Verdichten in Seelisberg?

Manuel Pestalozzi
21. 十一月 2023
Das palastartige Grandhotel Sonnenberg soll auch seine neuen Nachbarbauten überragen. (Visualisierung: © Iwan Bühler Architekten)

Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass die Halter AG die historische Hotelanlage Seelisberg wiederbeleben möchte. Angedacht war, die schmuckvollen Bauten aus der Belle Epoque instand zu setzen und mit Wohnhäusern zu ergänzen. Auf diese Weise soll sich der Erhalt der Baudenkmäler auch wirtschaftlich lohnen. Iwan Bühler Architekten erhielten den Auftrag, einen Vorschlag für die Umgestaltung zu entwickeln. Nun liegt der Entwurf des Luzerner Büros vor.

Die Hotels Sonnenberg und Kulm sollen demnach ausgebaut werden. Auf vier Baufeldern entstehen Gebäude mit rund 130 zusätzlichen Hotelbetten sowie 120 Wohnungen. Neue gastronomische Angebote sollen das Ensemble vervollständigen, und die prägende Aussenanlage wird öffentlich nutzbar bleiben.

Rund um die beiden Hotels Sonnenberg und Kulm soll eine substanzielle Verdichtung erfolgen. (Visualisierung: © Iwan Bühler Architekten)

Die vier Baufelder heissen «Sonnenberg», «Kulm», «Süd» und «Nord». Das 1875 erbaute Hotel Sonnenberg soll hergerichtet werden, während unterhalb des historischen Hotels Kulm vier Geschosse mit Apartments für den Hotelbetrieb in die Felswand gebaut werden. Nördlich und südlich der beiden Hotels sind Neubauten vorgesehen: Im Norden werden vier neue Häuser das ehemalige Hotel Waldhaus Rütli und ein rückwärtiges Bestandsgebäude ersetzen. Im Süden sind zwei grosse Wohnhäuser geplant. Die Visualisierungen zeigen, dass sie dunkle Fassaden bekommen werden. Mit ihrer Formgebung und Farbe sollen sie an vom Berg gestürzte Felsbrocken erinnern. Zudem ist schliesslich eine von aussen nicht sichtbare Einstellhalle vorgesehen, die sowohl von den Hotelgästen als auch den Bewohnenden genutzt werden kann.

Im südlichen Teil des Areals sind zwei neue Wohnbauten geplant. Unterhalb des Hotels Kulm sollen vier Geschosse in den Fels gebaut werden. (Visualisierung: © Iwan Bühler Architekten)

Kurzum, geplant ist eine markante Verdichtung – an einem einzigartigen, für die Schweizer Geschichte und Identität sehr bedeutsamen Ort, der vergleichsweise abgelegen in einem wertvollen Naturraum liegt und verkehrsmässig nicht allzu gut erschlossen ist. Der Projektvorschlag ging bereits im Oktober der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) zur Prüfung zu, die zusammen mit der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) Stellung nehmen soll. 

Die Gemeinde Seelisberg und der Kanton Uri erhielten derweil eine Potenzialstudie, die auf die wirtschaftliche Machbarkeit fokussiert. Sie will die Chancen herausstellen, die das Projekt aus Sicht der Halter AG für Seelisberg bietet. Laut dieser Studie kann neben bedeutenden Umsätzen durch den Betrieb des Hotels und der Gastronomie in der Anlage mit rund 70 neuen Arbeitsplätzen gerechnet werden. Durch das zusätzliche Wohnangebot könnte die Bevölkerung von Seelisberg mittelfristig um bis zu 220 Personen anwachsen, was auch mit entsprechenden Steuererträgen für Gemeinde und Kanton verbunden wäre. Durch die zusätzlichen Hotelbetten dürften sich die Hotellogiernächte in Seelisberg auf etwa 60'000 pro Jahr verdoppeln. Ausserdem wird mit rund 35'000 zusätzlichen Tagesgästen jährlich gerechnet.

Nördlich der Kapelle Maria Sonnenberg sind weitere Wohnbauten geplant. (Visualisierung: © Iwan Bühler Architekten)

Doch wer würde, sollten die Pläne umgesetzt werden, in das für Schweizer Verhältnisse abgelegenen Dorf ziehen? Lassen sich wirklich dauerhaft neue Einwohner*innen anziehen? Und wie umwelt- und sozialverträglich sind die Pläne? Inwiefern würde die einheimische Bevölkerung profitieren? Wofür würde die Gemeinde die zusätzlichen Einnahmen ausgeben? Diese Fragen sollten eingehend diskutiert werden, ehe man mit der grossen Kelle anrichtet. 

Unterdessen bereiten die Gemeinde und der Kanton in Zusammenarbeit mit der Halter AG die Anpassung der kommunalen Nutzungsplanung und die Erstellung eines Gestaltungsplans für das Quartier vor. Laut der Immobilienentwicklerin könnte das Baugesuch Ende 2025 eingereicht werden, sofern niemand gegen das Projekt klagen.

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