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Auf`s Dorf gekommen

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Adres
Fläsch, 7306 Interview mit Kurt Hauenstein
Jaar
2011
Kosten
Undisclosed
Verhalen
Undisclosed

Interview: Ella Sarelli

Kurt Hauenstein – warum Fläsch?

Meine Frau und ich haben lange in Zürich gelebt. Als ich 49 wurde hatte ich das Gefühl, ich möchte als Architekt nochmals neue Wege gehen. Etwa zur gleichen Zeit haben wir in Walenstadt eine alte Spinnerei umgebaut. Die Gegend gefiel mir, der Kontrast zum Leben in der Stadt, die zufriedenen Menschen – alles erschien mir anders, frisch und reizvoll. Also entschieden wir uns, aufs Land zu ziehen. Nach Fläsch kamen wir aus dem einfachen Grund, weil wir dort ein altes Bauernhaus mit Scheune geerbt hatten.

Planten Sie dort den Neustart als Architekt?

Ich weiss es gar nicht mehr so genau. Eine Zeitlang habe ich mit dem Gedanken gespielt einen Weinberg zu kaufen und mit einem Winzerkollegen zusammen Wein zu machen. Ich war auf jeden Fall offen für Neues. Aber zuerst einmal habe ich damit begonnen, unser Haus in ein Wohnatelier umzubauen, in dem meine Frau – sie ist als freischaffende Kulturmanagerin tätig – und ich leben und arbeiten konnten.

Das war ihr Einstieg als Architekt in Fläsch?

Das kann man so sagen (lacht)! Ich wurde umgehend mit dem damaligen Baugesetz und seiner Auslegung durch die Gemeinde konfrontiert. An städtische Verhältnisse gewöhnt staunte ich nicht schlecht, wie unmissverständlich auf dem Land festgelegt wurde, wie etwas auszusehen habe. Unser erstes Baugesuch ist glatt abgelehnt worden, weil wir keine Sprossenfenster vorgesehen hatten.

Sie haben dann trotzdem gebaut?

Ich musste mir etwas einfallen lassen. Es galt, die Gemeinde zu überzeugen und trotzdem so zu bauen, wie wir es uns vorstellten. Um beim Beispiel Sprossenfenster zu bleiben: Wir realisierten Metallfenster mit horizontalen Stäben vor dem Glas. Das wurde genehmigt.

Sie haben das Baugesetz überlistet?

Wir haben es neu interpretiert.

Offensichtlich sind Sie nicht Winzer geworden. Also gab es weitere architektonische Projekte für Sie?

Ein Ehepaar wollte ihre Stall-Scheune in ein Wohnhaus umnutzen und bat mich für die Familie ein Projekt auszuarbeiten. Das Objekt steht mitten im Dorf und bildet den Abschluss einer geschlossenen Häuserzeile. Anstatt das Gebäude abzureissen und neu aufzubauen entschieden wir uns für einen Umbau, bei dem die Prämissen der Stall-Scheune erkennbar bleiben sollten. Auch das Baugesetz forderte, sich der alten Dorfsubstanz anzupassen. Unsere Idee war, eine Seite komplett zu verglasen und den Fenstern einen Holzrost vorzustellen, der das Thema vertikale Verschalung aufnimmt. Von innen nach aussen gewährt der Rost Durchblick, Tageslicht und Sonnenschutz, von aussen nach innen fungiert er als Blickschutz.

Heute wird das häufig gemacht?

Damals war das neu, zumindest in Fläsch. Obwohl das Projekt von der Gemeinde genehmigt worden war erhielten wir, als die Glasfront stand, einen eingeschrieben Brief mit der Verfügung des sofortigen Baustopps. Es brauchte diverse Sitzungen um zu erklären, dass die Fassade, die auf den Plänen eingezeichnet war, nicht geschlossen war, sondern Zwischenräume enthielt. Das wurde schlussendlich auch akzeptiert.

Es hatte eine Annäherung stattgefunden?

Unbedingt! Der intensive Dialog war vertrauensbildend. Im Dorf verstand man zunehmend, dass sich die Vorschriften auch anders auslegen lassen. Dass man von einer oberflächlichen Betrachtung zu einer tieferen Interpretation gelangen kann. Dass nicht alles, was neu oder anders ist, automatisch schlecht oder untypisch sein muss. Der nächste Auftrag kam dann auch von der Gemeinde selber, für die wir das alte Schulhaus als Gemeindehaus umgenutzt und umgebaut haben. Mit minimalen Veränderungen und einer optimalen Anpassung an die Bedürfnisse.

Haben Sie während dieser Zeit auch etwas dazugelernt?

Sehr viel sogar. Ich habe begriffen, dass man baldmöglichst alle Beteiligten einbinden sollte. Dass man nicht mit Neuem konfrontieren darf, sondern von Anfang an auf Mitsprache und Dialog setzen muss.

Und das hat Ihnen bei weiteren Projekten geholfen?

Wir haben alle begonnen, anders zu denken. Da war zum Beispiel die geplante Vinothek der Winzerfamilie Adank. Dafür sollte eine Wagenscheune umgenutzt werden. Dazu muss man sagen, die Familie hätte auch ausserhalb des Dorfes einen neuen Betrieb bauen können – so wie das bereits gemacht wurde. Man entschied sich aber bewusst dafür, im Dorf zu bleiben – was ja in letzter Konsequenz ein Gewinn für das Dorfleben ist. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist es gelungen, ein vorbildliches Projekt zu realisieren – unter Berücksichtigung des Hofstattrechts und des Baurechts.

Hatte das Signalwirkung auf andere Weinbaubetriebe?

Ich denke ja. Es haben sich auf jeden Fall auch andere Winzer entschieden, im Dorf zu bleiben und dort weiterzubauen bzw. Ställe oder Scheunen umzunutzen. Auch wenn dies für die Bauherren zum Teil mit grösseren Kosten verbunden war weil man unter den Boden ausweichen musste, da oben nicht genügend Platz ist.

Unterdessen sind Sie zum Weinbau-Architekten avanciert?

Weinbau hat mich schon immer fasziniert. Und natürlich empfinde ich als Architekt eine grosse Freude dabei, auf diesem Gebiet bauliche Lösungen zu entwickeln. Wir nehmen übrigens auch sonst aktiv am kulturellen Leben in dieser tollen Weinregion teil – zum Beispiel haben wir Etiketten und Plakate fürs Weinfest entworfen. Meine Frau organisiert bei Bedarf die passenden Kleinkünstler.

Ausserdem haben Sie sich für die Bausubstanz in der Bündner Herrschaft interessiert?

Vor allem für die in Fläsch. Und zwar schon seit vielen Jahren. Nach einer Gemeinderatssitzung 2004, auf der eine Umzonung von Rebland in Bauland genehmigt wurde habe ich eine Art Kataster aufgestellt. Ich habe einen Plan des Dorfes gezeichnet, auf dem alle Rebberge und alle leerstehenden Scheunen und Ställe vermerkt waren. Ich wollte damit aufzeigen, was passieren würde, wenn mit der Zeit weitere Umzonungsgesuche in Weinbergen und Obstgärten genehmigt werden würden.

Eine Schreckensvision?

Vom ursprünglichen Kern des Winzerdorfs Fläsch wäre wohl nicht viel übrig geblieben.

Und ihr Plan hat dann ein Umdenken bewirkt?

Nicht sofort. Aber als eines Morgens ein paar prominente Fläscher mit riesigen Bauprofilen vor den Fenstern ihrer Häuser erwachten, wurde rasch und konsequent gehandelt um das Dorfbild zu schützen.

Sie selber haben auch Bauprofile aufgestellt für den Neubau Ihres Hauses. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Wir hatten die Chance, am oberen Dorfausgang zur Fläscherhalde ein altes Haus mit Scheune und Obstgarten zu kaufen. Ich habe einige Jahre überlegt, was die richtige Lösung für diesen wunderschönen Ort sein könnte. Zum Schluss habe ich mich gegen eine Umnutzung der Scheune entschieden und stattdessen Alt mit Neu ergänzt.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe gewachsene Strukturen mit zeitgemässem Wohnen vereint, indem ich dem alten Haus einen modernen Neubau beigestellt habe. Der Neubau hat den gleichen Grundriss wie der Altbau. Er ist ebenfalls aus massivem Stein gebaut und mit Holz ausgekleidet. Und er hat die gleiche Farbe wie die ehemalige Scheune. Beide Gebäude stehen nebeneinander, sind mit einander verbunden. Zur Dorfstrasse hin haben sie eine Hofmauer erhalten, wie sie in Fläsch ortsprägend ist.

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