Doppelabriss

Elias Baumgarten
7. Februar 2019
Diesem Ensemble droht die Abrissbirne: Burckhardt'sches Landhaus und Werkhalle von Voellmy. Bild: Architektur Basel

Das Burckhardt'sche Landhaus und eine Werkhalle von Ingenieur Heinz Hossdorf mit spektakulärem Beton-Tragwerk stehen in Basel vor dem Abriss. Sie sollen Neubauten der Schreinerei Voellmy weichen.

Eigentlich sind es gute Nachrichten: Die Schreinerei Voellmy will 20 Millionen Franken in ihren Standort im Hirzbrunnen nahe dem Badischen Bahnhof in Basel investieren. Mit dem Geld sollen eine neue Werkhalle und auch Wohnungen gebaut werden. Der Haken: Für die Baumassnahmen müssen gleich zwei wertvolle Objekte abgebrochen werden, wie Architektur Basel meldet. Eines davon – das Burckhardt'sche Landhaus aus dem 18. Jahrhundert – wurde dafür sogar kurzfristig aus dem Inventar schützenswerter Bauten gestrichen.

Das Burckhardt'sche Landhaus wurde wahrscheinlich von Samuel Werenfels geplant. Bild: Architektur Basel
Nicht mehr schützenswert

Das Burckhardt'sche Landhaus ist eines der letzten barocken Häuschen in Kleinbasel. Gebaut wurde es für den Industriellen Christoph Burckhardt-Merian. Damals lag es noch vor den Stadttoren und diente als Gutshof. Nach wessen Plänen es errichtet wurde ist dabei unklar, gibt es dazu doch keine Aufzeichnungen. Bauhistoriker vermuten aber aufgrund des Stils, dass der Bau aus der Feder des Basler Barock-Architekten Samuel Werenfels stammt, der auch das Blaue und das Weisse Haus am Rheinsprung gestaltet hat. Vormals war das Häuschen Teil des Inventars schützenswerter Bauten. Doch inzwischen entschied die Basler Denkmalpflege, es von der Liste zu streichen.

Werkhalle der Voellmy AG. Bild: Architektur Basel
Ingenieurbau auf der Abschussliste

Neben dem Landhaus soll auch die mehrstöckige Werkhalle der Voellmy AG eingerissen werden. Dabei ist auch dieser Bau – von aussen unscheinbar wirkend und sich in schlechtem Zustand befindend – schützenswert: Das vom Basler Ingenieur Heinz Hossdorf und dem Architekturbüro Vischer gestaltete Objekt verfügt im obersten Geschoss über eine durchlaufende Faltwerkdecke aus Beton, die unter Tragrippen verläuft, welche ohne Unterzüge auskommen. Die Fassaden wurden in diesem Bereich nachträglich ergänzt. Vormals wurde dort oben nämlich Holz getrocknet. Auch die Geschosse darunter sind bemerkenswert: Vorgespannte Stockwerksrahmen ermöglichten den Verzicht auf Stützen im Inneren. Als die Werkhalle in den späten 1950er-Jahren konstruiert wurde, waren diese Finessen bautechnische Innovationen.

Bild: Architektur Basel
Güterabwägung

Vor Ort fragt man sich, wieso so rasch für den Abriss entschieden wurde. Unsere Kollegen von Architektur Basel vermuten, dass der Regierungsrat die unternehmerischen Freiheiten und den Erhalt von Arbeitsplätzen schlicht höher gewichtet hat als den Schutz von Baudenkmälern. Offen bleibt, wieso die Denkmalpflege so schnell einlenkte und das Feld – so wirkt es – fast kampflos räumte.

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