Nimmermüde

Ulf Meyer
7. Januar 2020
Helmut Jahn (Foto: Ingrid von Kruse)

Der deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn ist auch im Alter von 80 Jahren weiter aktiv und erfolgreich. Am 4. Januar feierte er Geburtstag.

Ende September 2019 wurde in Chicago der Grundstein für den höchsten Wohnturm der Stadt gelegt: Der enorme Wolkenkratzer an der Michigan Avenue ist Teil des Spätwerks von Helmut Jahn. Während seiner langen, erfolgreichen Karriere als Architekt gestaltete Jahn unter anderem den Frankfurter Messeturm, das Berliner «Sony Center» aus den «Post-Tower» in Bonn. Seine Projekte prägen die Silhouetten vieler Großstädte.

Der Wolkenkratzer «50West» in New York (Foto: Rainer Viertlböck)

Jahn begann seine Laufbahn im Büro C. F. Murphy in Chicago, wo sich der im deutschen Nürnberg geborene Architekt als starker Entwerfer erwies. Bevor Jahn Murphys Büro 1983 übernahm, hatte er mit dem «Xerox Center» in Chicago ein Meisterwerke geschaffen, das seine Liebe zur Geometrie belegt: Das Gebäude gilt als neuer Typ eines urbanen Hochhauses ohne Pilotis und mit einer Spiegelglas-Fassaden, deren runde Ecken an Gestaltungen aus der Zeit des Art Déco erinnert. Jahns erste Entwürfe wirkten schnittig und bisweilen auch modisch. Mit dem «State of Illinois Center» in Chicago wurde er 1985 zum Star. Glasaufzüge fahren darin wie kinetische Skulpturen entlang offener Galerien auf 17 Etagen. Vom Glas-Atrium aus können Bürger*innen ihrem Bundesstaat beim Funktionieren zusehen. Die «offene Regierung bei der Arbeit» hat Jahn architektonisch inszeniert. Als «Wunderkind» wurde Jahn bezeichnet und erhielt Aufträge für Hochhäuser in Philadelphia, New York, Singapur, Warschau, Tokio, Johannesburg und Rotterdam. Neben Werken im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten hat er auch viele deutsche Städte mit Geschäftshäusern versehen: Bremen, Leverkusen, Rostock, Mannheim und Düsseldorf zum Beispiel.

Das «RESTON» in Reston im US-Bundesstaat Virginia (Foto: Rainer Viertlböck)

Zu Jahns zweiter Spezialität wurden Flughafen-Terminals. So kann man etwa in Köln, München, Bangkok und Chicago erleben, wie Jahn sie zu «Kathedralen des Verkehrs» macht. Gemeinsam mit Werner Sobek arbeitet Jahn an grossen Glasfasermembran-Dächer, die öffentliche Räume überspannen. Er hat ein Wort für ihre Kollaboration geprägt: «Archi-neering». Bei ihm soll «Technologie der Architektur dienen». Fassaden sind für ihn nur eine dünne Klima- und Umwelthülle. «Das ultimative Gebäude wäre eines, das allen Komfort bietet mit einer Architektur, die gleichzeitig dient und verschwindet», so Jahn. Architektur aus Glas ist für ihn «eine Architektur aus Licht». Das elliptische Dach des «Sony-Center» am Potsdamer Platz in Berlin beispielsweise leuchtet in der Dämmerung lila und pink. Der Bau für Unterhaltung und Konsum wirkte ohne farbliche Animation allerdings auch aseptisch und kühl.

Wir wünschen alles Gute, Gesundheit und eine weiterhin ungebrochene Schaffenskraft.

Der Komplex «1301 PENNSYLVANIA» in Washington DC (Foto: Rainer Viertlböck)

Vorgestelltes Projekt

BKK-3

Wohnvielfalt am Grasbrookpark

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