Bank Cler, Zürich 2017

Bankfiliale der Zukunft

Mint Architecture
20. juli 2017
Bild: Mint Architecture

Mint Architecture hat kürzlich die Umgestaltung der neuen Bank Cler in Zürich abgeschlossen. Das Architektenbüro stellt sich unseren Fragen.

Nutzung Pilotfiliale der neuen Bank Cler (ehemals Bank Coop)
Zusätzlich verfügt die Bank über 31 Geschäftsstellen, die im Zuge der Neuausrichtung der Bank von Mint Architecture auf den neuen Marktauftritt umgestaltet wurden.
Auftragsart Konzeption, Design, Planung und Umsetzung des neu erarbeiteten Marktauftrittes im dreidimensionalen Raum.
Bauherrschaft Bank Cler
Architektur Mint Architecture, Zürich
Jahr der Fertigstellung 2017
Gebäudevolumen Pilotfiliale Uraniastrasse: 468 m², Gesamtfläche alle Filialen 3343 m²
Fotos Mint Architecture

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das tägliche Kundengeschäft von Banken hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Dadurch stellt sich  Finanzdienstleitern die Frage, wie Filialen auszusehen und welche Aufgabe sie zu erfüllen haben. Im Zuge ihrer Neuausrichtung hat Mint Architecture für die neue Bank Cler (rätoromanisch: klar, einfach, deutlich) mit der Geschäftsstelle an der Uraniastrasse in Zürich die «Bankfiliale der Zukunft» gestaltet.

Bild: Mint Architecture

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das neue Filialkonzept setzt bezüglich Transparenz und Offenheit neue Massstäbe, widerspiegelt aber gleichzeitig die soziale Haltung und genossenschaftliche Herkunft der Bank. Die Kunden und ihre Bedürfnisse stehen bei der jüngsten Schweizer Retailbank auch weiterhin im Zentrum.

Bild: Mint Architecture

Wie unterscheidet sich die Filiale gegenüber früher?
Das neue Filialkonzept verzichtet auf jegliche Schalter und rückt durch den Verzicht herkömmlicher Bankenzonen die persönliche Beratung in den Mittelpunkt. Ein freundlicher offener Empfang mit Bewirtungsmöglichkeiten, kommunikative Interaktionszonen mit Lounge und Sitzmöglichkeiten, offene wie auch geschlossene Beratungszonen sowie Zonen für Schulung und Events orchestrieren die Offenheit und Freundlichkeit der jüngsten Bank der Schweiz. Teil dieser Kultur sind auch die flexibel und sichtbaren Arbeitsplätze.

Bild: Mint Architecture

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnenden Entwurf beeinflusst?
Die Anforderungen des Auftraggebers waren, das CI und damit die neuen Markenwerte im Raum erlebbar zu machen. Es sollte ein Konzept entwickelt werden, das man so noch von keiner Bank kennt - jung und frisch und dabei die Kommunikation und die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Hierzu wurden auch die Arbeitsabläufe der Mitarbeitenden verändert. Die Mitarbeiter bewegen sich frei auf der Fläche und gehen auf den Kunden zu. Je nach Kunde und Bedürfnis wird über die Wahl der  Beratungszone entschieden.

Bild: Mint Architecture

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Nein. Das Design wurde vom Vorentwurf an von allen Entscheidungsträger auf Anhieb als richtiger Ansatz verstanden, um die neuen Markenwerte der Bank Cler — frisch, intelligent, schweizerisch — im dreidimensionalen Raum abzubilden und erlebbar zu machen. Typische Merkmale des Ansatzes sind die Farbigkeit, wobei Rot, Blau und Gelb als Primärfarben für Klarheit und Einfachheit stehen, sowie die Leichtigkeit mit filigranen, freistehende Gestaltungselementen und Möbelcharakter statt System oder Einbaumobiliar.

Bild: Mint Architecture

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Die Geschäftsstelle an der Uraniastrasse ist die Pilotfiliale der neuen Bank Cler. Im Zuge der Neuausrichtung wurden die weiteren 31 Filialen der Bank von Mint Architecture innerhalb von zwei Tagen auf den neuen Marktauftritt umgestaltet. Bis 2020 sollen alle Geschäftsstellen umfassend modernisiert werden.

1 Empfangsbereich: Theke mit Bewirtungsmöglichkeit und lockeren Sitzgelegenheiten mit 
Barhockern. Dahinter liegend die Kinderzone.
2 Offene Beratungs- und Präsentationszone: Grosser Tisch mit normaler Sitzhöhe für das tägliche Beratungsgeschäft mit grosszügigem Screen und Holzsitzstufen entlang der Rückwand, die zusätzlich Sitzgelegenheiten für interne Schulungen und Präsentationen bieten.
3 Offene Lounge-Bereiche: Bieten bequeme Sitzmöglichkeiten für kurze Beratungsgespräche ohne Diskretionsanspruch.
4 Geschlossene Beratungsräume: Schliessbare und doch helle und transparente Beratungsräume, einmal mit Tisch mit normaler Sitzhöhe ausgestattet und einmal im Lounge-Charakter.
5 Ergänzende Arbeitsplätze: In die Kundenzone integrierte, flexible Arbeitsplätze mit Telefonbox und Stauraum als Rückzugsmöglichkeit für die in der Regel auf der gesamten Fläche arbeitende Mitarbeitenden. 
6 24-Stunden-Schalterzone: Grosszügige und gut einsehbare Schalterzone mit grossem Screen und angrenzendem Markenspot für Informationen auch ausserhalb der Öffnungszeiten.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Im Entwurf kommt der «Third-Place»-Gedanke zum Tragen. Die Bank sieht nicht mehr aus, wie man es von einer klassischen Bank her kennt. Die Atmosphäre ist wohnlich nach dem Motto: «A home away from home». Barrieren und Hemmschwellen sollen abgebaut werden. Es gibt nicht mehr das klassische Gegenüber am Schalter, sondern viele verschiedene Situationen, die die Kommunikation und damit die Beratung angenehmer, leichter und kundenfreundlicher gestalten. Kunde und Bank begegnen sich, wie es der Wunsch des Bauherrn war, auf Augenhöhe.

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