Wiedergeburt einer Perle

Elias Baumgarten
11. Juni 2020
Foto: Gataric Fotografie, Stiftung Ferien im Baudenkmal

Im beschaulichen Dorf Moghegno an der Maggia wurde ein traditionelles Wohnhaus, dessen Grundmauern aus dem Mittelalter stammen und das zwischenzeitlich einsturzgefährdet war, liebevoll restauriert. Jetzt können Feriengäste darin Tessiner Baukultur und Geschichte hautnah erleben.

Baudenkmäler halten unsere Geschichte lebendig und stiften Identität. Die Schweiz ist diesbezüglich privilegiert: Hierzulande gibt es eine besonders hohe Dichte an historisch bedeutsamen Bauten. Aber dieses reiche Erbe ist in Gefahr: Häufig stehen die Bauwerke neuen Bauvorhaben im Weg oder genügen modernen Anforderungen nicht mehr, weshalb ihnen die Abrissbirne droht. Auch liegen etliche in entlegenen Winkeln unseres Landes, die von Abwanderung betroffen sind; nicht mehr genutzt, verfallen sie allmählich. Der Schweizer Heimatschutz hat darum 2005 die Stiftung Ferien im Baudenkmal gegründet. Ihre Aufgabe: Gefährdete Objekte restaurieren und anschliessend der Öffentlichkeit zugänglich machen. Durch das aktive Erleben historischer Gebäude soll, so die Idee, die Wertschätzung für sie steigen und somit auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich für ihren Erhalt einzusetzen.

Foto: Gataric Fotografie, Stiftung Ferien im Baudenkmal
Foto: Gataric Fotografie, Stiftung Ferien im Baudenkmal

2015 wurde die Stiftung von der Tessiner Sektion des Heimatschutzes auf ein Haus aus dem 18. Jahrhundert im Dorfkern von Moghegno, das seit 2004 zur Gemeinde Maggia gehört, aufmerksam gemacht. Einst auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Steinhauses errichtet, präsentierte es sich in desolatem Zustand und drohte einzustürzen. Weil es mit den Nachbarbauten eng verzahnt ist, bestand für diesen Fall die Gefahr einer gefährlichen Kettenreaktion. Das Gebäude in der kleinen Ortschaft, die 1294 erstmalig erwähnt wurde und heute Teil des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) ist, wurde zunächst stabilisiert, um die akute Gefahr für Haus und Ensemble zu bannen. Anschliessend begann die liebevolle Restaurierung, für die der Schweizer Heimatschutz CHF 40'000 zur Verfügung stellte. Anfang dieses Jahres wurden die Arbeiten schliesslich abgeschlossen. Als Ferienhaus bietet die «Casa Portico» nun zwei Personen Platz (auch Haustiere dürfen mit) und wird zwischen April und Oktober vermietet. Das Haus zeichnet sich durch verschachtelte Räume aus – das ist für traditionelle Tessiner Steinhäuser charakteristisch. Die beiden Stockwerke werden über eine überdachte Laube und die steinernen Aussentreppen erschlossen. Der Aufenthalt indes ist heute merklich angenehmer als früher: Eine moderne Sanitär- und Kücheneinrichtung wurde eingebaut, und an kalten Tagen können die Feriengäste die Räume mit Holzöfen heizen.

Foto: Gataric Fotografie, Stiftung Ferien im Baudenkmal

Das Haus ist ein Schmuckstück und ein grossartiger Ort für (bau-)historisch Interessierte, der viel über Baukultur und Geschichte des Tessins erzählt. Es vermittelt auch einen guten Eindruck davon, wie beschwerlich das Leben einmal war und an welch enormen Luxus wir uns heute gewöhnt haben. Darüber hinaus ist das Gebäude eine ideale Ausgangsbasis für ausgedehnte Erkundungstouren durch die wunderbaren Tessiner Täler. Auch erfrischende Bademöglichkeiten am Fluss Maggia befinden sich in unmittelbarer Nähe – wenn auch diese an Sommertagen häufig extrem frequentiert sind.

Foto: Gataric Fotografie, Stiftung Ferien im Baudenkmal

Der schön gestaltete Wanderführer «Heimatschutz unterwegs – Durch Stadt und Dorf» lädt ein, die Schweiz zu erkunden. Der Schwerpunkt liegt auf wertvollen Ortsbildern und Stadtquartieren.

Informationen zum Urlaub in der «Casa Portico».

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