Mad arkitekter triumphieren an Hochhauswettbewerb

Juho Nyberg
24. fevereiro 2021
Der Entwurf von Mad arkitekter hat laut Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Vorbildcharakter für künftige Projekte. (Visualisierung: Mad arkitekter)

Vorwiegend aus Holz, begrünt, mit Mobilitätsalternativen statt Parkplätzen, einem guten Nutzungsmix und sozial durchmischter Bewohnerschaft – das «WoHo» soll alles bieten, was man sich in Berlin von neuen Hochhäusern wünscht. 

An Berlins Hochhäuser werden zwischenzeitlich hohe Ansprüche gestellt: Seit einem Jahr verfügt Deutschlands Hauptstadt über ein «Hochhausleitbild». Gebäude von über 60 Metern Höhe müssen demnach umweltfreundlich sein, sozial verträglich, multifunktional und im Erdgeschoss sowie in der obersten Etage öffentlich zugänglich. Ausserdem soll ihre Gestaltung Ergebnis eines Architekturwettbewerbs sein. Dem wird Deutschlands höchstes Holzhochhaus «WoHo» auf allen Ebenen genügen – das zumindest ist das feste Ziel der UTB Projektmanagement GmbH, der Ausloberin eines eingeladenen, zweistufigen Realisierungswettbewerbs für Teams aus Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen um die Gestaltung des Projekts in Berlin-Kreuzberg. Dieser wurde aufgegleist, nachdem der Entwurf des deutschen Büros gmp einer öffentlichen Diskussion mit den Anwohner*innen nicht standgehalten hatte. In die Höhe wachsen wird das Hochhaus am östlichen Rand des Parks Gleisdreieck, von der Schöneberger Straße leicht zurückversetzt.

Ein reiner Holzbau wird der Turm indes nicht: Untergeschosse und Kerne werden betoniert, alle weiteren Bauteile sollen aus Holz gefertigt werden. So zeigt sich der Baustoff auch in der gerasterten, mit Pflanzenkübeln durchsetzten Fassade und der doppelgeschossigen Eingangszone. Allerdings: Ob dieses Bild Realität wird, ist noch ungewiss. Die Jury beurteilt die Fassade zum jetzigen Zeitpunkt im Hinblick auf den Brandschutz «kritisch».

Das aus vier Baukörpern komponierte Haus erstreckt sich über 29 Geschosse. Insgesamt wird es 98 Meter hoch aufragen. Öffentliche und halböffentliche Bereiche bilden einen sieben Stockwerke umfassenden Sockel, darüber türmen sich Wohnungen. 

Der hohe Eingangsbereich markiert die öffentliche Nutzung der unteren Geschosse. (Visualisierung: Mad arkitekter)
Ökologische und soziale Ziele

Neben den ökologischen Aspekten streicht Thomas Bestgen, Geschäftsführer der Bauherrschaft, die sozialen Vorzüge des Projekts gerne heraus. Von den 18 000 Quadratmetern Nutzfläche sind 15 Prozent für die soziale Infrastruktur vorgesehen, 25 für gewerbliche Einrichtungen und die übrigen 60 für Wohnungen. Diese wiederum sollen zu je einem Drittel als mietpreisgebundene Wohnungen, bezahlbare genossenschaftliche Wohnungen und Eigentumswohnungen angeboten werden. Auch Studentenstudios sind geplant. Ausserdem wird es «Joker-Zimmer» geben, falls sich der Platzbedarf der Bewohner*innen kurzfristig verändert.

Im vier Meter hohen Erdgeschoss sollen Bäcker, Cafés, Spätverkauf und Werkstätten unterkommen. Im Sockel sind ferner eine Kita mit Hort, eine «Kiezkantine», Jugendeinrichtungen, ein Indoor-Spielplatz, Ateliers und Gewerbeflächen sowie Familienwohnungen geplant. Die Jury würdigt in ihrem Bericht besonders die freie Treppe, die durch den Sockel empor führt. Das Dachgeschoss soll öffentlich zugänglich sein und mit einer Bar und einer Sauna ausgestattet werden. Zur gewünschten sozialen Durchmischung der Bewohnerschaft wird ferner auch betreutes Wohnen für Jugendliche oder Demenzkranke beitragen.

Das auch von Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher als «Projekt mit Vorbildcharakter für weitere Hochhausprojekte» gelobte Vorhaben sendet darüber hinaus auch gute Signale im Bereich des Individualverkehrs aus. Ähnlich wie beispielsweise bei der Zürcher Genossenschaft Kalkbreite sollen anstelle von Parkplätzen Mobilitätsalternativen und Sharing-Angebote integriert werden. Ausserdem wird die grosse Velogarage mit einer Werkstatt ausgerüstet.

Die Komposition aus vier Baukörpern vermittelt zwischen der Umgebung und dem Hochhaus. Das Gebäude soll «identitätsstiftend» für das Quartier sein. (Visualisierung: Mad arkitekter)

Um die Nutzungen im «WoHo» bedarfsgerecht zu konkretisieren, werden interessierte Akteure, Träger und auch die Nachbarschaft in das weitere Verfahren eingebunden. Ob das ehrgeizige Projekt den guten Absichten der Bauherrschaft gerecht werden kann oder das «vertikale, urbane Quartier» doch ein Traum bleibt, kann frühestens ab 2026 überprüft werden. Dann wird das Hochhaus stehen – sofern alles nach Plan verläuft.

Das Wettbewerbsergebnis im Überblick:
 
1. Preis: Mad arkitekter, Oslo, mit Mud, Bergen
 
2. Preis: Partner und Partner Architekten und Günter und Finkbeiner Architekten mit lavaland und Treibhaus, alle Berlin
 
3. Preis: Baumschlager Eberle Architekten mit Locodrom Landschaftsarchitekten, beide Berlin
 
3. Preis: ZRS Architekten mit schönherr Landschaftsarchitekten, beide Berlin

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