Good KOB, Bad KOB

Ulf Meyer
18. 十二月 2020
So soll die Komische Oper nach ihrer Umgestaltung in Erscheinung treten. (Visualisierung © kadawittfeldarchitektur)

Berlin ist wohl die einzige Stadt der Welt mit gleich drei staatlichen Opernhäusern. Während die Deutsche- und die Staatsoper prominent entlang der Ost-West-Achse (an der Bismarckstraße beziehungsweise Unter den Linden) liegen, ist das dritte Haus gut versteckt. An der ehemaligen Prachtstrasse Preußens, der Strasse Unter den Linden, klafft auf Höhe der Glinkastraße eine Lücke. Der spröde 1960er-Jahre-Bau dort verrät nichts davon, dass sich hinter seiner Fassade eines der schönsten Theater der Stadt verbirgt: die Komische Oper Berlin (KOB). Der Zuschauerraum des als Metropol-Theater erbauten Hauses, entworfen von den Wiener Architekten Helmer und Fellner 1892, blieb im Krieg unzerstört. 1947 wurde die Komische Oper gegründet und die «Geburtsstätte des modernen Musiktheaters» wiedereröffnet. Nach dem Bau der Mauer wurde das Haus modernisiert. Nach Entwurf von Kunz Nierade wurden die schlichte Fassade, das Foyer und die Wandelhalle gestaltet und ein Funktionsgebäude hinzugefügt. 2006 dann wurde das Foyer nach den Plänen von Stephan Braunfels aus München erneut umgebaut. 

Um das Opernhaus grundlegend aufzuwerten, zu erweitern und dem denkmalgeschützten Ensemble eine besser sichtbare Adresse zu geben, wurde ein offener Realisierungswettbewerb ausgelobt. Um- und Neubau sollen 227 Millionen Euro kosten. Von den 20 000 Quadratmetern Nutzfläche waren 8 600 im Neubau unterzubringen. Aus den eingereichten 63 Entwürfen wurden 16 Arbeiten zur zweiten Phase ausgewählt. Die Jury unter Vorsitz von Stefan Behnisch entschied schliesslich Ende Oktober 2020 über die drei Preisträger wie folgt:

1. Preis
kadawittfeldarchitektur, Aachen

2. Preis
Baumschlager Eberle Architekten, Berlin

3. Preis
AFF und Topotek 1, Berlin und Zürich

Von der Terrasse aus wird man bis zum Brandenburger Tor sehen können. (Visualisierung © kadawittfeldarchitektur)

Der Entwurf von kadawittfeld aus Aachen wurde hernach mit Lob geradezu überhäuft: Er liefere «ein markantes Gebäude und eine Aufwertung entlang der Glinkastraße, für die Mitarbeiter gute Arbeits- und Probebedingungen und für die Identität der Komischen Oper Berlin ein Gebäude, das Innovationskraft, Wandelbarkeit und Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft signalisiert», jubelte Berlins Senatsbaudirektorin, Regula Lüscher. Als «einladend, zugewandt und offen – nach innen und in die Strassen der Stadt hinein» interpretiert sie den Vorschlag. Die neuen Proben- und Arbeitsräume, Foyers, Restaurants und Terrassen könnten zu einem «Begegnungsort für Künstler und Zuschauer an einer der prominentesten Adressen der Stadt» werden. 

In der Beurteilung des Preisgerichts heisst es: «Das Projekt setzt auf einen plastisch gegliederten und differenzierten Gebäudekörper. Die Vor- und Rücksprünge aktivieren die Glinkastraße, indem drei Eingänge dort angeordnet sind: der Café-, Bühnen- und Mitarbeiterrestauranteingang.» Überzeugend fand die Jury auch die Anordnung und Gestaltung der Tageskasse Unter den Linden: Ein schmaler gläserner Körper öffnet sich einladend zur Strasse. Der Materialwechsel von Sandsteinplatten zu Zinkblech markiert den Übergang zwischen Neu- zu Altbau. Die Vor- und Rücksprünge enthalten im Innern das Café und die Tageskasse, die Probebühne I sowie den Orchesterprobenraum und das Mitarbeiterrestaurant. Diese Anordnung ist funktional überzeugend, da der Anbau an die Nutzungen im Bestandsgebäude anschliesst. Die Bürogeschosse als eigenständiger Bau mit Pfosten-Riegel-Fassade runden die Komposition ab. Zwei Terrassen mit Blick bis zum Brandenburger Tor bereichern das Raumangebot für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen. 

Die Sanierung und der Neubau sollen im Zeitraum zwischen 2023 und 2027 realisiert werden. Als Ausweichquartier während der Arbeiten wird aller Voraussicht nach das Schiller-Theater dienen. 

Im Modell zeigt sich der neue Riegel entlang der Glinkastraße. (Modellfoto © kadawittfeldarchitektur)
Lage der Oper südlich von Unter den Linden
Grundriss Erdgeschoss
Ansicht zur Behrenstraße
Der Entwurf von Baumschlager Eberle (Visualisierung © BE Berlin GmbH, Baumschlager Eberle Architekten)
AFF und Topotek 1 erreichten zusammen Rang drei. (Visualisierung: AFF und Topotek 1)

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