Bleiben die Städtischen Bühnen Frankfurt doch?

Martina Metzner
3. junho 2020
Die Panorama-Bar in den Städtischen Bühnen mit einem Kunstwerk von Zoltán Kemény. (Foto: Jessica Schäfer)

Das Denkmalamt des deutschen Bundeslandes Hessen weist Teile der Städtischen Bühnen in Frankfurt als Kulturdenkmal aus und stützt damit eine Petition, die sich gegen den Abriss der Anlage aus den 1960er-Jahren wendet.

Bereits seit längerem wird in Frankfurt am Main über die Zukunft der Städtischen Bühne gestritten. Gegen den Entscheid für den Abriss der Anlage aus den 1960er-Jahren und die Errichtung eines Neubaus mobilisierte der Kassler Professor Philipp Oswalt mit einer Petition. Jetzt erhält die Debatte neuen Schwung und Oswalt Bestätigung: Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen veröffentlichte am 20. Mai 2020 ein Gutachten, das den Denkmalwert von zentralen Bauteilen der Städtischen Bühnen bestätigt. Das Denkmalamt hatte dies bereits vor Jahren angekündigt. Nun, wenige Monate nach Bekanntgabe der Entscheidung für den Abriss der Anlage von ABB Architekten durch das Frankfurter Stadtparlament am 30. Januar dieses Jahres, hat das Landesdenkmalamt sein Gutachten veröffentlicht. Es stützt die Petition Oswalts zur «Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt». 

Insbesondere geht das Gutachten auf das Foyer am Willi-Brandt-Platz ein: «Mit seiner urbanen, transparenten Fassade steht das Foyer für das neue, demokratische Selbstverständnis Westdeutschlands nach 1945», so Heinz Wionski vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. «Die räumliche Eindeutigkeit der Foyerfassade am Willy-Brandt-Platz als Straßenraumbegrenzung wie als Fluchtpunkt aus Richtung Gallus-Anlage belege die städtebauliche Bedeutung dieser baulichen Anlage.» Damit erfülle das Foyer die Voraussetzungen eines Kulturdenkmals aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen. An seinem Erhalt bestehe ein öffentliches Interesse, bilanziert das Denkmalamt. Erhaltenswert nennt es überdies auch die Werke von Marc Chagall und die Wolken-Deckenskulptur von Zoltán Kemény.

Insbesondere das Foyer der Anlage wird vom Denkmalamt als erhaltenswert eingestuft. (Foto: Uwe Dettmar)

Im Vorfeld der Abrissentscheidung war der Denkmalcharakter vom Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in Abrede gestellt worden: «Die Grundlage seiner Arbeit und Entscheidung über das Gebäude basiert auf der Tatsache, dass das Schauspielhaus oder Teile davon zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht unter Denkmalschutz stehen». Demzufolge müsste die Entscheidung im Stadtparlament unter den neuen Vorzeichen erneut diskutiert werden, auch weil es nun einer besonderen Abrissgenehmigung bedarf. 

Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt mit dem Gutachten umgehen. Aus Fachkreisen werden Stimmen laut, man könne allein die Kunstwerke von Kemény und Chagall in ein neues Gebäude transferieren. Nicht wenige sprechen für einen Teilerhalt der Anlage aus – so etwa der Frankfurter Architekt Stefan Forster, der besagte Petition unterstützt hat. Ende März hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) angekündigt, dass die Investitionen für den geplanten Neubau der Städtischen Bühnen aufgrund der Corona-Krise zunächst nicht anstehen würden. Dennoch plane man weiter, wie Kulturdezernentin Ina Hartwig preisgab. Derweil haben die Petition vom März über 5'700 Personen unterzeichnet. Auf einer eigens angelegten Website wollen die Initiand*innen die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt offen und mit den Bürger*innen diskutieren.

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