Mal denken

Inge Beckel
16. September 2019
Acht Farbtafeln, hergestellt aus Farbpigmenten, die aus Steinen der Region Surselva gewonnen wurden. (Foto: Inge Beckel)

Christian Aubry und Lucrezia Zanetti haben mineralische Hausputze mit Farbpigmenten aus regionalem Gestein eingefärbt. Anlässlich der Tage des Denkmals zeigten sie ihre Arbeit in Ilanz.

Nicht potenziellen Sondermüll produzieren, sondern mit dem Material, das am Ort vorhanden ist, arbeiten – das war sinngemäss das Fazit von Christian Aubry vom Atelier Baukunst Graubünden an der Führung in Ilanz anlässlich der Tage des Denkmals, die am 14. und 15. September 2019 stattfanden. Aubry und Mitarbeiterin Lucrezia Zanetti, eine Farbgestalterin, haben im Gebirge rund um die Stadt Steine gesammelt und anschliessend im Atelier in aufwendiger Kleinstarbeit zerkleinert und zermahlen – bis hin zu Farbpigmenten. Mit diesen lassen sich mineralische Hausputze einfärben.

Was Aubry und Zanetti zusammengetragen haben, ist eine erstaunlich breite, vielfältige Palette von Farben (acht auf Tafeln aufgetragene Muster zeigt das obige Foto). Erstaunlich ist weiter, dass jedwede Kombination irgendwie «passt». Gewisse Kombinationen sind üblich und gleichzeitig harmonisch. Andere mögen auf den ersten Blick ungewohnt sein, nichtsdestotrotz ergeben sie als Ganzes eine Harmonie.

Früher, bevor Transportmittel und mit ihnen -wege der steten Beschleunigung unterworfen wurden, kamen im Hausbau grundsätzlich Farben zum Einsatz, die sich aus der näheren und zuweilen etwas ferneren Umgebung zusammentragen liessen. Mit den Jahren – im Zuge des industriellen Fortschritts – ging diese Technik respektive dieses Wissen in der Architektur grossenteils vergessen. Nun wird es wiederbelebt. Womit letztlich – so Aubry – weniger potenzieller Sondermüll produziert wird.

Der Anstoss beziehungsweise Auftrag für die aus einheimischem Gestein gewonnenen Farbpigmente kam vom Hochbau-Amt der Gemeinde Ilanz. Dort ist man daran interessiert, Vorbild oder «Wegbereiter» sein zu können für Hausanstriche, die nicht nur schön sind, sondern sich gleichzeitig gut in ihr Umfeld einordnen und überdies einen Bezug zu historischen Denkmälern herstellen lassen. Denkmälern, die uns (wieder) mal zum Denken anregen sollen.

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