Bauhaus-Museum öffnet seine Tore

Katinka Corts
8. April 2019
Das neue Bauhaus-Museum in Weimar. Bild: Andrew Alberts © heike hanadas laboratory of art an architecture, 2019

Das Bauhaus-Museum im ostdeutschen Weimar von Architektin Heike Hanada wurde am vergangenen Wochenende feierlich eröffnet. Mehr als 1'000 Design- und Kunstobjekte, die zwischen 1919 und 1925 entstanden, sind in dem neuen Bau zu sehen.

Im Norden der Innenstadt Weimars, neben dem «Gauforum» aus der Zeit des Nationalsozialismus, wirkt das neue Bauhaus-Museum trotz seiner 2'000 m² Ausstellungsfläche wie ein Winzling. Der Bauplatz wird seitlich begrenzt vom Weimarhallenpark. Zudem verspringt das Gelände an einer Stelle um mehrere Meter. Dies erschwerte den Entwurfsprozess und machte eine besonders überlegte Planung nötig. Architektin Heike Hanada entwarf einen geometrisch einfachen Kubus, um dem Neubau eine starke Präsenz im Stadtraum zu verleihen. Die Fassade ist in mittleren und hellen Grautönen gehalten, wobei die länglichen Fassadenplatten aus Beton die Horizontale betonen. Optisch unabhängig vom Fugenrhythmus und dem Plattenformat sind die mal halb- mal überraumhohen Fenster, die in dicken Betonlaibung platziert. In die sehr schmalen horizontalen Fugen, welche die Fassade durchziehen, wurden LED-Bändern eingebaut – ihr Strahlen formt den Kubus des nachts nach.  

Der Weg zu dieser Fassadengestaltung war steinig und alles andere als geradlinig. Eigentlich geplanten war nämlich eine Glasfassade. Doch tauchten bald Probleme bei der Vergabe auf, und der Zeitplan entpuppte sich als kaum zu halten. Als die Schwierigkeiten bekannt wurden, entschied man sich zunächst dafür, zweigleisig weiter zu fahren: Varianten mit Glashülle und ohne wurden von den Fachplanern parallel bearbeitet. Schliesslich rang man sich zu einer Betonhülle durch. Ein Schritt hin zu einer klareren und eindeutigeren Formensprache, wie die Architektin Heike Hanada unterdessen findet. «Das jetzige Experiment ist wesentlich interessanter und näher an unserer Zeit als eine Glasfassade, die man einfach vor eine Fassade hängt», sagte sie bereits 2017 im Interview. «Besonders am Herzen lag mir die Vernetzung zwischen Stadt und Park, denn das Museum ist definiert über seine Funktion für den öffentlichen Raum», fuhr sie fort. «Dies spiegelt sich auch in der Innenraumkonzeption mit doppelgeschossigen Lufträumen und Kaskadentreppen wider, die zum Flanieren und Verweilen einladen.»

Bei Nacht leuchten horizontal eingelassenen LED-Streifen in der Fassade. Bild: Andrew Alberts © heike hanadas laboratory of art an architecture, 2019
Politik und Kulturszene tönen begeistert

Für Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine ist das Bauhaus-Museum das Herzstück des neu im Entstehen begriffenen Quartiers der Moderne. «Das Quartier soll für Weimar eine neue Dimension in seinem kulturellen Selbstverständnis, aber auch in wirtschaftlicher Perspektive erschließen. Wir freuen uns daher besonders auf die vielen Gäste, die in den kommenden Jahrzehnten zusätzlich unsere Stadt besuchen.» Das Museum erinnert an die frühe Phase der bedeutendsten Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts und inszeniert die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Sammlung erstmals umfassend. «Im Mittelpunkt unseres Konzeptes steht der Versuch, die Moderne als Kampf widerstreitender Ideen in den Exponaten sichtbar werden zu lassen», so Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar. «Der Aufbruch des Bauhauses vor 100 Jahren erinnert uns daran, dass auch wir Gestalter unserer Welt sind und bleiben müssen.» Kulturstaatsministerin Monika Grütters zeigt sich ebenso begeistert über das neue Bauhaus-Museum, das für jedermann inspirierend und faszinierend sein könne: «Wie Goethe und Schiller von Weimar aus mit dem Sturm und Drang die deutsche und internationale Literatur nachhaltig veränderten, so hat auch die Bauhausbewegung ausgehend vom gleichen Ort ihren epochalen Siegeszug begonnen. Zu Beginn beider Bewegungen standen Experimente und Provokationen, die zu einem neuen gesellschaftlichen Denken führten.»

Bild: Andrew Alberts © heike hanadas laboratory of art an architecture, 2019

Folgende Ausstellungen zum Thema «Bauhaus» laufen derzeit in Weimars Museen:

Bauhaus-Museum Weimar
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Öffnungszeiten ab 6.4.2019:
Mo 10.00 – 14.30 Uhr
Di – So 10.00 – 18.00 Uhr

Neues Museum Weimar
Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900
Jorge-Semprún-Platz 5, 99423 Weimar
Öffnungszeiten:
Mi – Mo 10.00 – 18.00 Uhr, Di geschlossen

Situationsplan des Quartiers der Moderne in Weimar. Bild: Klassik Stiftung Weimar

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