Kleines Haus

Lukas Lenherr
9. Januar 2020
Foto: Florian Amoser

Lukas Lenherr gestaltete mit seinem Team in Jonschwil eine Remise zu einem Wohnhaus um. Uns erklärt er, wie er die Zimmer stapelte, um trotz der beengten Verhältnisse einen grosszügigen Wohnraum zu schaffen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Remise im Untertoggenburg, die zu einem Wohnhaus umgenutzt werden sollte, steht auf einer sehr kleinen Parzelle. Nach der konstruktiven Sicherung wurden übereinander – im Sinne der maximalen Ausnutzung der beengte Platzverhältnisse – drei zueinander abgedrehte Zimmer und Nasszellen eingebaut. Diese Stapelung öffnet über alle drei Stockwerke hinweg einen spiralförmigen, vertikal organisierten Lebensraum. 

Foto: Florian Amoser
Ein offener Wohnraum mit spektakulären Blickbezügen wurde zwischen Erd- und Dachgeschoss aufgespannt. (Foto: Florian Amoser)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Die Remise war seit jeher ein karger Bau. Sie diente als Holzlager für die ehemalige Konditorei mit dem Restaurant Hirschen, die weiter unten an der Strasse steht. Die neue Fassade aus Lärchenholz vermittelt zwischen den sehr schmucklosen regionalen Ökonomiegebäuden und den prächtigen Wohnhäusern in der Gegend mit ihren feinen Schindelfassaden. Entstanden ist ein Wohnhaus im Gewand eines Ökonomiegebäudes. Bewusst wurden im Zuge dessen weitere regionale Eigenschaften wie Klebdächer nicht weiter verfolgt, obwohl dies interessant gewesen wäre.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Unsere Herangehensweise an die Materialwahl und die räumliche Umsetzung sowie unsere Vorliebe für unkonventionelle Abschlüsse konnten wir Dank einer an Architektur sehr interessierten Bauherrschaft treu bleiben. Und nicht nur das: Unsere Auftraggeber brachten zudem sehr innovative Ideen ein, die wir aufgriffen.

Zusammenführung unterschiedlicher Materialien (Foto: Florian Amoser)
Wohnbereich und Küche im Erdgeschoss (Foto: Florian Amoser)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Die Arbeiten unseres Büros basieren alle auf dem Naheliegenden: der materiellen und konstruktiven Einfachheit. Wenn verschiedene Werkstoffe unvermittelt aufeinandertreffen, kann eine kompromisslose Architektur entstehen. Wichtig ist uns dabei eine klimafreundliche Umsetzung, unter anderem auch hinsichtlich der Arbeitsvorgänge, sowie eine Wertschätzung gegenüber der Natur. Wir fokussieren auf die Wiederverwendung von Materialien (und von Apparaten). Ganze Bauteile unserer Projekte können später erneut benutzt werden, weil Demontagemöglichkeiten bestehen. Zum Beispiel sind im konkreten Fall alle Hölzer in Sicht verschraubt; die Bauteile sind quasi nur am Haus gelagert. Wir gehen die sozialen und klimatischen Herausforderungen unserer Zeit mit innovativen und teils sehr unkonventionellen Prozessen und Kollaborationen an. Diese entstammen den Ansätzen der Postwachstumsökonomie, bei der Wiederverwendung, Verzicht, lokale Positionierung und Eigenproduktion zentral sind. Dadurch entsteht eine Architektur, die Identität stiftet.

Blick aus dem Dachgeschoss (Foto: Florian Amoser)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Heimisches Lärchen- und Föhrenholz bestimmen grosse Teile des Bauwerks. Lärche wurde benutzt für die Fassaden, die Laibungen, die Fensterbänke und die Fensterläden. Föhre wurde für die Holzfenstern verwendet – wie in alten Zeiten.

Gipsmodell des offenen Wohnraums, der sich über drei Stockwerke empor schraubt. (Foto: Lukas Lenherr)
Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Schnitt
Name des Bauwerks
«Kleines Haus»
 
Ort
Kronenstrasse 12, 9243 Jonschwil, SG
 
Nutzung
Einfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
Lukas Lenherr Architektur, Zürich
Mitarbeiter*innen: Elena Sonderegger, Lukas Lenherr (Projektleiter)
 
Fachplaner
Besmer Holzingenieure GmbH, Sattel
HSK Ingenieur AG, Küssnacht
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 438'470
 
Gebäudekosten BKP 2
CHF 413'470
 
Gebäudevolumen
406 m3
 
Kubikmeterpreis
CHF 1018
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
A. Huser Planung + Holzbau GmbH, Kirchberg 
Spezialbau Huber GmbH, Oberuzwil
Keller Fensterbau Schreinerei AG, Bazenheid
Remo Schönenberger AG, Kirchberg
 
Fotos 
Florian Amoser

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