Black Chapel – ein Ort der Kunst und der Kontemplation

Elias Baumgarten
8. Juni 2022
Der Serpentine Pavilion dieses Jahres wurde von Theaster Gates gestaltet. (© Theaster Gates Studio, Foto: Iwan Baan, mit freundlicher Genehmigung von Serpentine)

 

Im September vorigen Jahres erhielt Theaster Gates in Österreich den renommierten Friedrich-Kiesler-Preis. Der US-Amerikaner wurde für seine Arbeit im Grenzbereich zwischen Kunst und Architektur sowie sein grosses soziales Engagement und seine Haltung ausgezeichnet. Im Februar dieses Jahres dann wurde sein Entwurf für den 21. Serpentine Pavilion der Öffentlichkeit präsentiert. Mit einem Schlag war Gates in der europäischen Architekturszene weithin bekannt.

Die Biografie des Künstlers aus Chicago ist bemerkenswert: Der Sohn eines Dachdeckers und einer Lehrerin studierte zunächst Stadtplanung und Keramik, später auch Kunst und Religion. Und schon als Junge hatte er begonnen, sich in seiner Kirchengemeinde zu engagieren. Nach dem Studium bereiste Gates die Welt, er lebte unter anderem in Japan und Südafrika. 2009 gründete er die Non-Profit-Organisation Rebuild Foundation, mit der er seither Industrieruinen in und um Chicago zu Kulturorten und Treffpunkten umgestaltet. Dies bringt ihm Wertschätzung über die Vereinigten Staaten hinaus ein. Zudem gestaltet er immer wieder Ausstellungen, veranstaltet Performances und Filmvorführungen, bietet aber auch Töpferkurse an.

 

Der Serpentine Pavilion von Theaster Gates und David Adjaye verfügt über drei Öffnungen, darunter ein rundes Oberlicht. (© Theaster Gates Studio, Foto: Iwan Baan, mit freundlicher Genehmigung von Serpentine)

Für seinen Sommerpavillon in den Kensington Gardens spannte er mit Sir David Adjaye zusammen, der ihn mit seinem Team bei der Umsetzung seiner architektonischen Ideen unterstützte. Der Bau ist dunkel und zylindrisch. Er verfügt über einen Ein- und einen Ausgang sowie ein rundes Oberlicht. Im Inneren herrscht eine besondere Lichtstimmung und Atmosphäre. Die Form des temporären Bauwerks möchte Gates als Hommage an die britische Handwerkskunst verstanden wissen. Inspiriert hätten ihn die traditionellen Keramikbrennöfen in der englischen Stadt Stoke-on-Trent.

Im Inneren des Pavillons sind sieben Gemälde von Gates zu sehen. Ausserdem werden dort über die Sommermonate hinweg verschiedenste Veranstaltungen stattfinden – vor allem musikalische Darbietungen, denn zur Musik hat Gates einen besonderen Bezug, aber auch Workshops und sogar Teezeremonien. Black Chapel, der Name des Bauwerks, ist eine Referenz an eine gleichnamige Ausstellung, die Gates 2019 für das Haus der Kunst in München entwickelte. Neben dem Gebäude befindet sich eine Glocke der zwischenzeitlich abgebrochenen St. Laurence Church – ein Verweis auf Gates Arbeit am baukulturellen Erbe in Chicago.

 

Im Inneren des Pavillons sind sieben Arbeiten von Theaster Gates zu sehen. (© Theaster Gates Studio, Foto: Iwan Baan, mit freundlicher Genehmigung von Serpentine)

Die Eröffnung des Pavillons findet am 10. Juni statt. Bereits am heutigen 8. Juni diskutieren Gates and Adjaye mit Hans Ulrich Obrist, dem Künstlerischen Direktor der Serpentine Galleries, über Kunst, Architektur, Städtebau and Space-making. Das Bauwerk ist Teil des grossen Kunstprojekts «The Question of Clay» von Theaster Gates, zu dem Arbeiten und Ausstellungen an verschiedenen Orten gehören. Der Pavillon wird bis zum 16. Oktober dieses Jahres geöffnet bleiben.

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