Ein Dach allein genügt nicht

 Jenia Jost
13. April 2017
Im ersten Raum kann man acht Personen kennenlernen, die in die Schweiz geflüchtet sind. Bild: Irshad Nasir
Dass es Flüchtlinge gibt, ist bekannt – aber dass sie mehr als nur eine Unterkunft brauchen, nicht.
Das Heimatschutzzentrum in der Villa Patumbah präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Verein «Architecture for Refugees» eine neue Ausstellung mit dem Titel «Shelter is not enough». Die Thematik «Lebensräume für Flüchtlinge in der Schweiz» wird im Kellergeschoss der Villa bis zum 1. Oktober 2017 vertieft und diskutiert.

In den letzten zwei Jahren haben rund 60'000 Personen in der Schweiz Asyl beantragt. Acht dieser Flüchtlinge erzählen im ersten Raum der Ausstellung von ihrem Schicksal und zeigen auf Bildern ihr altes und neues Zuhause. Ein trauriger Vergleich! Im Raum daneben sollen die Besucherinnen und Besucher partizipativ die Ausstellung mitgestalten, indem sie über Komfort und Ansprüche der Flüchtlinge nachdenken und so Ideen für eine bessere Zukunft zusammentragen. Im letzten Raum wird nach der persönlichen Meinung der Besucher gefragt, zum Beispiel wie sie sich fühlten, wenn über ihrer Wohnung eine Flüchtlingsfamilie einziehen würde. Ein Teppich aus Kunstrasen und Gartenstühle symbolisieren den Aussenraum, der bei Asylunterkünften aus Kostengründen oft vernachlässigt wird.
Im «Ideenraum» der Ausstellung finden auch Workshops statt. Bild: Irshad Nasir
Der Verein «Architecture for Refugees» und der Heimatschutz sehen die Ausstellung als Projekt mit dem Ziel, die gesammelten Ideen in einer Broschüre zu bündeln. Damit will man Gemeinden und Ämter sensibilisieren, dass eine, meist temporäre, Unterkunft alleine nicht reicht. Qualitätsvolle Lebensräume sind eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenleben. Baukultur muss gefördert werden, damit durch Wohlbefinden Heimat entstehen kann. Es braucht dafür Kultur wie auch Kommunikation und es muss ein Umdenken stattfinden, damit künftig Bauten erstellt werden, die flexibel nutzbar sind, heute als Asylunterkunft und in zwanzig Jahren vielleicht als Alters- oder Studentenheim.
 
Nach dem Besuch der Ausstellung wird einem bewusst, dass wir oft gar nicht wissen, wo Asylanten in der Schweiz leben und auch nicht wie. Doch die unausgesprochene und vielleicht unangenehme Frage lautet: Wollen wir es überhaupt wissen?
Asylunterkunft in Appenzell. Bild: Architecture for Refugees Schweiz

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