Vasentürme

 Susanna Koeberle
17. July 2018
Mit den Vasen würdigt Godel die chinesische Porzellankunst. Bilder: © Christiane Nill
Die Westschweizer Porzellankünstlerin Sylvie Godel lässt sich gerne von anderen Kulturen inspirieren. Das tut sie auch bei ihren gestapelten Vasen.
Während ihres Aufenthalts in Jingdezhen (China) war Sylvie Godel beeindruckt von der enormen Vielfalt der Porzellanwerkstätten und Fabriken. Auf ihren täglichen Spaziergängen durch die Stadt bemerkte sie aber auch Schüsseln und Teller, die einfach weggeworfen wurden. Dies inspirierte Godel dazu, gestapelte Vasen aus Schüsseln unterschiedlicher Grössen zu entwerfen, die sie in den Strassen fand oder auf Märkten kaufte. Zuerst stapelte Godel die Schalen, dann stellte sie Gipsformen zum Abguss her. Die Geste der Stapelung ist eine Würdigung der chinesischen Stadt Jingdezhen, in der seit 2000 Jahren Porzellan hergestellt wird. Die Vase aus vielen Schalen ist aber auch eine Hommage an die Schale an sich, einem archetypischen Objekt, das sich in allen Kulturen findet. Die Objekte ähnlen mit ihrer Form auch einer Pagode, ein typisch asiatisches Bauwerk.
Für die Vasen stellte Godel zuerst Gipsformen her. Bild: ©Christiane Nill
Mit «Piles» erinnert die Sylvie Godel an den Reichtum der chinesischen Porzellankunst und an die Zerbrechlichkeit dieser Objekte. Handarbeit sowie die Verwendung natürlicher Materialien haben in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich nachgelassen, auch in Europa– trotz anhaltendem Hype um das Thema. Das sieht man auch daran, dass viele Handwerksabteilungen an europäischen Universitäten schliessen mussten. Godel blickt in die Vergangenheit zurück und würdigt mit den Vasen das Handwerkserbe. Sie schafft damit zeitgenössische Kunstwerke, die vom Wert des Handwerks zeugen und zugleich das Machen selbst als Balanceakt zwischen eigener Kreativität und Anpassung an den Kontext thematisieren.
 

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