Ein Beitrag zu einem intakten Landschaftsbild

Röösli Architekten AG
25. novembre 2021
Südwestfassade (Foto: Daniela Burkhart)

Röösli Architekten haben bei Baar einen Ersatzneubau ausserhalb der Bauzone entworfen – eine knifflige und kontroverse Bauaufgabe. Patrick Röösli berichtet, wie sein Team die Bauherrschaft für die hohen architektonischen Anforderungen sensibilisiert hat.

Herr Röösli, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das Bauen ausserhalb der Bauzone ist immer eine besondere, schöne Herausforderung. Das gebaute Haus wird in einem weiten Umkreis wahrgenommen und prägt die Landschaft. Deshalb ist der Anspruch an eine gute architektonische Lösung richtigerweise hoch. Wir müssen zu unserem Landschaftsbild Sorge tragen.

Westfassade mit Markisen (Foto: Daniela Burkhart)
Südfassade ohne Markisen (Foto: Daniela Burkhart)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Ein abgebrochenes Bauernhaus aus den 1930er-Jahren hat uns als Inspiration gedient. Unser Gebäude sollte sich wohltuend in das Landschaftsbild einbetten. Wir haben darum typische Gebäudemerkmale des Vorgängerbaus übernommen – zum Beispiel den vorspringenden Sockel, das verputzte erste Wohngeschoss, das Ober- und Dachgeschoss in Holz, das Treppenhausrisalit sowie die achssymmetrische Lochfassaden und das Steildach mit Aufschieblingen, welche das Vordach bilden.

Mit der von uns gewählten Typologie wollen wir eine gewohnte und früher auch konstruktiv und handwerklich bedingte Ausführungsart auf moderne Weise fortsetzen.

Süd- und Ostfassade (Foto: Daniela Burkhart)
Nord- und Ostfassade (Foto: Daniela Burkhart)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Anfangs zeigte uns die Bauherrschaft Fotos von kantigen Bauten mit bunten Faserzementfassaden und angebauten Wintergärten, die sie auf Sonntagsspaziergängen gemacht hatte. Aber im Kanton Zug gibt es für die Planung von Bauten ausserhalb der Bauzone einen gut verständlichen Leitfaden, der die Grundlage für die Gestaltung bildet. Unter anderem sind die Bauten in Holz zu erstellen beziehungsweise damit zu verkleiden. Wir erklärten der Bauherrschaft in Gesprächen die hohen Anforderungen an einen sorgfältigen gestalterischen Umgang mit Bauten ausserhalb der Bauzone und gewannen ihr Verständnis. Unsere Bauherren gewährten uns anschliessend für die äussere Gestaltung viel Spielraum. Unser Vorschlag war für sie hinsichtlich der architektonischen Gestaltung eher unerwartet, ja überraschend. Trotzdem fanden sie an ihm Gefallen. Vielleicht lag das an der Feinfühligkeit unseres Projekts: Anstelle des gewünschten Wintergartens zum Beispiel, welcher für solche Bauten untypisch wäre, entwarfen wir eine dezente, konvexe Veranda, um ihrem Wunsch Rechnung zu tragen.

Der Vorgängerbau im Jahr 2019 (Foto: Regine Giesecke)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Wir freuen uns und sind überzeugt, mit dem Neubau in der Schönau ein weiteres Objekt von konstanter gestalterischer Qualität vorweisen zu können. Insbesondere handelt es sich wiederum um einen mehrgeschossigen Holzbau. Beim Entwurf konnten wir von unseren gestalterischen und handwerklichen Erfahrungen aus der Sanierung von Denkmalschutzbauten profitieren.

Detailaufnahme von Sockel und Holzfassade (Foto: Daniela Burkhart)
Detail der Holzfassade (Foto: Daniela Burkhart)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Wir orientieren uns weniger an Tendenzen oder arbeiten tendenziös, sondern lassen uns aus der Baugeschichte und vom kulturellen Kontext inspirieren. Wir wollten dem Gebäude eine identifizierbare Örtlichkeit geben. Es sollte erkennbar im Kanton Zug stehen.

Statt eines Wintergartens verfügt das Haus über eine Veranda. (Foto Daniela Burkhart)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Wir haben bewusst ein kontrastierendes Material- und Farbkonzept gewählt. Die Farbigkeit bewegt sich von Weiss-Grau zu Rosa-Ziegelrot.

Dabei wählten wir bei den Farbwechseln eher Komplementärfarben. Wir suchten und fanden sie in der Materialfarbe des Sockels, in der Putzmischung des Erdgeschosses und im natürlichen Brandergebnis der Ziegel. Dazwischen füllen behandelte Oberflächen, das dunkle Silbergrau der vertikalen Douglasielatten und die in hellhellblau aufgetragenen Ölfarben der Untersicht des Vordachs die Farbpalette.

Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Längsschnitt
Bauwerk
Wohnhaus Schönau
 
Standort
Schönau, 6340 Baar
 
Nutzung
Wohnhaus, Ersatzneubau ausserhalb der Bauzone
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Privat
 
Architektur
Röösli Architekten AG, Zug
Projektleiter: Patrick Röösli
Mitarbeiterin: Aline Johansson
 
Fachplaner 
Holzbauingenieur: Hürlimann Holzbau AG, Unterägeri
Massivbauingenieur: Peter Ott, Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau AG, Steinhausen
Elektroingenieur: eTeam plus AG, Steinhausen
HLKS-Ingenieur: Josef Moser AG, Cham
Bauphysik: MEP Akustik & Bauphysik AG, Luzern
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gesamtkosten BKP 1–9
1,66 Mio.
 
Gebäudekosten BKP 2 
1,5 Mio.
 
Gebäudevolumen
1075 m3
 
Kubikmeterpreis
BKP 1–9: 1544 CHF/m3
BKP 2: 1395 CHF/m3
 
Energiestandard
Wärmeerzeugung mittels Pellets, Wärmeabgabe Bodenheizung
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer 
Hürlimann Holzbau AG, Unterägeri
Trütsch Fenster AG, Ibach
eTeam Plus AG, Steinhausen 
Erni Bau AG Bauunternehmung, Steinhausen 
Leo Ohnsorg AG, Steinhausen 
Maler Matter AG, Baar 
Steinmann Haustechnik AG, Baar 
A.Iten AG, Unterägeri 
Villiger Niggli AG, Cham 
Lötscher Tiefbau AG, Luzern 
 
Fotos
Daniela Burkhart, Luzern, und Regine Giesecke, Zug

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