Vom Werkhof zum Wohnhof

IttenBrechbühl, Basel
8. abril 2021
Foto: Yohan Zerdoun

IttenBrechbühl haben in Basel Gewerbebauten durch ein Hofhaus ersetzt. Wie Daniel Blum erklärt, orientiert sich das neue Gebäude an Nutzbauten, die traditionell in den Höfen des Quartiers errichtet wurden.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Gestalt, Materialisierung und Konstruktion unseres Projekts sind als Übersetzung der einfachen Nutzbauten zu lesen, wie sie traditionell in Basler Höfen zu finden sind. Die Gestalt passt sich der Form des Hofes an, und die Materialien sind einfach und robust. Leichte Verfremdungen und Nobilitierungen der Elemente sprechen von der geänderten Nutzung des Hofes und Gebäudes als Wohnort. So ist das rohe Welleternit farbig lasiert, die Staketen der Geländer haben eine besondere Form erhalten und die Stützen in den Wohnräumen weisen in jeder Wohnung eine eigenständige Form auf (jemand hat sie dementsprechend «Mitbewohner» getauft).

Fassade (Foto: Yohan Zerdoun)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Ort ist ein alter Werkhof, sehr typisch für Basel und das Quartier. Er ist einer der wenigen Höfe, die im Laufe ihrer Geschichte nie vollständig durch einen Blockrand geschlossen waren, deshalb lugt das Gebäude auch jetzt leicht aus ihm hervor. Zudem hat der Bauherr an diesem Ort seine Karrieren begonnen. Insofern kommen persönliche Beziehungen zum Ort, die Erinnerung an die Geschichte der Nutzung und eine typologische Besonderheit als Einflussfaktoren zusammen. 

Zudem spielt die Nähe zu den umgebenen Gebäuden eine Rolle. Wir haben einen Ausdruck gesucht, der in der Nahperspektive wirkt und ebenso in der Seitenansicht: Man bewegt sich entlang des Gebäudes und sieht es von nahem. In einer herkömmlichen Ansicht, wie sie üblicherweise gezeichnet wird, tritt das Objekt nie in Erscheinung. Es ist konsequent als Haus im Hof konzipiert.

Blick vom Balkon (Foto: Yohan Zerdoun)
Detail der Fassade (Foto: Yohan Zerdoun)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die Bauherrschaft war sehr engagiert, offen, kritisch, manchmal auch mutig. Das Schöne ist, dass sie nun sehr zufrieden ist mit dem Haus. Ich denke, dass ist das Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses, den beide Seiten ernsthaft mit Freude und Respekt gestaltet haben.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Das Projekt hatte eine bewegte Geschichte, bevor wir es als Architekten übernehmen durften. Unser jetzt umgesetzter Entwurf ist Ausdruck und Verfeinerung der zugrundeliegenden Idee. Dieser Prozess war intensiv, aber ohne wesentliche Unterbrüche oder Kurskorrekturen.

Treppenhaus (Foto: Yohan Zerdoun)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Ich denke, das Gebäude reiht sich in eine Sammlung von jüngeren Bauten ein, die für eine Rückbesinnung auf unsere Werte als Architekten stehen. Wir machen Architektur von A bis Z. Uns interessieren der Entwurf, die Planung und die Ausführung. Wir bleiben über alle Phasen sehr nah am Projekt. So können wir das Ergebnis kontrollieren und verantworten.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Meistens überdauern Bauten aktuelle Tendenzen, deshalb sind wir vorsichtig, diesen in unseren Projekten explizit Ausdruck zu verleihen – das hat uns nicht zuletzt unsere (im kommenden Jahr hundertjährige) Bürogeschichte gelehrt. Die Auseinandersetzung mit der innerstädtischen Verdichtung bildet aber sicherlich ein zeitgenössisches Thema ab.

In einer der Wohnungen (Foto: Yohan Zerdoun)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Fassade ist, wie schon erwähnt, von besonderer Bedeutung in ihrer Erinnerung an die Geschichte und in ihrer Nahwirkung. Das rohe Welleternit, welches vor der Montage lasiert wurde, trägt wesentlich zum Ausdruck des Gebäudes bei: Die «pelzige» Struktur des Materials konnte erhalten bleiben und hat so entscheidenden Anteil an der textilen Wirkung der Fassadenbekleidung. In einem intensiven Prozess mit Eternit und der Firma Durrer Systems konnte eine überzeugende Lösung für die Fassade gefunden werden.

Situation
Grundriss 1. Obergeschoss
Fassadenschnitt
Bauwerk
Haus im Hof
 
Standort
Hegenheimerstrasse 39, 4055 Basel
 
Nutzung
Mehrfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Musfeld AG, Basel
 
Architektur
IttenBrechbühl, Basel
Verantwortlich: Daniel Blum
Projektleiter: Sebastian Winkler
Mitarbeiter*innen: Yasmin Jaeg, Yvonne Ganzoni und Armin Schärer
 
Fachplaner 
Landschaftsarchitekt: BRYUM, Basel
Tragwerk: SchnetzerPuskas Ingenieure, Basel
Haustechnik: RaimanPartner, Trimbach 
Elektro: Bhend Elektroplan GmbH, Basel
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Energiestandard 
Minergie (nicht zertifiziert)
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Generalunternehmer Implenia, Basel
Baumeister: Birchmeier, Döttingen
Metallbauer: Reto Furler Metallbau, Basel
 
Fotos
Yohan Zerdoun, Freiburg im Breisgau, Deutschland

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