Esplanade

Rykart Architekten
14. Januar 2021
Talseitig tritt die Schulerweiterung in Münchenbuchsee zweigeschossig in Erscheinung. (Foto: Janosch Abel)

Rykart Architekten haben die Schulanlage der PZHSM in Münchenbuchsee erweitert. Inmitten einer landschaftlich und historisch wertvollen Umgebung ist ihnen ein überzeugendes Projekt gelungen. Reto Wegmüller und Anna Martin erklären ihren Umgang mit der anspruchsvollen Bauaufgabe.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Die Schulanlage der PZHSM befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble am Ortsrand von Münchenbuchsee. Der historisch gewachsene Schloss- und Kirchenbezirk zeigt sich als markante Anlage auf der Hangkante zur Chlostermatte. Der angrenzende Landschaftsraum mit seinen grossen Grünflächen ist ein weiteres charakteristisches Merkmal und eine grosse Qualität der Schule. Die Anlage sollte mit einer multifunktional nutzbaren Sporthalle, einer vierklassigen Sprachheilbasisstufe und einem Psychomotorikbereich erweitert werden. 

Historische Darstellung des Schloss- und Kirchenbezirks; die Anlage wurde 1180 als Johanniter-Kloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt und nach der Reformation um 1530 zum Sitz des Landvogtes ausgebaut. Seit dem 18. Jahrhundert wird sie als Schule genutzt.
Die Luftaufnahme von 1965 zeigt den historischen Schloss- und Kirchenbezirk. Das angrenzende Tal mit seinen grosszügigen Grünflächen und einem Freibad gehört zur Schulanlage.
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die einzelnen Nutzungen sind in einem Volumen zusammengefasst. Der Baukörper ist am Rand des kleinen Tals positioniert und leicht von der Hangkante abgelöst. Der Landschaftsraum bleibt frei, die Topografie spürbar. Das Gebäude entwickelt sich aus dem Terrain und nimmt sich in der Höhe stark zurück. Dadurch wird die Sicht auf die Silhouette des Schloss- und Kirchenbezirks nicht beeinträchtigt. Das Gebäude zeigt sich zur Talseite mit zwei Geschossen, zur Hangseite mit einem Geschoss. In der Mitte des Körpers ist eine Plattform aufgespannt. Über diesen Platz – die Esplanade – wird das Gebäude von der Hangseite her ebenerdig erschlossen. 

Das Gebäude entwickelt sich aus dem Terrain und nimmt sich in der Höhe stark zurück. Dadurch bleibt die Sicht auf die Silhouette des Schloss- und Kirchenbezirks frei. (Foto: Janosch Abel)
Durch das rundumlaufende Holztragwerk fällt Tageslicht in die Sport- und Mehrzweckhalle. (Foto: Mario Rüegger)
Inwiefern haben die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Hör- und sprachbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind auf besondere räumliche Bedingungen angewiesen. Diese Bedürfnisse wurden bereits im Entwurfsprozess berücksichtigt. 

Die einzelnen Nutzungen lassen sich von aussen am Baukörper ablesen, dies unterstützt die Kinder bei der Orientierung. Den Auftakt bildet die zweigeschossige Basisstufe, die im Sockel durch einen Einschnitt vom Psychomotorikbereich getrennt ist. Den Abschluss bildet gut erkennbar der gläserne Kubus der Sporthalle.

Neben der klaren Orientierung im Aussenraum und in den Innenräumen sind eine gute und blendfreie Belichtung und eine besonders gute Raumakustik von grosser Bedeutung. Das Innere des Gebäudes ist mit Holz ausgekleidet. Die gedämmten Vorsatzschalen sind zu den Räumen hin mit perforierten, schallabsorbierenden Oberflächen ausgestattet. Es entstehen warme, kindgerechte Räume mit besonders guter Akustik. In der Sporthalle bringt das oben liegende Glasband das Tageslicht tief und blendfrei in den Raum.

In den Korridoren der Basisstufe sind Garderoben in die Holzfronten integriert. (Foto: Mario Rüegger)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Neben dem Neubau wurde mit dem Gewinn des Wettbewerbs auch die Sanierung der bestehenden Schulanlage an uns vergeben. Die Anlage wurde 1180 als Johanniter-Kloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt und nach der Reformation um 1530 zum Sitz des Landvogtes ausgebaut. Seit dem 18. Jahrhundert wird sie als Schule genutzt. Die denkmalgeschützten Schulräume wurden instand gesetzt, räumlich optimiert und sanft modernisiert. Der Haupteingang wurde baulich aufgewertet und mit einer grosszügigen Treppenanlage mit Sitzstufen erschlossen. Der von historischen Bauten begrenzte, langgestreckte Hof dient als Ankunfts- und Pausenplatz. Er wurde freigeräumt, um den Blick auf das Ensemble, den Haupteingang und die Hoflinde mit Brunnen freizugeben. 

Zudem war der Neubau für uns ein Pilotprojekt in Sachen BIM-Planung. Das gesamte Planerteam mit allen Fachplanern nutzte die optimierte, integrale Planung mit dem digitalen Gebäudemodell. Ablauf und Ergebnis haben uns überzeugt – die BIM-Methode wird seither in unserem Büro als Standard verwendet.

Vom hellen Foyer eröffnen sich spannende Sichtbezüge in die tieferliegende Sporthalle. Eine grosszügige Treppe verbindet die beiden Ebenen. (Foto: Mario Rüegger)
Der Treppenaufgang vom Vorplatz der Sporthallen ins Foyer im Obergeschoss (Foto: Mario Rüegger)
Welche Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Materialisierung beschränkt sich auf Beton, Glas und Holz. Die einfache, klare Geometrie des Baukörpers wird durch die reduzierte Materialwahl gestärkt. Die erdberührenden Fassaden wurden in Sichtbeton ausgebildet und innen gedämmt. Durch die Erstellung in gestocktem Beton konnte der Baukörper in das Terrain und die historische Gesamtanlage eingebettet werden. Das Innere des Betonkörpers wurde, wie bereits erwähnt, mit Holz ausgekleidet.

Der Kubus der Sporthalle durchstösst den Betonsockel. Von aussen wirkt der gläserne Aufbau der Halle wie eine Laterne. Tagsüber ermöglichen die breiten Oberlichtbänder, welche als Closed Cavity Facade (CCF) konstruiert sind, die blendfreie Belichtung der ganzen Halle. Durch die grossen Glasflächen wird das hölzerne Innenleben des Gebäudes schon von aussen spürbar. Das Tragwerk der Halle ist durch den gläsernen Aufbau als umlaufendes Muster sichtbar.

Entsprechend der Vorgabe des AGG wurde möglichst viel Holz verbaut. Neben dem konstruktiven Ingenieurholzbau wurden die Boden- und Wandverkleidungen in den Schul- beziehungsweise Logopädiezimmern sowie die multifunktionalen Schrankfronten (Stauraum, Haustechnikinstallationen) in Holz ausgeführt.

Für Rykart Architekten war der Neubau ein Pilotprojekt hinsichtlich der Planung mit BIM, die im Büro nun Standard ist.
Situation
Pläne von oben nach unten: Grundriss Erdgeschoss und Obergeschoss, Längsschnitt
Bauwerk
Sporthalle und Basisstufe PZHSM / Münchenbuchsee
 
Standort
Klosterweg 18, 3053 Münchenbuchsee
 
Nutzung
Schulerweiterung und Sporthalle
 
Auftragsart
Projektwettbewerb im offenen Verfahren, 1. Rang, 1. Preis
 
Bauherrschaft
Amt für Grundstück und Gebäude, Bern
 
Architektur
Rykart Architekten AG, Liebefeld
Projektleitung: Reto Wegmüller 
Entwurf: Anna Martin, Dominik Hutz 
Projektentwicklung: Mario Rüegger, Christian Egarter 
 
Fachplaner
Bauingenieur: Ingenta AG, Bern 
Elektroplanung: Schneider AG, Münchenbuchsee 
HLKS-Planung: Matter + Ammann AG, Bern 
Bauphysik: Grolimund + Partner AG, Bern 
Landschaftsarchitekt: Luzius Saurer, Hinterkappelen, und Ueli Zingg, Bern
Lichtplanung: Büro Licht AG, Ittigen, und Lucet GmbH, Bern 
Fassadenplanung: Buri, Müller + Partner GmbH, Burgdorf
Brandschutzplanung: BDS, Security Design AG, Bern 
Gastroplanung: HP Misteli, Oberwangen 
Medienplanung: Medicon GmbH, Wangen an der Aare
 
Bauleitung
Rykart Architekten AG, Liebefeld: Martin Aebersold, Fabienne Gnägi
 
Jahr der Fertigstellung
2019 
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 16,7 Mio.
 
Gebäudekosten BKP 2
CHF 14,6 Mio.
 
Gebäudevolumen
17 700 m3 (SIA 416)
 
Kubikmeterpreis
825 CHF/m3
 
Energiestandard 
Minergie P Eco 
 
Kunst am Bau 
Linus Bill und Adrien Horni, Biel: bronzene Abfalleimer basierend auf Zeichnungen der Schüler zum Thema «Monster»
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeisterarbeiten: Wirz AG, Bern
Ingenieurholzbau: Wenger Holzbau AG, Steffisburg
Fassadenbau: Meyer Josef Stahl & Metall AG, Emmen; 4B Fenster AG, Hochdorf
Flachdach: Kämper + Co AG, Herzogenbuchsee
Elektroinstallationen: Muff+Schmutz AG, Bolligen
Heizungsinstallationen: Aeschbacher HJ. AG, Mühlenberg
Lüftungsinstallationen: IPS Gebäudetechnik GmbH, Bern
Sanitärinstallationen: Guggisberg Kurz AG, Bern
Schreinerarbeiten: Kühni AG, Ramsei
Unterlagsböden: B & L Bodensystem AG, Biel
Fugenlose Bodenbeläge: Jank + Blatter AG, Rothenburg
Bodenbeläge in Holz: P + H Parquet + Holzbau AG Bern, Bern
Decken aus Trockenbauplatten: Refa-Bau Reymondin & Partner AG, Thun
Umgebungsarbeiten: Aemmer AG, Lyss
 
Fotos
Janosch Abel, Bern, und Mario Rüegger, Rykart Architekten AG, Liebefeld

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