Heitere Zeitgenossen

Elias Baumgarten
14. Januar 2021
Foto: Sebastian Schels

Studierende der TU Kaiserslautern haben letzten Sommer unter Anleitung von Juniorprofessor Max Otto Zitzelsberger Bienenbeuten entworfen und selbst gebaut. Die fröhlichen Objekte spielen mit dem Repertoire der Postmoderne.

Seit einigen Jahren sterben in Europa aussergewöhnlich viele Bienenvölker. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Gifte aus der Landwirtschaft etwa, Monokulturen, eigeschleppte Parasiten, aber auch veränderte sozioökonomische Strukturen, die die Imkerei weniger attraktiv machen. Die Folgen für uns alle sind aufgrund der grossen Bedeutung der fleissigen Insekten für das Ökosystem erheblich. Doch wie kann gegengesteuert werden? Der junge bayerische Architekt Max Otto Zitzelsberger sieht im Schutz der Tiere eine reizvolle Gestaltungsaufgabe. Mit Studierenden seines Lehrstuhls für Tektonik im Holzbau an der TU Kaiserslautern entwickelte er vergangenen Sommer in einem Workshop Bienenbeuten – also wetterfeste Behausungen, in denen die Insekten in Magazin-Betriebsweise gehalten werden.

Céline Lauer, «John» 
Lisa-Marie Monreal, «Gantenbein»

Die Student*innen planten die Häuschen zunächst bis ins Detail, denn die Wertschätzung und Bewahrung des Handwerks ist Zitzelsberger besonders wichtig. Dann bauten sie stellvertretend fünf ihrer insgesamt 18 Entwürfe auf dem Gelände des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen. Entstanden sind fröhlich-bunte Objekte aus Holz. Die Farbe dient dabei nicht nur dem Holzschutz, sondern erleichtert den Bienen auch die Orientierung. Zudem entspricht es einer jahrhundertealten bäuerlichen Tradition, den eigenen Stolz über Farbigkeit und Ornamente an Haus und Hof, aber auch an solchen Kleinstarchitekturen nach aussen zu tragen.

Die Beuten wirken ungemein lebendig, man könnte meinen, es handle sich um herzige Wesen. Spielerisch und voll Sympathie haben die Student*innen postmoderne Formen, Farben und Gestaltungselemente aufgegriffen. Die strikte, ja bisweilen krampfhafte Ablehnung der Epoche scheint mehr und mehr einem unbefangenen Zugang zu weichen.

Gizem Yaldiz, «Aldo»
Merve Duman, «Ettore»
Mareike Wagner, «Maria»
Beteiligte Studierende
Philip Becker, Sandra Brand, Merve Duman, Yolanda Guastaferro, Friederike Herrmann, Nicolas Hinrichsen, Anna Hugot, Pascal Lange, Céline Lauer, Lisa-Marie Monreal, Carola Nuber, Stefan Schmidt, Andja Stober, Simon Unglaube, Mareike Wagner, Süheda Yakut, Gizem Yaldiz und Kim Zimmermann 

Max Otto Zitzelsberger debattierte an unserem ersten D-A-CH-Gespräch mit Lilitt Bollinger und Stefan Marte.

Bayerische Beteiligung gab es auch an den Runden zwei und drei unserer D-A-CH-Gespräche: Peter Haimerl und seine Kolleg*innen vom Starnberger Büro raumstation diskutierten mit.

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