Eine neue Adresse für Hergiswil

Schmid Ziörjen Architektenkollektiv
6. Februar 2020
Blick über den östlichen Pausenplatz zum Schulhaus (Foto: Lucas Peters)

Das Schmid Ziörjen Architektenkollektiv hat die Schulanlage «Grossmatt» aus den 1970er-Jahren umgestaltet. Mark Ziörjen erklärt, wie die Stärken des Baus wieder voll zur Geltung gebracht wurden.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Schulanlage «Grossmatt» wurde 1974 vom Architekten Walter Schindler gestaltet. Im Laufe der Zeit wurde sie durch diverse Um- und Erweiterungsbauten stark verunklärt. Mit der Gesamterneuerung konnten die aus den früheren Massnahmen resultierenden Nachteile behoben werden. Die äusseren Hauptzugänge wurden neu organisiert. Im Inneren wurden mit wenigen präzisen Massnahmen viele der ursprünglichen Qualitäten wiederhergestellt. Der grösste strukturelle Eingriff war die offene Treppenanlage, sie ist der neue Dreh- und Angelpunkt des Hauses. Die durchgängigen Lufträume etablieren vielseitige Sichtbezüge und verbinden die Geschosse räumlich und optisch miteinander.

Der Eingangshof wurde freigeräumt. (Foto: Lucas Peters)
Detailaufnahme der Keramikelemente (Foto: Lucas Peters)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die räumlichen und strukturellen Qualitäten der ursprünglichen Architektur waren prägend für unseren Projektvorschlag. Die wohlproportionierte Erscheinung des Schulbaus am Fusse des Pilatus ist nach wie vor sehr gut spürbar, auch wenn das äussere Kleid des Gebäudes heute einen neuen Ausdruck hat.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Die Grundrisse mussten innerhalb der bestehenden Gebäudestruktur für ein neues Schulkonzept komplett umorganisiert werden. Die Lehrerschaft war massgeblich an der Grundrissüberarbeitung des Wettbewerbsprojekts beteiligt. Neu wurden drei «Lernlandschaften» eingerichtet, welche jeweils aus einem «Lernatelier» und zwei Kursräumen bestehen. Als grosszügige Ausweitung der Erschliessungszone wurde ein Palavrium realisiert. Es dient als Pausen-, Aufenthalts- und erweiterter Arbeitsbereich.

Neue Haupterschliessung (Foto: Lucas Peters)
Foyer, Aula und Pausenhalle (Foto: Lucas Peters)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten hat sich das Konzept der kontrollierten natürlichen Lüftung durchgesetzt. Dabei werden automatisiert Fenster- und Dachöffnungen für den Luftaustausch genutzt. Es wurde eine per Simulation ermittelte Anzahl Öffnungen mit elektrischen Antrieben ausgestattet, und das Raumklima wird über eine intelligente Steuerung mit Sensoren kontrolliert. 

Palavrium (Foto: Lucas Peters)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Über der prägenden Betonstruktur liegt das eigentliche Schulgeschoss, das aussenseitig neu mit einer Keramikhülle eingekleidet wurde. Es handelt sich bei dieser um grossformatige, grüne Platten mit Wellenstruktur. Die facettierte Beschaffenheit der Fassade schafft Plastizität und erzeugt ein interessantes Spiel aus Licht und Schatten. Das schwere Material stärkt den Baukörper und bringt seine wertige Erscheinung zur Geltung. Wir verstehen dies als Reminiszenz an die ursprüngliche Fassade aus Sichtbeton, die wir nicht einfach nachbilden wollten.

In der Schulbibliothek (Foto: Lucas Peters)
Situationsplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Querschnitt
Name des Bauwerks
Gesamterneuerung Schulanlage «Grossmatt»
 
Ort
Grossmatt 5, 6052 Hergiswil
 
Nutzung
Schulhaus und Kindergarten
 
Auftragsart
Anonymer Wettbewerb nach Präqualifikation, 1. Preis 
 
Bauherrschaft
Politische Gemeinde Hergiswil
 
Architektur
Schmid Ziörjen Architektenkollektiv, Zürich
Christina Imfeld (Projektleitung), Leonardo Strollo, Mark Ziörjen, Rafael Schmid
 
Fachplaner
Freiraum: Schrämmli Landschaftsarchitektur, Brugg
Tragwerk: WaltGalmarini AG, Zürich
Elektroingenieur: Scherler AG, Luzern
Lichtplanung: Mettler Licht AG, Zürich
Haustechnik: Wirthensohn AG, Luzern
Sanitärplaner: Peter Sanitär Planung, Luzern
Fassadenplanung: Rood AG Metallbauplanung, Stans
Brandschutzplanung: Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See
Bauphysik: Bakus Bauphysik & Akustik GmbH, Zürich
 
Bauleitung 
Ziörjen Baumanagement GmbH, Zürich
 
Jahr der Fertigstellung 
2019
 
Gesamtkosten BKP 1–9 
CHF 24 Mio.
 
Gebäudevolumen 
43'000m3
 
Fotos
Lucas Peters

Vorgestelltes Projekt

Snøhetta

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