Schatzkammer

Elias Baumgarten
10. Oktober 2019
Arbeiten an der Prunkstube aus dem Palazzo Pestalozzi (Foto: Roman Keller)

Über drei Jahre wurde der Westflügel des Landesmuseums Zürich vom Büro Christ & Gantenbein sorgsam saniert. Der Zustand von 1898 ist grösstenteils wiederhergestellt. Die Mühen haben sich gelohnt. Wir zeigen Impression von den Bauarbeiten und aus den fertigen Räumen.

1898, zu den Hochzeiten des Historismus, wurde das Zürcher Landesmuseum fertiggestellt und eröffnet. Während dieser Epoche war es en vogue, verschiedene Stile aus der Architekturgeschichte fantasievoll zu vereinen und mitunter auch neue Elemente hinzuzuerfinden. Gustav Gull (1858–1942) hatte den Bau und die prunkvollen Ausstellungsräume um die Exponate herum entworfen, denn Raum und Objekt wurden damals als Einheit betrachtet. Über die Jahre wurde allerdings leider vieles überformt und verändert: Fenster mauerte man zu, wunderbare Gemälde wurden überdeckt. Doch nun erstrahlt der Westflügel des Hauses wieder weitestgehend im Originalzustand von 1898. Das Architekturbüro Christ & Gantenbein, das auch die Erweiterung des Museums gestaltet hat, sanierte und restaurierte ihn in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege geduldig und sorgfältig. Die historistische Stilvielfalt stellte die Expert*innen dabei vor eine grosse Herausforderung, orientiert sich doch fast jeder Raum an einer anderen Epoche. Zudem sind einige der elf historischen Zimmer, die im Gull-Bau einst eingebaut wurden, bis zu 500 Jahre alt. 

Gleichzeitig wurden die Räumlichkeiten ausserdem mit moderner Technik aufgerüstet. Insgesamt drei Jahre nahm das Unternehmen in Anspruch.

Foto: Roman Keller
Die Michaelskapelle in Schwyz aus dem frühen 16. Jahrhundert diente Gustav Gull als Vorbild. Die entsprechende Deckenmalerei wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten neu angebracht. (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)

Im Zuge der Arbeiten wurden Originalböden rekonstruiert und an heutige Anforderungen angepasst; fast vergessene Gemälde wurden wieder zutage gefördert. Ferner wurden Lichthöfe freigelegt und in den letzten Dekaden zugemauerte Fenster wieder geöffnet. Entstanden ist ein einzigartiges Zeugnis des Schweizer Kunsthandwerks, eine Schatzkammer – sowohl für historisch wie architektonisch Interessierte. Für die stolzen Verantwortlichen des Museums ist das Ergebnis nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit, sondern auch «eine Rückbesinnung auf historische Stärken».

Wandbehang mit Hortus conclusus, Wolle, Seide, Gold- und Silberlahn, Basel, 1480 (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)
Dieser Ausstellungsraum vermittelt den Eindruck einer gotischen Kapelle mit Sterngewölbe, Deckenmalerei und Masswerkfenstern. Dort werden Skulpturen und Altäre präsentiert, wie sie seit dem frühen Mittelalter zur Ausstattung von Kirchen und Kapellen gehörten. (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)
Der Barocksaal diente einst Heinrich Lochmann, Oberst in französischen Diensten, als Festsaal für gesellschaftliche Anlässe. Die Portraits zeigen Vertreter des französischen Königshauses und ihre politischen Gegenspieler sowie Protagonisten des Dreissigjährigen Krieges. Der Fliesenboden von 2018 ist eine Rekonstruktion desjenigen von 1898. (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)
Dank der neuen Inszenierung mit Spiegeln am Boden können die Besucher*innen die prächtige Kassettendecke der Prunkstube aus dem Palazzo Pestalozzi (1585) besser betrachten. (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden die Lichthöfe wieder geöffnet und in ihren ursprünglichen Zustand von 1898 versetzt. (Foto © Atelier Brückner, Daniel Stauch)
Rechts die originalen Fliesen von 1898, links die im Rahmen der Sanierungsarbeiten rekonstruierten. Vorbild war ein Fliesenboden aus dem alten Casino Luzern (1575–1600). (Foto © Schweizerisches Nationalmuseum)

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