Sinnesschule

 Susanna Koeberle
18. Juli 2018
«Di Ser» stellt Parfums her, die ausschliesslich aus natürlichen Stoffen bestehen. Unter anderem wird Adlerholz verwendet. Bild: zvg
Düfte sind eine komplexe Angelegenheit. Das Bewusstsein für diese faszinierende Welt zu schärfen, ist eine interessante Erfahrung, die ein Duftworkshop bei «Onoda» vermittelte.
Der Geruchsinn ist einer der ältesten Sinne. Und zugleich einer der komplexesten. Er beeinflusst die Wahrnehmung von Räumen, Orten und Menschen. Und er ist stark an Emotionen gebunden. Dies nehmen wir allerdings nicht bewusst wahr. Ein Duft kann schlagartig eine vergangene Situation in Erinnerungen rufen, ohne dass wir genau benennen könnten, welcher Duft es ist. Aber dass es dieser bestimmte ist, wissen wir mit Sicherheit. Düfte und ihre Verwendung variieren zudem je nach kulturellem Kontext. Dazu gehört auch das gezielte Einsetzen von Düften in Parfums. Japan würde man nicht als erstes mit Duftkultur assoziieren. Allerdings hat «Kodo», der Weg des Duftes, in Japan eine sehr lange Tradition. Die Kunst der Wertschätzung der Düfte und des Räucherwerks hat rituelle, aber auch spielerische Aspekte. So sind Duftspiele in Japan ein beliebtes Gesellschaftsspiel. An einem Duftworkshop in Ena Onodas Laden «Onoda» mitten in der Zürcher Altstadt konnten Interessierte eine solche einmalige Erfahrung machen.

​Zu Gast war der japanische Parfumeur Yasuyuki Shinohara, der für die Marke «Di Ser» ausgesuchte Düfte kreiert. «Di Ser» stellt Parfums und Kosmetika aus natürlichen Ingredienzen her. Viele der Zutaten stammen aus Sapporo (Hokaido) selber, wo das Label zu Hause ist. Etwa die Rosen oder der Lavendel. Um ungeschulte Nasen nicht zu überfordern, beschränkte sich Yasuyuki zu Beginn auf sechs Düfte: Geranium, grüner Yuzu (eine Art japanische Zitrone), Yuzu, Lavendel, japanische Rose und Shiso (eine Art japanischer Basilikum). Wer mit der japanischen Küche vertraut ist, kennt sowohl Yuzu wie auch Shiso, die hierzulande sonst kaum bekannt sind. In einem ersten Spiel sollten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Düfte zuerst memorisieren und danach eine Kombination von zwei Düften erraten. Zudem wollte der Parfummeister wissen, in welchem Verhältnis die Düfte gemischt waren. Dabei erwies sich eine erste detaillierte Beschreibung der einzelnen Düfte als Stütze, an der man sich orientieren konnte. Sprache bildet auch emotionale Zustände  ab und dient quasi als Übersetzung des Wissens, über das unser Körper verfügt. Der Vorgang des Riechens ist eine hochkomplexe Angelegenheit: Es gibt etwa 350 Rezeptoren in der Nase.
Die Düfte von «Di Ser» sind weltweit nur an ausgesuchten Orten erhältlich. Bild zvg
In einem zweiten Riechspiel eröffnete sich uns die Welt der Blumen. Wieder konnte man verschiedene Blumendüfte riechen, versuchen, ihren Ursprung zu erraten und danach sagen, ob einer von ihnen zwei Mal vorgekommen war. Dass meist kleine, weisse Blumen wie etwa Jasmin  stark riechen, ist eine interessante Feststellung. Eine weitere beliebte Zutat bei Parfums, die auch in einigen Düften von «Di Ser» eingesetzt wird, sind verschiedene Zitrusfrüche. Man lernte den Duft von wilder Orange oder Bergamotte kennen. Für wenige Parfums der Marke wird Agarholz oder Adlerholz, auch bekannt als Oud, eingesetzt. Dieser äusserst seltene Duftstoff stammt vom Adlerholzbaum und ist das Resultat eines Pilzbefalls. Der Baum bildet als Reaktion darauf eine Art Harz, der im Holz eingeschlossen wird. Die wertvollste und teuerste Adlerholzart ist Kyara. Ihr Preis kann bei bis zu 500 Euro pro Gramm liegen. Meist wird Adlerholz bei Räucherwerk verwendet. Das hauseigene Forschungslabor von «Di Ser» hat eine spezielle Methode entwickelt, um den Agarholzduft zu extrahieren und ein Öl daraus zu gewinnen. Auf diese Weise kann dieser aussergewöhnliche Duft, der je nachdem von holzig über würzig bis zu süsslich beschrieben wird, auch in Parfums als spezielle Note eingesetzt werden.
 
Die vielen unterschiedlichen Sinneseindrücke schafften auch Verwirrung. Zur Ruhe kamen die aufgewühlten Sinne dank einem exquisiten Gyokuro-Tee, der in der Pause serviert wurde. Auch «Chado», der Weg des Tees, ist eine Wissenschaft für sich. Doch auch bei den alltäglichsten Aktivitäten, sei es wichtig, das Bewusstein zu schärfen für das Unsichtbare und das Unsichtbare, für das Zusammenspiel von Idee und physischer Welt, sagte Yasuyuki Shinohara zum Schluss. Ein weiser Ratschlag, den man sich gerne zu Herzen nimmt.
 

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