Eurotopie

 Jenny Keller
24. Mai 2018
Eurotopie, Installation im Belgischen Pavillon. Bild: Italo Rondinella
Im Belgischen Pavillon gelang vier jungen Kuratoren und Ausstellern namens «Traumnovelle» die grosse Geste, von der grosse Architekten träumen.
Der Belgische Pavillon wird während der Architekturbiennale 2018 zu einem politischen Ort, wo mit wenigen szenografischen Mitteln über ein grosses Thema nachgedacht werden soll: Wie sieht Europa in Zukunft aus? Blaue Treppenstufen, im Kreis angeordnet wie eine Agora oder ein politischer Versammlungsraum (nimmt man nun links oder rechts Platz, und wo ist überhaupt links und wo rechts, oder legt man sich einfach in die Mitte?), bilden diesen Europäischen Raum, in dem man die Schuhe ausziehen muss. Referenzen an andere Kulturen sind wohl nicht zufällig, und sogleich erinnert das grosse Blau an das grosse Meer, das viele Nicht-Europäer vom Traum Europas trennt. Dazu wummert Beethovens «Ode an die Freude» aus der 9. Symphonie zum Teil verstörend tief (abgeschaut bei James Blake?), zum Teil positiv und klar aus den Boxen und macht das Raumerlebnis zu einem Gesamterlebnis.

​Der erste Eindruck zählt immer. Dieser erste Eindruck entscheidet bei einem Pavillon an der Architekturbiennale, ob man sich mit dem Inhalt auseinandersetzen mag, oder nicht. Im Belgischen Pavillon, oder im dazugehörigen Katalog, wird das Europäische Quartier in Brüssel – eine Enklave wie die Kuratoren schreiben – untersucht. Mit wenigen Mitteln und vor allem mit Musik – eine in der Architektur(ausstellung) viel zu wenig beachtete Komponente – schaffen Léone Drapaud (1987), Manuel Leon Fanjul (1990), Johnny Leya (1990) und Roxane Le Grelle (1990) eine grosse Geste, die viel Assoziationsraum birgt. Chapeau!
Bild: Italo Rondinella

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