Elon Musk will aufs Dach

 Manuel Pestalozzi
4. November 2016
Ein Mann sieht einen riesen Markt. Elon Musk präsentiert ästhstische Solarziegel. Bilder: Tesla
Dem Elektromobilitäts-Tausendsassa ist die Hässlichkeit vieler Photovoltaik-Anwendungen ins Auge gestochen. Er will es jetzt besser machen und bringt durchdesignte Solarziegel auf den Markt.
Der Schöpfer des Edel-Elektroautos Tesla weiss, wie man Ideen unter die Leute bringt: Man organisiert einen Event, produziert einen Film und postet ihn auf Youtube. Schauplatz ist ein Villenviertel in einem sonnigen Teil der USA. Es dämmert ein, der Himmel präsentiert sich wolkenfrei. Auf der «Allmend» ist eine Bühne mit einem Grossbildschirm installiert. Auftritt von Lyndon Rive, CEO von Solar City. Der Mann ist nicht etwa Bürgermeister einer Gated Community, sondern steht einer Aktiengesellschaft aus San Mateo, Kalifornien, vor. Solar City konzipiert, vertreibt, installiert, vermietet und betreibt Solarstromanlagen und ist mit Tesla eine Partnerschaft eingegangen.
 
Rives Aufgabe beschränkt sich im Film darauf, Elon Musk willkommen zu heissen, der den Rest der Show bestreitet. Er vergleicht bestehende PV-Anlagen mit Elektroautos, bevor es Tesla gab: Hässlich! Geringe Leistungsfähigkeit! Teuer! Kurz: Mangelnder Sex Appeal hält die Kundschaft fern. Diesen Missstand soll die Zusammenarbeit von Solar City und Tesla nun beheben. Musk spricht von einer Three Part Solution: Photovoltaik, Speicher, Elektroauto. Hier kommt die «Powerwall 2» ins Spiel, welche in den Ausführungen eine Hauptrolle spielt: Ein Batteriespeicher für die Heimanwendung. Auf dem Bildschirm erscheint auch gleich der Preis: ein mittlerer vierstelliger Dollarbetrag.
Mit «Textured Style» PV-Modulen nachgerüstete Villa.
Musk spricht im Zusammenhang mit der dreiteiligen Lösung von einer integrated Future: die drei erwähnten Elemente stellt er als demnächst selbstverständlichen Teil eines Eigenheims in Einfamilienhaus-Dimension vor. Er kann anschliessend auf die Häuser und um die «Allmend» weisen. Diese konventionellen Gebäude wurden nämlich mit verschiedenen PV –Modulen nachgerüstet. Es handelt sich um stromgenerierende Ziegel- und Schindel-Imitationen. Sie bestehen aus beschichtetem Glas. Ein hydrographisches Beschichtungsverfahren sorgt dafür, dass die Textur bei jedem Element individuell ist, deshalb wirken die Dächer nicht monoton. Ein weiterer Beschichtungseffekt bewirkt, dass man von der Strasse her durch den steilen Blickwinkel die wahre Natur der Ziegelimitationen nicht erkennen kann.
 
Einen Show Effekt erzeugt bei der Präsentation eine Filmsequenz mit einer Ziegel-Versuchsreihe, auf die Gewichte fallen gelassen werden. Alle zerbrechen – ausser dem PV-Modul. Dann geht um die Zukunft. Elon Musk sieht einen Riesen Sanierungsmarkt voraus und prophezeit, dass das PV-Dach zu einer Prestige-Angelegenheit wird. Die ganzen Verkabelungsgeschichten, der Unterhalt und das tatsächliche Energiemanagmenent in den betreffenden Liegenschaften kommen in besagtem Video nicht vor. Dennoch erscheint Musk als eine Art «Missing Link», welche die Technik mit dem Lebensgefühl des breiten Publikums verknüpfen kann. Eigentlich sollte davon auch die hiesige Solarbranche profitieren können.
 
Bei den «Tuscan Style»-Ziegeln sind nur die dunkeln Exemplare PV-Module. Sie sind so behandelt, dass aus einem spitzen Blickwinkel ihre wahre Natur nicht erkennbar ist.

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