Hardbrücke

Abneigung, Aneignung, Zuneigung: die Hardbrücke

26. April 2012

Hardbrücke
2011

Zürich

Auftragsart
Brücke: Submission
Aufgänge: Folgeauftrag

Bauherrschaft
Stadt Zürich, Tiefbauamt

Architektur
Elisabeth & Martin Boesch Architekten, Zürich
Mitarbeiter: Nils Krämer, Johanna Hofmeister

Fachplaner
Aufgänge: Walt + Galmarini AG Bauingenieure, Zürich
Aufgänge: Geometrieingenieur Urs B. Roth, Zürich
Plan Lumière: D-lite Lichtdesign, Zürich
Mandat Brückensanierung: IG Hardbrücke, Flückiger Bosshard Ing. AG + Edy Toscano Ing. AG

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Betonbau: Implenia Bau AG
Naturstein: Wanner AG
Metallbau: Auer Metallbau
Aufzüge: Emch AG

Fotos
Martin Boesch
Nils Krämer

Boesch Architekten haben kürzlich die Instandsetzung eines innerstädtischen Viadukts mit Aufgängen in Zürich fertiggestellt. Die Architekten wählen zwei Zeichnungen und vier Fotos und beantworten unsere sieben Fragen.

Aufgang Schiffbau

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Hardbrücke ist ein 1.2 km langes Infrastrukturbauwerk, welches zwiespältige Gefühle weckt: ein Provisorium, welches aus Sicherheitsgründen saniert werden musste, ein Stück Stadtautobahn und gleichzeitig wichtige Verbindung zweier Stadtquartiere über das Gleisfeld hinweg. Und, seit sich Zürich West ins eigentliche In-Quartier verwandelt hat, bildet sie in jenem Abschnitt sowohl oben als insbesondere auch darunter öffentliche Räume. Die Aufgänge bilden die Schnittstelle der beiden. Sie sind der Ort, wo das harte Bauwerk sozusagen weich wird, wo es, betont durch die Handläufe aus Holz, zum Anfassen wird und eine unerwartete haptische Qualität gewinnt.

Querschnitt durch die Hardbrücke nachher / vorher

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Auf der Brücke bilden die schräggestellten Kandelaber ein Spalier. Damit wird ein kraftvoller Raum generiert, unabhängig von den unterschiedlich starken architektonischen Präsenzen beidseits der Brücke.


Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Wir haben den Wandel des einst ungeliebten Grenzbauwerks zum Identifikationsmerkmal durch die Veränderung seiner Umgebung innerhalb weniger Jahrzehnte miterlebt. Aus allgemeiner Ablehnung wurde eine gewisse Zuneigung, parallel mit der Überwindung der scharfen Trennung zwischen Wohnquartieren und geschlossenen Industriearealen, parallel mit der neuen Durchlässigkeit für Leute und für neue Nutzungen. Unsere Massnahmen auf, an und unter der Brücke stärken die neue Wertung. Nachts schafft die immaterielle Kraft des Lichtes anstelle des einst dunklen Unbestimmten Raum, Ort und Öffentlichkeit.

Auf der Hardbrücke nach dem Umbau

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Der Escher-Wyss-Platz verschwand nach der Verlegung der Tramhaltestelle sozusagen aus der Agenda der städtischen Planung. In einer Machbarkeitsstudie zeigten wir sein Potenzial auf. Sie diente als Basis für den Kunstwettbewerb bzw. das Projekt für das «Nagelhaus». Mit der Ablehnung desselben in der Abstimmung blieb unser Teilprojekt Escher-Wyss-Platz unvollendet, und statt ein lebendiger städtischer Raum zu sein, vorläufig nur öde.

Grundrisse der beiden Treppentypen

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Als Strassen- und Brückenbau steht das Objekt eher verquer in unserem Werkverzeichnis, als Umbau weniger. Die Herangehensweise ist nicht viel anders als bei jedem anderen bestehenden Gebäude auch, nämlich unbefangen, unvoreingenommen und neugierig auf das zu entdeckende und freizulegende Potenzial, neugierig auf den (fast) immer irgendwo schlummernden Zauber einer Struktur – unbelastet von der Frage, wie schön oder hässlich dieses Gebäude nun auch sei, ob es gefällt oder nicht.


Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Ansehen, die Qualität und der hohe Stellenwert des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Zürich widerspiegeln sich in den Aufgängen.

Aufgänge am Escher-Wyss-Platz

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Statt Thematisierung oder didaktischer Trennung von neu und alt wurde die Homogenisierung, Harmonisierung, die Verbindung aller Teile gesucht. Die Brücke besteht im Wesentlichen aus Beton, folglich wird mit Beton weitergebaut und eine Veredlung des Betons mit anderen Materialien findet nur lokal statt, nur dort, wo unsere Hände, unsere Füsse oder unsere Augen danach verlangen.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!

Nachts unter der Brücke nach dem Umbau

Hardbrücke
2011

Zürich

Auftragsart
Brücke: Submission
Aufgänge: Folgeauftrag

Bauherrschaft
Stadt Zürich, Tiefbauamt

Architektur
Elisabeth & Martin Boesch Architekten, Zürich
Mitarbeiter: Nils Krämer, Johanna Hofmeister

Fachplaner
Aufgänge: Walt + Galmarini AG Bauingenieure, Zürich
Aufgänge: Geometrieingenieur Urs B. Roth, Zürich
Plan Lumière: D-lite Lichtdesign, Zürich
Mandat Brückensanierung: IG Hardbrücke, Flückiger Bosshard Ing. AG + Edy Toscano Ing. AG

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Betonbau: Implenia Bau AG
Naturstein: Wanner AG
Metallbau: Auer Metallbau
Aufzüge: Emch AG

Fotos
Martin Boesch
Nils Krämer

Vorgestelltes Projekt

Brooks + Scarpa Architects

Southern Utah Museum of Art (SUMA)

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