Visualisierung © Schneider Studer Primas, GmbH

Neubau Wohnsiedlung Dietikon

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  • Wohnen
  • Mehrfamilienhäuser
Jahr
2013

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren,  5. Rang

Architektur
Schneider Studer Primas GmbH, Zürich

Auftraggeber
BEP, Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals
NEST, Sammelstiftung – die oekologisch – ethische Pensionskasse

Landschaftsarchitektur
Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH

Visualisierungen
Schneider Studer Primas GmbH

Wir schlagen vor, zwischen dem Massstab der gesamten, zwei Baublocks umfassenden Wohnsiedlung und dem Massstab der einzelnen Wohnung eine weitere Massstabsebene zu formulieren: das Haus.

Jedes Haus ist eine Adresse. Man wohnt nicht in der Wohnsiedlung Dietikon, sondern im Haus Limmatfeldstrasse 12. Das Haus ist auch eine soziale Massstabsebene. Schliesslich ist das Haus auch die kleinstmögliche Einheit zukünftig möglicher Veränderungen. Einzelne Häuser können bei Bedarf angepasst, umgebaut oder sogar ersetzt werden, ohne die Überbauung als Ganzes zu tangieren. Das Denken in Häusern erlaubt, die dem Raumprogramm zugrundeliegende Vielfalt heutiger Wohnformen und Lebensweisen zu organisieren.

 

Offene Blockstruktur

Das dem Leitbild zugrundeliegende Blockrandschema unterscheidet klar zwischen Aussen (Strassenraum) und Innen (Hofraum). Das Denken in Häusern erlaubt nun, dieses Schema zu einer offenen Struktur weiterzuentwickeln, ohne die Klarheit der Strassenräume und Adressen zu verlieren. Gezielte Auslassungen ermöglichen  zusätzliche Querbeziehungen über die beiden Baufelder hinweg.

Zwei volumetrische Massnahmen sind dabei besonders wichtig:

Gezielte Leerstellen in der Blockrandbebauung ermöglichen sekundäre Blick- und Wegverbindungen. Der Rüchligplatz als bedeutendste Auslassung verknüpft den grossen, südlichen Hof mit der übergeordneten Limmatfeldstrasse und dem Begegnungsraum der Mina Hess - Strasse. Damit wird er zum zentralen Treffpunkt im Quartier.

Das niedrige Atelierhaus ermöglicht eine räumliche Öffnung des schmalen, nördlichen Hofes Richtung Süden und verbessert damit die Belichtung und Aussicht der Bauten an der Karl Held - Strasse entscheidend. Zugleich erinnert es in Volumetrie und Nutzung an die gewerbliche Vergangenheit des Ortes.

 

Öffentliche Räume

Um den angestrebten, lebendigen Stadtteil zu verwirklichen disponieren wir die Baufelder so, dass der bereitgestellte Strassen- und Promenadenraum gestärkt und seine Nutzung und Aneignung direkt und unkompliziert möglich sind.

Dazu dient neben der Ausformulierung der Erdgeschossnutzungen und der Vorgärten auch der neu geschaffene Rüchligplatz. Er wird formal und räumlich dem Strassenraster zugeordnet. Damit unterstreicht er den öffentlichen und alltagstauglichen Charakter der Strassenräume und stützt auch die Besonderheit der übergeordneten Freiräume Limmatplatz und –promenade mit ihrem ondulierenden Gestaltungsmuster.

Die Höfe erhalten je ihr Thema. Der nördliche Kieshof, mit Goldeschen bestanden, bietet einen sehr flexibel nutzbaren Siedlungsraum. Der grüne, südliche Hof ist mit dem Hort-Garten und dem Aufgang zur Limmatpromenade räumlich etwas feingliedriger und bietet eine grössere Rasenfläche an. Kuchenbäume und Kirschen bestimmen die Atmosphäre und bieten punktuell Schatten. Beide Höfe sind mit Sitzmauern als verbindendem Strukturelement ausgestattet.

 

Typologische Vielfalt

Aus der städtebaulichen Setzung mit  ihren Auslassungen ergeben sich vielfältige Lagequalitäten. Es gibt Häuser am Rüchligplatz, Eckhäuser an der Limmatfeldstrasse, Kopfbauten am Kanalufer, Häuser mit dem Hof im Süden und Häuser mit der Strasse im Süden.

Wir haben acht unterschiedliche Haustypen entwickelt, die sich in Lage, Volumetrie, Erschliessungsprinzip und Wohnungstypologie unterscheiden. Einige von ihnen, etwa das Atelierhaus oder das Verandahaus, richten sich an spezifische Zielgruppen. Andere, wie das Atriumhaus oder das Wohnhotel, formulieren eine spezifische Vorstellung des Zusammenlebens in einem Haus. Wieder andere, zum Beispiel das Basishaus oder das Eckhaus, sind als polyvalente Stadthäuser konzipiert, welche absichtlich keine bestimmte Zielgruppe oder Lebensvorstellung anvisieren.

Die einzelnen Häuser unterscheiden sich nicht zuletzt auch in ihrer Bautiefe. Einige unterschreiten die zulässigen 18 Meter, andere ragen sogar noch weiter in den Hof und nehmen die Drittelsregelung in Anspruch. Indem die tieferen Bauten an Kopfsituationen oder neben schlankeren Häusern platziert werden, lassen sich überall die geforderten Wohnungsgrössen bei angemessener Belichtung und guten Raumproportionen erreichen. Je nach Bautiefe sind in den Wohngeschossen unterschiedliche Geschosshöhen (2.88m, 2.97m oder 3.06m) vorgesehen, so dass die tiefen und damit tendenziell wirtschaftlicheren Bauten von einer etwas grosszügigeren Raumhöhe profitieren können.

 

Materialisierung und Nachhaltigkeit

Das Materialisierungskonzept erlaubt eine flexible Zuweisung von Fassadenstandards pro Haus. Die im Projekt abgebildete Lösung ist daher als Vorschlag zu verstehen, der aufgrund von Präferenzen der Bauträger oder infolge von Kosten-Nutzen-Überlegungen hausweise modifiziert werden könnte.

Ausgehend von einer Betrachtung der Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz über die gesamte Lebensdauer der Gebäude schlagen wir unterhaltsarme, einschalige Konstruktionen aus Dämmbeton (z.B. Misapor) oder verputztem Einsteinmauerwerk (z.B. Porotherm) und Holz-Metallfenstern vor. Die einfachen, diffusionsoffenen Baumaterialien erlauben einen weitgehenden Verzicht auf Dampfsperren und sichern ein gutes Wohnklima. Weil die gesamte, geschlossene Aussenwand vom Baumeister realisiert wird, lassen sich zudem problematische Schnittstellen bei der Ausführung minimieren.

Ausgehend von den unterschiedlichen Tragwerkskonzepten ergeben sich pro Haus differenzierte Fassadenlösungen. Schottenbauten mit Wohnungsbreiten bis zu 7.5m haben nichttragende Fassaden aus Dämmbeton mit Bandfenstern oder raumhohen Fenstern. Eckhäuser und freistehende Häuser erhalten tragende Fassaden, welche entweder aus Dämmbeton oder als mit Einsteinmauerwerk ausgefachte Betonraster materialisiert werden. Der Sonnenschutz kann mit Holzschiebeläden oder mit Rafflamellenstoren gelöst werden.

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