Ein städtischer Baustein

Käferstein & Meister Architekten
25. juin 2020
Strassenfassade zur Bankstrasse (Foto: Jürgen Beck)

Johannes Käferstein und Urs Meister haben ein Wohn- und Geschäftshaus an der Bankstrasse in Uster gestaltet. Sie erklären uns den neuen Stadtbaustein.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Neubau in der Kernzone komplettiert als städtischer Baustein die Strassenfront am Bahnhof Uster und nimmt typische Merkmale der Nachbarschaft auf. Er verfügt über einen hybriden Nutzungsmix, welcher der prominenten Lage gerecht wird. Über einem Restaurant liegen zwei Geschosse mit Büro- und Praxisräumen, darüber sind auf zwei Etagen acht Wohnungen angeordnet – ein klassischer städtischer Typus, so wie es sein sollte. Die Herausforderung lag darin, dem Gebäude Kraft, Ausstrahlung und Selbstverständlichkeit zu geben und damit einen architektonischen Beitrag zu leisten, der mit der Stadt in Dialog tritt. 

Foto: Jürgen Beck
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Fassaden von Alder & Sullivan in Chicago oder Joze Plecnik in Wien mögen im Hintergrund gewirkt haben – die Stapelung von unterschiedlichen Fensterformaten zu aufstrebenden «Fenstersäulen» erzeugt eine vertikale Progression und löst eine Narration vom Inneren und Äusseren aus. Die Arbeit mit einzelnen Attributen begann sich im Prozess von eindeutigen Referenzen zu lösen und eine vielschichtige Eigenständigkeit zu entwickeln, die Beziehungen aufbaut sowie Brüche und Opposition miteinschliesst. Unser Ziel war, ganz im Sinne der ursprünglichen Vorbilder eine eigenständige Antwort auf die Themen von Plastizität und Proportionalität in einer an sich flachen städtischen Fassade zu geben.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die unmittelbare Nachbarschaft zum denkmalgeschützten Gebäude der Credit Suisse, das als Zeitzeuge und städtischer Ankerpunkt aus der Reihe der Bauten an der Bankstrasse herausragt, hat Antworten auf mehreren Ebenen nahegelegt. Innerhalb der strengen Vorgaben von Denkmalpflege und Stadtbildkommission versuchten wir eine Sprache zu entwickeln, welche die Vielfalt der städtischen Umgebung reflektiert und sich eigenständig lesen lässt.

Eingangssituation im Hof neben Credit Suisse-Gebäude (Foto: Jürgen Beck)
Eingangshalle (Foto: Jürgen Beck)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Auf der Suche nach einer eigenständigen Identität für unsere Bauten ist uns die Arbeit mit Vielfalt und der Überlagerung von Themen wichtig. Die komplexe Gliederung der Strassenfassade soll zu einer aufmerksamen Lektüre einladen, ohne eine eindeutige Sichtweise vorzugeben. Die Gradierung der übereinanderliegenden Fensterformate betont den städtischen Takt und eine gelassene, massive Ruhe. Fensterbänke aus Kunststein und Blech vermitteln als Elemente der Verklammerung auf einer zweiten Ebene und entfalten ein reiches Spiel von vertikalen und horizontalen Bezügen. Die aussen angeschlagenen, schmalen Fenster der Wohnungen im dritten Obergeschoss schliessen die Fensterjoche ab und sind mit «Bodenfenstern» der Dachwohnungen zusammengefasst, die Blicke auf die Strasse zulassen und sich von innen mit hölzernen Klappläden verschliessen lassen. 

Wohnung im Dachgeschoss (Foto: Jürgen Beck)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Das architektonische Konzept profitiert auf räumlicher Ebene von der generischen Kraft der durch die heterogenen Nutzungen notwendigen Dichte an Installationen. Mit der gebündelten Technikführung an den Schmalseiten erhalten wir im Inneren maximale Freiheit für flexible Nutzungen in den Dienstleistungsgeschossen. Gleichzeitig spannen die beiden «Kamine» den Aussenraum der langgestreckten Dachzinne auf und markieren den Baukörper prägnant in der Stadt. In den beiden Wohngeschossen formulieren wir mit der klaren Kernanordnung, eine raumhaltige Serviceschicht, die statisch wirksam ist und Durchgangsräume, Bäder und Reduits aufnimmt und dabei vielschichtige Raumbeziehungen erzeugt. 

Dachgaube mit Bodenfenster gegen die Strasse (Foto: Jürgen Beck)
Situation
Grundriss Dachgeschoss
Querschnitt
Name des Bauwerks
Wohn- und Geschäftshaus Bankstrasse
 
Standort
Bankstrasse 1, 8610 Uster
 
Nutzung
Restaurant, Büro- und Praxisräume, Wohnungen
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Speich Immobilien AG
 
Architektur
Käferstein & Meister Architekten AG, Zürich
Mitarbeiter: Johannes Käferstein, Urs Meister, Annie Blackadder, Chiara Pestoni, Lukasz Pita, Giulio Loisi, Nicola Suter, Benjamin Shires, Christina Wipf, Aurora del Col
 
Fachplaner
Bauingenieur: Thomas Boyle + Partner AG, Zürich
Elektroplanung: Büchler & Partner AG, Uster
HLKS-Planung: Schoch Reibenschuh AG, Volketswil
Bauphysik und Brandschutz: BB&A AG, Volketswil 
 
Baumanagement
Caretta Weidmann AG, Zürich
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gebäudevolumen
2'995m3 (SIA 116) 
9'226 m3 (SIA 416)
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister: Gebr. Bachmann AG, Uster
Holzbau: Holzbau Oberholzer GmbH, Eschenbach
Fenster: Fenster Nauer AG, Samstagern
Hubfenster: Huber Fenster AG, Herisau  
Spenglerarbeiten: Werner Stauffer AG, Zürich
Kunststeine: Salgado Naturstein GmbH, Zürich
Sonnenschutz: Schenker Storen AG, Schlieren
Markisen EG: Widmer Rolladen AG, Gossau
Elektroinstallationen: Kellenberger + Huber AG, Uster
Sanitärinstallationen: Preisig AG, Zürich
Kücheneinrichtungen: Movanorm AG, Zürich
Aufzüge: OtisAG, 8305 Dietlikon
Gipserarbeiten: Dentale Bau AG, Rümlang
Plattenarbeiten: G. Di Carlo GmbH, Pfäffikon
Schreinerarbeiten: Scherrer AG, Bütschwil
Metallbauarbeiten: Bücheler Metallbau AG, Amriswil
Böden in Kunststein:   MMB AG, Baldegg
 
Fotos
Jürgen Beck, Zürich

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