Lehrreiche Schale

Elias Baumgarten
11. April 2019
Student*innen der ETH Zürich haben auf dem Campus Hönggerberg eine dreigestützte Betonschale gebaut. Bild: RAPLAB

Grösse, Gewicht, Material und Aufwand – für Architekturstudent*innen sind das oft nur abstrakte Grössen. Doch haben sie konkrete Auswirkungen beim Bauen. Das haben zehn Student*innen der ETH Zürich während der vergangenen Seminarwoche gelernt: Sie bauten auf dem Campus Hönggerberg eine 4 Tonnen schwere Schale aus Beton.

Vom Experiment zum digitalen Modell

Während der vergangenen Seminarwoche des Departements Architektur (D-Arch) organisierte die Modellbauwerkstatt der ETH Zürich (RAPLAB) für zehn Student*innen eine besondere Erfahrung: Gemeinsam gestalteten und detaillierten sie eine Betonschale, die anschliessend innert nur einer Woche auf dem Campus Hönggerberg gebaut wurde. Das dreigestützte Objekt wurde zunächst mittels Gipsmodellen und pneumatischen Experimenten entworfen – in Anlehnung an die Formfindungsmethoden des Schweizer Bauingenieurs Heinz Isler (1926–2008). Das finale Gipsmodell wurde mithilfe eines 3D-Scanners digitalisiert. Anschliessend wurde die Statik mit Professor Joseph Schwartz erörtert. 

Entwickelt wurde die Form der Schale mit Gipsmodellen und in pneumatischen Experimenten. Bild: RAPLAB
Die Bewehrungseisen wurden vor Ort gebogen und montiert. Bild: RAPLAB
Der Beton wurde von Hand in das Gitter gedrückt und anschliessend abtalonschiert. Bild: RAPLAB
Wenn Schalung und Bewehrung eins werden

Nach getaner Entwurfs- und Konstruktionsarbeit standen die Student*innen vor der Herausforderung, die Schale innerhalb von nur einer Woche zu bauen. Die Entwicklung einer herkömmlichen Schalung schied dabei aufgrund der Kürze der Zeit aus. Stattdessen entschied man sich dafür, nach dem Vorbild des italienischen Bauingenieurs Pier Luigi Nervi (1891–1979) Schalung und Bewehrung eins werden zu lassen: Die Bewehrungseisen wurden an Ort und Stelle vorgebogen und eingemessen. Dieses Grundgerüst wurde auf der Ober- und Unterseite mit einem Drahtgitter versehen. Das Einbringen des Mörtels erfolgte dann von Hand mit einfachsten Werkzeugen. Unterstützung kam dabei von der Firma Sika, die 3 Paletten Material stellte, und Theo Bürgin mit seinem Team von Bürgin Creations. Die fertige Schale, welche derzeit auf dem ETHZ-Gelände am Hönggerberg in Augenschein genommen werden kann, weist Materialstärken von 4 bis 12 Zentimetern auf. Sie wiegt 4 Tonnen und ist 3 Meter hoch. In einigen Wochen sollen das Objekt wieder demontiert werden.

Nach nur einer Woche Bauzeit war die Schale fertiggestellt. Bild: RAPLAB
Bild: RAPLAB
Technische Daten der Betonschale:
Höhe: 3 m
Länge: 8 m
Breite: 8 m
Gewicht: 4 t
Material: Stahlbeton (Sika Mono Top 412)
 
Beteiligte Student*innen:
Giulia Boller
Emmanuelle Farine
Maximilian Glaus
Viktor Jörgensen
Noemi Kallen
Jonas Kissling
Dominic Knecht
Emil Schaad
Severin Spörri
Haruhi Untersander

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