Dr. Barbara Steiner wird neue Bauhaus-Direktorin

Manuel Pestalozzi
26. abril 2021
Dr. Barbara Steiner ist in der ostdeutschen Kulturszene zu Hause: Lange Jahre hat sie die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig geleitet. (Foto: J. J. Kucek)

Die Kunsthistorikerin und Politikwissenschaftlerin tritt ihre Stelle am 1. September 2021 an. Die Österreicherin soll frischen Wind bringen, die Erwartungen an sie sind hoch.

«Ich freue mich auf die neue Aufgabe und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen – im Spannungsfeld von Mythos, Marke, Welterbestätte, gegenwärtigen Anforderungen an Designforschung und Lehre, künstlerischen Entwicklungen sowie globalen kritischen Diskursen, die den Umgang mit dem Erbe Bauhaus herausfordern. Meine inhaltliche Arbeit wird vor allem an diesen Schnittstellen ansetzen. Darüber hinaus gilt es, Vernetzungen in Stadt und Region wie auch mit internationalen Partner*innen weiter voranzutreiben.»

Dr. Barbara Steiner

Dr. Barbara Steiner (*1964) habe sich gegen 32 internationale Bewerber*innen durchgesetzt, teilte Rainer Robra (CDU), Kulturminister und Stiftungsratsvorsitzender des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt, schon am 22. April der Presse mit. Überzeugt habe ihr profundes Wissen über die Moderne und ihre langjährige Leitungserfahrung. Barbara Steiner hat von 2001 bis 2011 die Stiftung der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK) geleitet. Sie kennt Ostdeutschland somit hervorragen und ist mit den regionalen Besonderheiten gut vertraut.

Steiner hat Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien studiert. Seit Mitte 2016 war sie Direktorin des Kunsthauses Graz. Neben ihrer Leitung der GfZK war sie in Leipzig für zwei Jahre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Vertretungsprofessorin für den Masterstudiengang Kulturen des Kuratorischen. Sie leitete in den 1990er-Jahren die Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Darüber hinaus lehrte sie unter anderem an der Kunstuniversität Linz (1994–2000), der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen (2000–2002 und 2004/2005) und der Universität für angewandte Kunst in Wien (2007–2009).

Dass eine promovierte Kunsthistorikerin nun Chefin des Bauhauses wird, sieht man in Deutschland als eine ungewöhnliche, aber auch interessante Entscheidung. Die Erwartungen an sie sind hoch. Das zeigt zum Beispiel ein Interview mit Andreas Höll, Kunstredaktor beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Er sagt: «In den vergangenen 30 Jahren waren die Leitungsleute alles studierte Architekten oder Städteplaner. Ob Rolf Kuhn, Omar Akbar, Philipp Oswalt oder zuletzt eben auch Claudia Perren. Als Museumsmacherin zeigte Barbara Steiner allerdings immer ein grosses Faible für die Architektur, für urbanistische Fragestellungen. Und denen ist sie immer wieder in ihrer Ausstellungspraxis nachgegangen.»

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