Phönix aus der Asche

Ulf Meyer
22. Juni 2020
Foto: Axel Hartmann

Einst war Essens im Krieg schwer zerstörtes Quartier Holsterhausen das grösste Wiederaufbaugebiet der Bundesrepublik. Heute soll die neue Wohnanlage «Cranachhöfe» von Nattler Architekten die Geschichte des Stadtteils fortschreiben und ihn aufwerten.

Essens Stadtteil Holsterhausen wurden im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen der Alliierten nahezu völlig zerstört. Nach Kriegsende wurde das Quartier zum grössten Wiederaufbaugebiet der Bundesrepublik überhaupt. Die «Cranachhöfe», entworfen vom deutschen Büro Nattler Architekten, schreiben nun die Geschichte des Quartiers fort. Die neue Anlage in der Nähe des Universitätsklinikums bietet Wohn- und Geschäftsräume sowie einen Supermarkt. Sie ist gut an das ÖPNV- und Autobahnnetz angebunden. Ihr Name indes bezieht sich auf die Cranachstraße und damit auf den Maler Lucas Cranach. Der Bau an springt von der Ecke Holsterhauser-/Rubenstraße zurück und lässt dabei einen Vorplatz frei, der den Anwohner*innen Raum zum Verweilen gibt. Es gibt dort ein Café, Sitzbänken, bepflanzten Inseln beim Haupteingang zum Supermarkt und einer Kita. 

Foto: Jochen Tack
Foto: Axel Hartmann

Der Baukörper schlängelt sich entlang der Grundstückskante und formt einen Innenhof als Rückzugsraum. Hier befindet sich auch eine geschützte Spielfläche für die Kita, in der 99 Kinder betreut werden können.  

Die Stadtwohnungen für Singles, Paare, Familien und Senior*innen teilen sich auf in einen öffentlich geförderten Wohnungsbau an der Rubensstraße und ein frei finanziertes Wohnhaus an der Cranachstraße. Bei den 42 geförderten Einheiten handelt es sich 1,5 bis 3,5-Zimmer-Wohnungen, privat finanziert sind 29 seniorengerechte, barrierefreie Wohnungen. Im Z-förmigen Gebäudeteil tragen Läden des täglichen Bedarfs inklusive Café und Bäckerei zur Belebung des neu definierten «Holsterhauser Platz» bei. Eine benachbarte Freifläche mit altem Baumbestand erweitert visuell den Innenhof. Dieser ist um eine Ebene angehoben, gleichsam als Deckel über 269 Parkplätzen im Erd- und Untergeschoss. Kontrovers wird es darum in Sachen Nachhaltigkeit: Trotz dieser enormen Menge an Stellplätzen streben die Architekten das DGNB Gold Siegel an, welches von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen vergeben wird. Ein Bauteil erfüllt die Anforderungen des «KfW Effizienzhaus 70»-Standards. Der Cranachhof wird über Fernwärme beheizt. Im Supermarkt erfolgt die Wärmebereitstellung über Wärmerückgewinnung aus der Gewerbekälte. Der Verkaufsraum wird mittels Niedertemperatur-Wärmeübertrager beheizt. Die Büroräume sind mit einer Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. 

Der nach einem Maler der Renaissance benannte Wohnhof soll, so die Verantwortlichen, eine weitere «Wiedergeburt» des nach dem Krieg hastig wiederaufgebauten Quartiers einleiten.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie