Sichere Offenheit

Schneider & Schneider Architekten
23. April 2020
Foto: Kuster Frey

Schneider & Schneider Architekten haben den neuen Hauptsitz der Swissgrid gestaltet. An das Gebäude werden aufgrund seiner sensiblen Funktion hohe Sicherheitsansprüche gestellt. Zugleich soll es Offenheit ausstrahlen und identitätsstiftend sein. Wie haben die Architekt*innen auf diese gegenläufigen Anforderungen reagiert?

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Als Steuerungszentrale für das Schweizer Übertragungsnetz – ein Bestandteil der kritischen Infrastrukturen der Schweiz – soll das Gebäude hohe Anforderungen an die Sicherheit erfüllen und zeitgleich ein transparentes, repräsentatives und identitätsbildendes Objekt darstellen.

Foto: Kuster Frey
Foto: Kuster Frey
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Als nationale Netzgesellschaft verantwortet die Swissgrid den sicheren Betrieb sowie den Unterhalt und Ausbau des Schweizer Höchstspannungsnetztes. Der neue Hauptsitz im Zentrum von Aarau soll die Position der Swissgrid als Rückgrat der Schweizer Stromversorgung stärken. 

Als Inspiration diente uns die Kupferleitung. Die Kupferfassade erinnert an das Netz von stromleitenden Kupferdrähten. Durch die Skulpturalität und Materialität der vertikalen Elemente tritt das Gebäude dabei aus dem städtischen Kontext hervor. Je nach Lichtstimmung erscheint es im Tagesverlauf in unterschiedlichen Tönen von kupfer- bis bronzefarben. Sowohl die sogenannte Corporate Identity als auch die visuelle Erscheinung im Stadtbild sind in Bewegung – wandelbar – und nicht statisch.

Foto: Kuster Frey
Foto: Kuster Frey
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Bau steht mitten in der Stadt, südlich des Bahnhofs. Er wurde dem räumlich heterogenen Quartier als eigenständiger, kompakter Baukörper hinzugefügt, aus dessen Volumen mittig ein begrünter Innenhof herausgeschnitten ist. Durch seine senkrechte Ausrichtung zum Strassenraum nimmt er bewusst seinen Platz innerhalb des bereits gebauten Kontexts ein.

Foto: Kuster Frey
Foto: Kuster Frey
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die neue Art der Zusammenarbeit bei der Swissgrid, die konsequent von der Geschäftsleitung, den Führungskräften und den Mitarbeitenden gelebt wird, hat den Grundriss und das Raumkonzept stark beeinflusst: Ein besonderer Fokus lag auf der Vielfalt des Raumangebots unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Arbeits- und Sicherheitsanforderungen der Nutzer*innen. Das Swissgrid-Gebäude umfasst drei Obergeschosse, die, wie angedeutet, um einen zentralen, begrünten Innenhof angeordnet sind. Das Open-Office-Konzept auf den Büroetagen bietet den Mitarbeitenden die zu ihren jeweiligen Aufgaben passende Arbeitsumgebung. Desk-Sharing ermöglicht eine wirtschaftliche Ausnutzung der Fläche und fördert eine hohe Agilität in der Zusammenarbeit. Das wiederum schafft ein günstiges Klima für Innovationen.

Foto: Kuster Frey
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Wir bearbeiten viele öffentliche Projekte wie Gesundheits- und Bürobauten sowie Schulen, die zeitgleich hohe Anforderungen an die Sicherheit erfüllen und repräsentativ sind, also Offenheit und Geschlossenheit hinsichtlich ihrer Kubatur vereinen. Diese Gegensätzlichkeiten bei der Ausgestaltung der Gebäude überzeugend zu verknüpfen, ist eine besondere Herausforderung.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Das Material der Fassade; es ist identitätsstiftend und trägt entscheidend zur öffentlichen Wahrnehmung des Gebäudes sowie der Bauherrschaft bei. 

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Name des Bauwerks
Hauptsitz der Swissgrid
 
Standort
Bleichemattstrasse 31, 5001 Aarau
 
Nutzung
Bürobau
 
Auftragsart
Studienauftrag 2013, 1. Rang
 
Bauherrschaft
CSA Real Estate Switzerland, eine Anlagegruppe der Credit Suisse Anlagestiftung
 
Architektur
Schneider & Schneider Architekten ETH BSA SIA AG, Aarau, 
Projektleitung: Beat Schneider, Thomas Schneider, Jessica Besch, Michael Jung Mitarbeiter*innen: Marcus Müller, Nurial Vidal, Boris Wolf, Laura Riva, Marco Weimper, Joel Koilpillai, Patricia Rodrigues.
 
Fachplaner 
Generalplaner: Planergemeinschaft Schneider & Schneider Architekten ETH BSA SIA AG, Aarau und Sulzer + Buzzi Baumanagement AG, Olten
Totalunternehmer:HRS Real Estate AG, Frauenfeld
Landschaftsarchitekt: Rotzler Krebs Partner GmbH, Winterthur
Bauingenieur: Gruner AG, Basel
HLK-Ingenieur: Haustec Engineering AG, Ostermundigen
Elektroingenieur: Hefti. Hess. Martignoni. Aarau AG, Aarau
Fassadenplaner: Emmer Pfenninger Partner AG, Münchenstein
Innenarchitekt: Jasmin Grego & Stephanie Kühnle Architektur GmbH, Zürich
Lichtplanung: Büro Licht AG, Ittigen
Sanitärplanung: Hans Abicht AG, Zug
Signaletik: Hinder Schlatter Feuz Grafik, Zürich
Gastroplanung: Planbar AG, Zürich
 
Jahr der Fertigstellung
2018
 
Energiestandard
Minergie-P, greenproperty gold
 
Kunst am Bau
Katja Loher, New York: «Where does the rainbow end?»
 
Auszeichnung
best architects 20
 
Fotos
Kuster Frey, Zürich

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