Kunst als Grundlage für das Zusammenleben

Manuel Pestalozzi
12. maio 2021
Foto: Zwhatt Media Office, GRIP Agency AG

Mit Zwhatt entsteht direkt neben dem Bahnhof Regensdorf-Watt ein neues Stadtquartier. Es wird mit einem «Museum im Fundament» ausgestattet. Wie bitte?, staunt man. Was hat es mit der Kunstaktion auf sich?

«Mit einem Museum im Fundament realisiert die Pensimo Management AG im Auftrag der drei Anlagestiftungen Turidomus, Adimora und Pensimo das neue Stadtquartier Zwhatt: ein Ort der, durch Kunst geprägt, den Megatrend der Individualisierung über den gesamten Entwicklungszyklus des Stadtquartiers lebt. Zwhatt begeht damit nicht nur neue Wege, Zwhatt baut sie.» Dies gibt das Zwhatt Media Office in einer Pressemitteilung bekannt. Ein Museum im Fundament? Die Entwicklung des Quartiers erfolgte nach dem Charrette-Verfahren, also unter Beteiligung der Bevölkerung. Und unkonventionell geht es nun auch bei der Realisierung zu und her.

Was in obigem Zitat zunächst etwas sonderbar tönt, bezeichnet ein Projekt der St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin. Die Zwillingsbrüder sind mittlerweile schweizweit für ihre humorvollen Arbeiten bekannt, die immer wieder zum Nachdenken anregen. «Die Frage war, wie schaffen wir es, den Spirit von Zwhatt konsequent zu verkörpern und die künstlerischen Maximen bereits in der Entstehungsphase zu kultivieren? In diesem Sinne machen wir Kunst an der DNA eines neuen Stadtquartiers», sagt das Duo, das die Dinge gerne wörtlich nimmt und so beispielsweise schon ein Null-Sterne-Hotel mit zwei Betten unter freiem Himmel errichtet hat. 

Foto: Zwhatt Media Office, GRIP Agency AG

Was geschieht? Die beiden Künstler möchten ihr «Museum» im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne zur Grundlage eines guten Zusammenlebens der Menschen im künftigen Quartier machen. Darum haben sie zunächst Personen aus Regensdorf und dessen Aussenwachten Adlikon und Watt geben, ihnen Alltagsgegenstände wie Koffer und Lampen oder sogar Schaukelpferde zu übergeben, damit diese mit anderen «verzwhattet» werden können. Das bedeutet, die Objekte werden zersägt und anschliessend neu kombiniert und wieder zusammengesetzt. Hernach wird die Kunst in den Fundamenten der neuen Siedlung einbetoniert. Die Bauteile tragen so die DNA für ein attraktives und nachbarschaftliches Miteinander, einen Ort, der für die unübliche Begegnung und das kreative Zusammenleben steht, in sich.

Wie sie es gerne tun, laden die Brüder die Menschen mit augenzwinkernder Ernsthaftigkeit zum Nachdenken ein – auf dass das neue Quartier tatsächlich ein besonders lebenswerter Ort werde.

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