Dieses Pendeln zwischen Altbekanntem und Unbekanntem macht den Reiz aus.

Vier Baukörper um einen Hof

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Es war klar, dass man das geforderte Volumen nicht in der Landschaft «verstecken» kann. Daher suchten wir bewusst eine etwas überhöhende Geste. Etwas, das den Reisenden zum Träumen anregt und neben den Bergen bestehen kann. Hier stand nicht zuletzt Bruno Tauts «Alpine Architektur» Pate: eine Art Krone aus Bergkristallen, etwas, das die Architektur in den Bergen zum Mittler zwischen Himmel und Erde macht.
 
Im Inneren des Baus wird es dann bodenständiger. Der Gast findet dort ein warmes, holziges Gehäuse, eine veredelte Berghütte. Immer wieder treffen sich aber Innen- und Aussenraum und greifen erlebbar ineinander: Sonnenlicht durchflutet die Räume – und der Blick schweift in die raue Bergwelt.

Restaurant
Umgang um den Hof

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Der Auftraggeber bestellte ein im Betrieb hoch effizientes, für den Gast aber gemütliches Familienhotel. Zudem machte er für die Ausführung eine Teambildung mit einem lokalen Ausführungsarchitekten und einem Innenarchitekten zur Bedingung. Während im Gästebereich der Spagat zwischen moderner Architektur und alpiner Gemütlichkeit gelingen sollte, war «hinter der Bühne» – in Küche und Verwaltung – eine perfekt funktionierende «Maschine» gefragt. Im Grundriss und auch in der Teamarbeit machten wir aus der Herausforderung eine Tugend – Komplexität und Widerspruch wurden zum Thema: hier rechte Winkel und klare Ordnung, da inszenierte, polygonale Raumwelten – und dazwischen mal weichere, mal härtere Formen, die vermitteln sollen.

Hotelzimmer

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Von Anfang an war klar, dass der Entwurf bis zur Realisation einige Änderungen erfahren würde. Das ist bei solchen Projekten üblich. Komplexität und Formenvielfalt zum Thema zu machen hilft dabei, Projektteile im Entwurfsprozess immer wieder verändern zu können, ohne dass dabei der Charakter des Baus als Ganzes verloren geht. In den folgenden fast acht Jahren Projektlaufzeit konnten wir so zahlreiche Änderungen meistern – ja eine gegenüber Änderungen «robuste Architektur» schaffen.

Ferienwohnung

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Das Projekt kam Ende 2007, bereits zwei Jahre nach Bürogründung, zu uns – zunächst als Machbarkeitsstudie, später als Direktauftrag. Das Erscheinungsbild des Hotels wurde sehr früh in den Grundzügen fixiert und ist sicher auch dem gestalterischen Wagemut der jungen Bürojahre und den Tendenzen der 2010er-Jahre zuzuschreiben. In derselben Zeit entstand kaum eine Handvoll andere Bauten aus meinem Büro, davon zwei in Indien. Trotz der Unterschiedlichkeit gibt es einen roten Faden: Allen Entwürfen gemeinsam ist der Wille zu einer ausdrucksstarken Architektur, die den Betrachter bewegt. Das ist am Melchsee anscheinend gelungen, wie uns Leute im Ort immer wieder sagen. Menschen vor Ort glücklich zu machen ist ein gutes Gefühl – und scheint mir das Beste zu sein, was ein Architekt erreichen kann.

Situation
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt

Frutt Family Lodge & Apartments
2015

Melchsee-Frutt OW
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Frutt Resort AG, Melchsee-Frutt
 
Architektur
Architekt Entwurf: Philip Loskant Architekt Eth | Sia, Zürich
Architekt Ausführung: Architekturwerk AG, Sarnen
Innenarchitektur: Matthias Buser, Zürich
 
Fachplaner
Fach­planer HLK: Aicher-​De Martin-​Zweng AG, Luzern
Bau-Inge­nieur: Dur­rer & Part­ner AG, Kerns
Elektro-Ingenieur: Wasmer Engineering, Kriens
Sanitär-Ingenieur: Arregger Partner AG, Luzern
 
Bauleitung/Generalunternehmer
Eberli Generalunternehmung AG, Sarnen

Gebäudevolumen
36’890 m3
 
Fotos
Ulrich Stockhaus, Zürich

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