Fuge

Angela Deuber
28. November 2019
Ansicht von Südwesten (Foto: Schaub Stierli Fotografie)

Angela Deuber hat in Graubünden ein kraftvolles Privathaus gestaltet. Es überzeugt mit einem offenen, doch präzise zonierten Raumkontinuum. Die Architektin erklärt ihren Entwurf und beantwortet unsere Fragen.

Name des Bauwerks Privathaus in Graubünden
Ort 7430 Thusis
Nutzung Einfamilienhaus
Auftragsart Vorstudien, Projektierung, Ausschreibung und Realisierung 
Architektur Angela Deuber, Chur: Angela Deuber (Projektleitung), Hirona Tsuchiya, David Hagberg
Fachplaner Bauingenieur: Patrick Gartmann, Ferrari Gartmann AG, Chur
Jahr der Fertigstellung 2019 
Massgeblich beteiligte Unternehmer Baumeisterarbeiten: Beni Baumeister, Thusis | Holzfenster: Wenger Fenster AG, Wimmis, BE | Metallbauarbeiten: Mario Waser, Passugg, GR
Auszeichnung Ausstellung 2018 «Physical Presence», Architekturbiennale von Venedig
Fotos Schaub Stierli Fotografie
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Privathaus steht in Thusis im Kanton Graubünden. Es handelt sich um ein lang gestrecktes Gebäude mit offenem Innenraum ohne Türen. Dieses Kontinuum wird von einer dreieckigen Zone unterbrochen, der «Fuge», welche die Räume sowohl verbindet als auch voneinander trennt.

Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Mir war wichtig, die Innenräume grösser erscheinen zu lassen als sie eigentlich sind. Zwei Innenwände, die parallel zum trapezförmigen Grundstück verlaufen, bilden den erwähnten zentralen dreieckigen Eingangsraum und zonieren das Erdgeschoss in drei Räume: Wohnzimmer, Küche und einen privaten Bereich. Sie sind an ihren Enden jeweils vom Boden bis zur Decke verglast. Das Wohnhaus mit einer Hauptnutzfläche von 70 Quadratmetern wird so räumlich zum Teil des 700 Quadratmeter grossen Gartens und der umliegenden Landschaft.

Im Eingangsbereich bilden zwei Wände einen dreieckigen Raum. (Foto: Schaub Stierli Fotografie)
Eine Stütze in der Mitte der raumhohen Fenster verbindet den 9 Meter langen und 3,40 Meter breiten Wohnraum, der nach Südosten ausgerichtet ist, mit der nach Nordosten orientierten Küche. (Foto: Schaub Stierli Fotografie)
Das Wohnzimmer ist mit der Terrasse verbunden. Die Decke läuft von innen nach aussen durch und kragt 3,40 Meter über die Terrasse aus. (Foto: Schaub Stierli Fotografie)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das Wohnhaus befindet sich an einem Hang auf einem Plateau, das nach oben und unten je von einer Böschung begrenzt wird. Das Gebäude ist von unten gesehen 24 Meter lang und im Garten ebenerdig; im Gegensatz dazu tritt es von oben nur als kleines Dach vor der gegenüberliegenden Bergkulisse in Erscheinung. Im Garten verbinden Wände das Gebäude mit der Topografie, wodurch ein grösserer Raum angedeutet wird.

Ansicht von Westen; im Garten verbinden Wände das Gebäude mit der Topografie, wodurch ein grösserer Raum angedeutet wird. (Foto: Schaub Stierli Fotografie)
Inwiefern hat die Eigentümerin den Entwurf beeinflusst?

Das Privathaus ist minimal für eine Person gebaut. Es ist eine direkte Umsetzung des Raumprogramms der Bauherrin.

Grundriss Erdgeschoss
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Die Gebäudestruktur besteht aus einer Stütze, zwei Wänden und vier Gebäudeecken in hellgrauem Beton, die zusammen eine Einheit bilden. Die beiden Wände tragen zusammen mit der Stütze das Dach. Trag- und Raumstruktur sind identisch wie zum Beispiel bei unserem Schulhaus in Thal oder dem Umbau eines denkmalgeschützen Wohnhauses in Stuls.

Frontalaxonometrie
Welches Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Das Wohnhaus wurde im Wesentlichen von einem Unternehmer, dem Baumeister, in hellem Sichtbeton in Elementschalung erstellt. Die handwerkliche Umsetzung ist daher kohärent. Der Bau trägt seine Handschrift beziehungsweise letztendlich die des Poliers. Der Sichtbeton wurde vor Ort erstellt, die Oberflächen des fertigen Fussbodens sind geschliffen oder gestockt.

Detailschnitt

Vorgestelltes Projekt

Snøhetta

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