Wohnüberbauung Sturzenegg

Kettfaden (ver-)bindet

Wild Bär Heule Architekten, St. Gallen, 2017
22. August 2018
Offener, gemeinschaftlicher Binnenraum erlaubt gezielte Ausblicke in die Landschaft. Bild: Roger Frei
Wild Bär Heule Architekten haben kürzlich eine Wohnsiedlung in St. Gallen fertiggestellt. Thomas Wild, Ivar Heule und Sabine Bär beantworten unsere Fragen.
Nutzung ​69 Mietwohnungen
Ort Sturzeneggstrasse 36 – 46, 9015, St. Gallen
Auftragsart Projektwettbewerb im selektiven Verfahren
Bauherrschaft Wohnbaugenossenschaft St. Gallen
Architektur Wild Bär Heule Architekten AG, Zürich | Mitarbeit: Andreas Meiler, Franziska Mosch, Marcel Frei, Fabian Högger, Benjamin Heller
Fachplaner Landschaftsarchitekt: Hager Partner AG, Zürich | Bauingenieur: Gruner + Wepf AG, St. Gallen | Elektroplaner: IBG B. Graf AG, St. Gallen | Haustechnikplaner: Kempter + Partner | Ingenieurbüro, St. Gallen | Bauphysik: Gerevini Ingenieurbüro AG, St. Gallen | Brandschutzplaner: Balzer Ingenieure AG, Chur
Bauleitung PPM Projektmanagement AG, St. Gallen
Jahr der Fertigstellung 2017
Gesamtkosten BKP 1-9 CHF 29,57 Mio.
Gebäudekosten BKP 2 CHF 25,93 Mio.
Gebäudevolumen 48‘967m3 SIA116 bzw. 43'775m3 SIA416
Kubikmeterpreis 530 CHF/m3 SIA116 bzw. 592 CHF/m3 SIA416
Energiestandard Minergie-A
Massgeblich beteiligte Unternehmer Eternitfassade: ARGE A. Weibel AG und Merz + Egger AG, St. Gallen | Balkongeländer: Metallround GmbH, Engelburg SG | Sichtmauerwerk Treppenhäuser: Frischknecht AG, St. Gallen
Fotos Roger Frei, Zürich
Fassadenausschnitt der zweifarbigen Eternitschindelanordnung mit abgerundeten Gebäudeenden. Bild: Roger Frei
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Am Siedlungsrand von St. Gallen spannen die drei langgestreckte Baukörper zusammen einen offenen Aussenraum auf. Dieser Binnenraum wird von der Siedlungsgemeinschaft als Ort der Begegnung genutzt. Die Setzung der Baukörper zueinander erzeugt eine gewisse Dichte und fördert den direkten nachbarlichen Kontakt.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das Verweben der offenen leicht geneigten Landschaft mit der Bebauung durch einen «Kettfaden».
Barrierefreier Balkonzugang mit Blick auf die versetzt angeordneten Balkone und einen Hauseingang. Bild: Roger Frei
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die segmentierten Baukörper lehnen sich an einen prägnanten Moränensporn an und nehmen mit den höhenversetzten Abschnitten die Bewegung der Topographie auf. Durch die freie Anordnung der Gebäude bleibt der Fluss des Landschaftsraum erhalten.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Bauten verbleiben langfristig im Eigentum der Genossenschaft. Damit gehen hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit einher. Dies wird einerseits reflektiert durch eine unterhaltsarme Eternit-Fassade mit einem durablen Betonsockel, andererseits durch energetische Massnahmen wie Blockheizkraftwerk, Photovoltaik, integrierte Mobility-Station.
Z-förmiger Grundriss gebildet aus Ess- und Wohnbereich mit der eingebauten «Wohnküche». Verweil- und Bewegungsraum überlagern sich. Bild: Roger Frei
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Ursprünglich waren nur halb so viel angehängte Balkone alternierend nach Osten und Westen orientiert, wodurch doppelgeschossige Aussenräume entstanden. Auf Wunsch der Bauherrschaft wurden für die Wohnungen jeweils ein Balkon auf jede Gebäudeseite angeordnet, was zu einer viel grösseren Dichte führte.
 
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Der genossenschaftliche Wohnungsbau bildet eine logische Fortsetzung unserer Forschung über das «Wohnen». Genossenschafter mit ihren Anteilscheinen am gemeinsamen Besitz wirken als eine Interessengemeinschaft. Konzepte und Detaillierungen, die in einem rein marktwirtschaftlichen Kontext scheitern würden, lassen sich im Rahmen des genossenschaftlichen Finanzierungssystems eher umsetzen.
Innenraum am Gebäudekopf mit den abgerundeten Gebäudeecken. Bild: Roger Frei
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Das Projekt wurde aus energetischer Sicht von der Bauherrschaft als Leuchtturmprojekt geplant. Die Photovoltaikanlage mit Stromspeicherung mit Batterien und das gasbetriebenes Blockheizkraftwerk sorgen für einen netzunabhängigen Betrieb von Heizung, Brauchwasser und Stromversorgung. Die kontrollierte Wohnraumlüftung reduziert den Wärmebedarf während der Heizperiode und ein «free-cooling System» kühlt die Wohnungen im Sommer.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Das Fassadenmaterial von Eternit prägt die Erscheinung der Siedlung. Der textil anmutende Web-Effekt der beiden kontrastierenden Farben, dunkelbraun und türkisblau, erzeugt durch die Überlagerung eine vertikale Struktur und erinnert wieder an die Logik des Kettfadens.
Grundriss Zugangsgeschoss mit der Hochparterresituation.

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

Jean-Paul Viguier et Associés

Majunga Tower

Andere Artikel in dieser Kategorie

Heiteres Miteinander
vor einer Woche
Havre de paix
vor 2 Wochen
Wandelbarer Holzbau
vor 3 Wochen
Tuffeaux
vor 4 Wochen
«Neues Wohnen» Neuwiesen
vor einem Monat