Hoffnung für Genfer Kultkino: FdMP Architectes sollen dem Plaza zu altem Glanz verhelfen

Manuel Pestalozzi
2. November 2021
Das Kino Plaza soll seinen verlorenen Rang in Genfs Nachtleben zurückgewinnen. Es wird saniert und umgebaut. (Visualisierung: FdMP Architectes)

Zwei Jahrzehnte gammelte das legendäre Kino Plaza vor sich hin. Zwischenzeitlich drohte ihm sogar der Abriss. Doch nun wird es saniert und umgebaut. 2024 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Eine bedrohte Legende

Das Kino Plaza steht dort, wo Genf für einen Moment grossstädtische Dimensionen annimmt – bei der Einmündung des verkehrsreichen Boulevards der Rue Chantepoulet in die Rue Montblanc, die den Bahnhof Genf Cornavin mit der ersten Brücke über die Rhone verbindet. An dieser Stelle wurde 1952 nach einem Entwurf des einheimischen Architekten Marc-Joseph Saugey (1908–1971) ein Komplex mit Büros und einer Ladenstrasse errichtet. Die eigentliche «Galionsfigur» der gekonnt durchstrukturierten und durch eine vorgehängte Rasterfassade gegliederten Überbauung aber war der Eingang zu besagtem Kino. Mit seinem skulpuralen Vordach, dem nachts hell leuchtenden Schriftzug und dem eleganten Pavillon darunter gab er der ansonsten nüchtern-rationale Architektur eine klare Identität und ergänzte die Topographie des abfallenden Terrains mit Rampen, Treppen und Zwischenpodesten zu einer kleinen, doch ansprechenden Promenade architecturale. Aufgrund von seiner prominenten und exponierten Lage, wegen seines grossen Saals mit 1250 Plätzen und dessen «Cinemascope»-Tauglichkeit wurde das Kino ein wichtiger Treffpunkt im Nachtleben der Stadt. 

Umso schmerzhafter war die Schliessung des Plaza im Jahr 2004. Lange schlummerte der Saal, der sich trotzdem noch immer fast im Originalzustand befand, vor sich hin – bis vor einigen Jahren Pläne die Bevölkerung und zahlreiche Prominente aufschreckten, die seine gänzliche Entfernung vorsahen. 2019 wurde dann jedoch bekannt, dass die Fondation Hans Wilsdorf, Eigentümerin der Uhrenmarken Rolex und Tudor, den Saal und auch andere Gebäudeteile aufgekauft hat. Die bereits bewilligten 60 Wohnungen für Studierende, Läden und eine unterirdische Parkgarage waren damit Makulatur. Der Saal steht jetzt unter Denkmalschutz und soll künftig für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Die Büromieten im Komplex sollen den nicht gewinnorientierten Betrieb künftig alimentieren.

Marc-Joseph Saugey plante einst einen Komplex für verschiedene Nutzungen. Diese Idee bleibt auch künftig erhalten und lebt mit dem geplanten Umbau weiter. (Plan: FdMP Architectes)
Architekturwettbewerb zur Sanierung des Kinos

Im Auftrag der Fondation Plaza wurden schliesslich zwölf Büros eingeladen, Vorschläge zur Sanierung und Restauration des Kinos zu unterbreiten. Das Büro FdMP Architectes aus Genf konnte diesen Wettbewerb mit seinem Entwurf «la nuit américaine» gewinnen. Er steht unter dem Motto «conserver, mettre à jour, pérenniser» (erhalten, aktualisieren, verewigen). Die vorgeschlagenen Massnahmen haben den Anspruch, den Bestand aus der Ursprungszeit wieder herzurichten – auch unter Berücksichtigung der umfangreichen historischen Dokumente, die man über das Kino besitzt. Parallel dazu werden neue Elemente eingeführt, so etwa ein kreisrunder Raum im Untergeschoss für 360-Grad-Projektionen. Die Jury zeigt sich in ihrem Bericht überzeugt, dass die Restauration und die Änderungen das Plaza wieder zu einem bedeutenden Begegnungszentrum machen werden. Klappt alles wie geplant, wird es 2024 seine Pforten wieder öffnen.

Die Empore des Kinosaals soll neu mit Bänken ausgestattet werden und mit einer Lounge-Atmosphäre locken. (Visualisierung: FdMP Architectes)

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