Zum Tod von Charles Jencks

John Hill, Katinka Corts
16. Oktober 2019
Charles Jencks, «The Cells of Life», Jupiter Artland, Edinburgh (Foto: Allan Pollok-Morris, mit freundlicher Genehmigung von Jupiter Artland)

Der einflussreiche Architekturhistoriker und Landschaftsgestalter Charles Jencks ist vergangenen Sonntag im Alter von 80 Jahren in London gestorben. Neben seinen vielbeachteten Büchern und Landschaftsgestaltungen wird auch sein grosses Engagement für die Maggie Zentren und den Kampf gegen den Krebs in besonderer Erinnerung bleiben.

Breit waren seine Interessen und umfassend sein Wirken – Charles Jencks arbeitete als Kulturtheoretiker, Landschaftsarchitekt und Architekturhistoriker. Zudem war Mitbegründer der Maggie's Cancer Care Centres. 

Doch in besonderem Masse bekannt ist Jencks vielen Architekt*innen für seine Schriften zur postmodernen Architektur, insbesondere das Buch «The Language of Post-Modern Architecture», das erstmals 1977 veröffentlicht und seither mehrfach aktualisiert wurde. Darin datiert er den Tod der modernen Architektur auf den «15. Juli 1972 um 15.32 Uhr (oder so ungefähr)», als die Wohnanlage Pruitt-Igoe in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gesprengt wurde. Nach diesem Buch, das mittlerweile Kultstatus erreicht hat, schrieb er Dutzende weitere, von denen viele die Postmoderne und andere Entwicklungen in der Architektur des späten 20. Jahrhunderts untersuchten.

Charles Jencks' berühmter «Evolutionary Tree of Twentieth-Century Architecture»

2003 rief Jencks den RIBA Charles Jencks Award ins Leben, «um eine Person (oder Praxis) auszuzeichnen, die in letzter Zeit einen wichtigen Beitrag zur Theorie und Praxis der Architektur geleistet hat.» Träger waren unter anderem Alejandro Aravena (2018), Herzog & de Meuron (2015) und Rem Koolhaas (2012). Wer Jencks ständigen Platz in der Jury übernehmen wird, ist noch offen.

Maggie’s Dundee (2003) wurde von Frank Gehry entworfen. Für Landschaftsgestaltung zeichnete Arabella Lennox-Boyd verantwortlich. (Foto © Maggie’s Centres)

Neben seinen Schriften beschäftigte Jencks sich mit Landschaftsarchitektur und konnte etliche Projekte – nicht nur in Grossbritannien – umsetzen. Die Parks und Gärten, die Jencks gestaltete, zeichnen sich aus durch geschwungene und spiralförmige Landformen, die seine kosmologischen Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Sein eigener Garten in Schottland ist die wohl bekannteste dieser Kreationen. Jencks engagierte sich zudem für die Maggie Zentren – kleine Bauten, in denen Krebspatienten therapeutischen Unterstützung finden –, die er und seine später an Brustkrebs verstorbene Frau Maggie Keswick gegründet hatten. Wie ihr Ehemann war Keswick Landschaftsarchitektin (ihr berühmtestes Buch war «The Chinese Garden» von 1978) und sprach sich für kleine, intime Gebäude für Erkrankte aus, die stark mit den von ihr gestalteten Landschaften verbunden waren. Die vielbewunderten Gebäude wurden von Frank Gehry, Steven Holl und anderen Architekten von Weltruhm entworfen. Die Gestaltung der Umgebung entsprach dabei stets den von Keswick ausgegebenen Idealen.

Charles Jencks hinterlässt mit zahlreichen Büchern, Landschaftsentwürfen und den Maggie Zentren ein wertvolles Vermächtnis. Sein Tod ist nicht nur für die internationale Architekturszene ein schmerzlicher Verlust. 

Wie auf der Website von Maggie's zu lesen ist, soll Charles' Londoner Haus künftig den Namen «The Cosmic House» tragen und als Museum zu besichtigen sein.

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