Zurück in die Zukunft

Ulf Meyer
8. Februar 2023
Modellfoto: © Manuel Herz

Die grossen Metropolen der Welt konkurrieren nicht nur international miteinander, auch auf nationaler Ebene gibt es eine Hackordnung. In Japan bedeutet das: Wenn die Hauptstadt Tokyo die Olympischen Sommerspiele ausrichten darf, möchte Osaka, die zweitgrösste Stadt des Landes, als Gastgeberin einer Weltausstellung glänzen. So war es schon 1964 (Olympiade) und 1970 (Expo), und auch dieses Mal folgt auf die Spiele von Tokyo (2021) eine Weltausstellung in Osaka (2025). 

Die metabolistische Architektur, die auf der Expo des Jahres 1970 zu einem letzten Welterfolg wurde, ehe diese Architekturströmung allmählich verschwand, ist der gestalterische Ausgangspunkt für den Entwurf des Schweizer Pavillons auf der Expo 2025: Manuel Herz hat einen pneumatischen Bau in Kugelform entworfen. Zusammen mit dem Büro Bellprat Partner aus Zürich hat er den zweistufigen Wettbewerb um die Gestaltung gewonnen. Die Konstruktion aus fünf Sphären hat ein minimales Gewicht und wird aus recycelten sowie recycelbaren Materialien bestehen. Glyzinien sollen das Gebäude überwuchern.

Arnau Bellprat entwickelt das Ausstellungs- und Mediendesign für den Pavillon. Unter dem Motto «Designing Future Society for Our Lives» präsentiert er die Schweiz als Innovationshub und Heidiland in den drei Themenbereichen «Life Sciences/Gesundheit und Ernährung», «Planet» (Umwelt, Nachhaltigkeit, Klima und Energie) und «Robotik und Künstliche Intelligenz». Als Partner wurden das Wissenschaftszentrum CERN in Genf und die Basler Pharmaindustrie gewonnen.

Modellfoto: © Manuel Herz
Modellfoto: © Manuel Herz

Aus gestalterischer Sicht sind drei weitere Partner involviert: Robin Winogrond entwirft die Landschaftsarchitektur, Studio AA-Morf aus Tokyo sind die örtlichen Kontaktarchitekten, und die Firma Nüssli ist als Generalunternehmer für Projektmanagement und Bau verantwortlich. 

Das Design Lab des Kyoto Institute of Technology analysiert den ökologischen Fussabdruck des Gebäudes, das ständig Energie verbrauchen wird: Die Membranen aus ETFE-Folie werden von einer Leichtbaukonstruktion getragen, sind aber vor allem auf einen ständig aufrechterhaltenen Luftdruck gestützt. Die Folien für die fünf Sphären sollen addiert nur 400 Kilogramm wiegen und nach der Expo im Möbelbau weiterverwendet werden.

Visualisierung: © Manuel Herz
Visualisierung: © Manuel Herz

Die Sphären haben einen architektonischen Bezug zur früheren Expo in Osaka: Das Büro Davis Brody Bond aus New York hatte damals für den Pavillon der Vereinigten Staaten ein luftgestütztes Dach entworfen. Die Ellipse mit einem Kabelnetz im Rautenmuster war 1970 das grösste freitragende luftgestützte Kabeldach der Welt. Das transluzente, vinylbeschichtete Glasfasergewebe wurde durch den künstlich generierten Innendruck stabilisiert. Und der US-amerikanische Pavillon war nicht die einzige «Luftarchitektur» an dieser Expo: Auch der japanische Architekt Yutaka Murata (1917–1988) hatte für die Firma Fuji eine Membranstruktur entworfen, die aus 16 bogenförmigen Rohren bestand. Es ist architekturgeschichtlich gesehen bemerkenswert, dass in Zeiten der Klimakrise und der voranschreitenden Umweltzerstörung die pneumatischen Konstruktionen der 1970er-Jahre erneut Konjunktur haben.

Manuel Herz’ Entwurf für den Schweizer Pavillon knüpft an diese Tradition an. Wenn vom 13. April bis 13. Oktober 2025 die Weltausstellung in Osaka stattfindet, werden rund 28 Millionen Besucher erwartet. 

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