Meister der Verwandlung

 Susanna Koeberle
9. Februar 2018
Anlässlich der Brafa wurde die frühe Arbeit von Christo aus der Serie "Store Front" gezeigt. Bild: Blaise Charneux
Eine Ausstellung am ING in Brüssel zeigt das reiche Schaffen der beiden Ausnahmekünstler Christo und Jeanne-Claude. Sie konzentriert sich dabei auf ihre Arbeit im städtischen Raum.
Das Werk von Christo (*1935) und Jeanne-Claude (1935-2009) ist auch hierzulande nicht unbekannt. Seit den 60er-Jahren arbeiten die beiden zusammen: der bulgarische Künstler und die französische Philosophin (die beide übrigens exakt am gleichen Tag geboren wurden). Das erste öffentliche Gebäude, das die beiden Künstler verpacken durften, liegt in der Schweiz: Es ist die Kunsthalle Bern – ein Projekt das 1968 dank dem Kurator Harald Szeemann zustande kam. Nicht immer liessen sich ihre verrückten Ideen so reibungslos umsetzen, viele sind gar nie realisiert worden. Doch mit einer Hartnäckigkeit sondergleichen verfolgten sie ihre Projekte, bei der Verhüllung des Reichstags in Berlin dauerte der Prozess ganze 24 Jahre. 1995 war es dann so weit: Der symbolträchtige Bau wurde mit 100'000 Quadratmetern aluminiumbeschichtetem Polypropylen bedeckt. Die immensen Kosten, welche solche Unterfangen mit sich bringen, tragen sie notabene immer selbst, sie wollen dadurch unabhängig bleiben. Das ist auch bis heute so. Einblick in das Schaffen dieser Ausnahmekünstler erhalten Besucherinnen und Besucher zurzeit in einer Ausstellung in Brüssel.
 
Die Kunsthalle Bern war das erste öffentliche Gebäude, das die Künstler verpacken durften. Hier ein Modell. Bild: sk
«Christo and Jeanne-Claude: Urban Projects» zeigt anhand von 80 Exponaten (Modelle, Skizzen, Collagen) die grosse Bandbreite ihres Werks. Beginnend beim ersten städtischen Projekt, dem «Wall of Oil Barrels» an der rue Visconti in Paris (1962) bis zum letzten noch von Jeanne-Claude mitrealisierten «The Gates» im New Yorker Central Park. Anlässlich der Kunst- und Antiquitätenmesse Brafa wurde bis Anfang Februar eine der frühen New Yorker Arbeiten neu gezeigt, ein Exemplar aus der Serie «Store Front». Sie besteht aus Abfällen, die der Künstler in Müllhalden fand, und aus Schutt von abgebrochenen Gebäuden. Der an der Brafa gezeigten Version sieht man das zwar kaum an (sie war auch nicht optimal platziert), doch sie verdeutlicht das wachsende Interesse des Paars an der Umwandlung von Räumen und ganzen Umgebungen. Das Werk von Christo und Jeann-Claude zeigt auf eindrückliche Weise, welche zentrale Rolle der öffentlichen Raum haben kann.
 
Christo in seinem Studio mit "Three Store Fronts" (1966). Bild: Ferdinand Boesch

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