Die Zukunft auszeichnen

20. Januar 2018
Modellfoto Anbau in Mainz. Bild: Alma Maki
Der diesjährige Foundation Award ist entschieden. Der «Förderpreis für Jungarchitekten» geht an ein Büro, das nicht so schnell aufgibt und das scheinbar Unmögliche möglich macht.
Alma Maki heisst die Gewinnerin des Foundation Award 2018. Alma Maki ist eine fiktive, multiple Persönlichkeit, die sich aus einem Architekten, der auch Schreiner gelernt hat, und einer Architektin zusammensetzt. Friederike Kluge und Meik Rehrmann haben Alma Maki gegründet, seit Sommer 2017 arbeitet auch Matthias Duffner im Basler Büro mit. Alma Maki ist als Architekturbüro und als Handwerksbetrieb im Handelsregister eingetragen und hat ein Baustellenfahrzeug, mit dem vor Ort angepackt wird.

Die Jury überzeugt die Arbeitsweise und die Arbeit von Alma Maki sehr, denn sie zeigt auf, wie man den «social turn» in der Architektur aktiv mitgestalten und wie man zukünftig den Beruf der Architektin verstehen kann: Unkonventionell, grenz- und disziplinüberschreitend – und für die Sache kämpfend. Mit viel Leidenschaft und Spass an der Arbeit macht Alma Architektur und Details möglich (sie hat sich beispielsweise das Betonieren von Einbaumöbeln selbst beigebracht), die auf «herkömmliche Art und Weise» aus Zeit- oder Gelddruck nicht möglich wären. Alma Maki gibt nicht auf und ermöglicht das scheinbar Unmögliche.
Untersuchungen urbane Infrastrukturen in Genf. Bild: Kummer/Schiess
Der zweite Rang geht an das Büro Kummer/Schiess aus Zürich. Luc Kummer und Martin Schiess sind laut Jury erfolgreiche Protagonisten des dualen Bildungssystems der Schweiz. Nach Hochbauzeichner-Berufslehre, etlichen Jahren Berufspraxis, Schule, Studium und Auslandaufenthalten möchten sich die beiden jungen Herren auf den architektonischen Entwurf in Reinform konzentrieren und an einer eigenen Architektur arbeiten. Entwurf als Forschung – das ist bei Kummer/Schiess keine Platitüde, sondern Programm.

AMA (neben der Website gibt es einen gut gefütterten Instgram Account) aus Luzern belegen den dritten Platz. AMA, das sind Ji Min An und Philippe Müller, die eine neue Generation Schweizer Architektinnen und Architekten repräsentieren, die ihre prägenden kulturellen Erfahrungen in einem grösseren Kontext machen, der weit über die Schweiz hinausreicht.

Der Foundation Award interessiert sich für die Haltung und das Selbstbild eines Büros. Die gebauten Werke sind – nach maximal vier Jahren Bürogründung, was eine Teilnahmebedingung ist – nicht alleine ausschlaggebend. Vielmehr will die Jury wissen, weshalb man Architektur betreibt und wie, und so gibt der Preis symbolische und materielle «Anschubhilfe». Mit den insgesamt 33 Eingaben 2018 lag das gesamte Panorama auf dem Tisch, wie man heutzutage den Beruf des Architekten oder der Architektin vorstellen kann: vom kommerziell ausgerichteten Ein-Mann-Büro über die performende Künstlerin bis hin zum politisch aktiven Kollektiv, bei dem auch die Kinder mit aufs Foto kommen.

Die Jury wurde dieses Jahr neu zusammengesetzt und bestand aus den beiden Architektinnen Prof. Astrid Staufer (TU Wien) und Prof. Annette Spiro (ETH Zürich), dem letztjährigen Gewinner Philippe Jorisch (JOM Architekten) sowie drei Vertretern der Trägerschaft: Andreas Ruby (S AM), Jenny Keller (swiss-architects.com) und Axel Simon (Hochparterre, Leitung der Jury).
Das «House of Trash» von AMA kaschiert Mülltonnen auf sehr ästhetische Weise. Bild: AMA

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