«It takes a village»

 Jenny Keller
21. November 2018
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Eine Schule im Norden von Brasilien hat den grossen Preis des Royal Institute of British Architects (Riba), den Riba International Prize 2018, gewonnen.
Ein englisches Sprichwort besagt: «It takes a village to raise a child». Ganz passend heisst die Schule der Bradesco Foundation der Architekten Gustavo Utrabo und Petro Duschenes von Aleph Zero  in Zusammenarbeit mit Marcelo Rosenbaum und Adriana Benguela vom Architektur- und Designstudio Rosenbaum «Children Village». Die Royal Gold Medal des Riba hat seit 1848 seine Gewichtigkeit, und wenn man den weniger etablierten, jungen Riba International Prize als Seismograf der Szene anschaut (bei der letzten Ausgabe 2016 wurden Grafton Architects für die Universität in Lima Ausgezeichnet, 2018 durften Yvonne Farrell & Shelley McNamara die Biennale von Venedig kuratieren), sollte man sich von den Websiten von Aleph Zero und Rosenbaum einen Bookmark machen. 

Der Preis wird laut Riba alle zwei Jahre an ein Gebäude vergeben, das sowohl einen herausragenden architektonischen als auch sozialen Beitrag leistet. «Reinventing Brazilian Vernacular», nennt die Jury unter dem Vorsitz von Elizabeth Diller die Strategie der Architekten, die eng mit den schülerinnen und Schülern zusammengearbeitet haben und für die Gebäude lokale Materialien (Steine aus komprimierter Erde) in lokaler Handarbeit hergestellt, verwendet haben. Obwohl die Gebäude von (ökonomisch) benachteiligten Teenagern bewohnt werden, haben die Architekten in Detaillierung und Konstruktion nicht gespart und so der überlebenswichtigen Bildung an einem abgelegenen Ort der Welt einen vorbildlichen Rahmen gegeben. Das «Children Village» besteht aus zwei identischen Komplexen, eines für Mädchen und eines für Jungen – weshalb diese rigorose Trennung nach Geschlechtern nötig ist, erfährt man nicht. Die Beschattung spielt bei den Gebäuden, die sich um drei Innenhöfe gruppieren, eine grosse Rolle, so überspannt ein grosses Dach auf Holzstützen die einzelnen Baukörper und hält das Dorf oder die Dörfer zusammen. Gustavo Utrabo und Pedro Duschenes, Geschäftsführer von Aleph Zero, sagten: «Wir freuen uns sehr über die Verleihung des RIBA International Prize 2018. Es war eine Freude zu sehen, wie die Kinder das Gebäude zu ihrem eigenen machten und den Raum an ihre Bedürfnisse anpassten. (...) Wir wollten vorschreiben, ohne überheblich zu sein, unterstützen, ohne zu bevormunden, und Wachstum und Entwicklung fördern, ohne sie zu verwöhnen.»

Die Jury des RIBA International Prize 2018 bestand aus den Architekten Elizabeth Diller (DS+R), Kazuyo Sejima (SANAA), Joshua Bolchover (Rural Urban Framework), Gloria Cabral (Gabinete de Arquitectura) und Peter Clegg (Feilden Clegg Bradley Studio).
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Children Village, Rosenbaum + Aleph Zero. Bild: Leonardo Finotti
Plan: Aleph Zero

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

Moneo Brock

Parish Church in Pueblo Serena

Andere Artikel in dieser Kategorie

Kleine Konsumkritik
vor 4 Tagen
«Become a real master»
vor einer Woche
«It takes a village»
vor 2 Wochen
Das waren noch Zeiten
vor 3 Wochen
Models
vor einem Monat
Louis Kahn et Venise
vor einem Monat