Im Wald

HILDEBRAND
16. März 2023
Foto: Andrea Diglas
Herr Amann, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Inmitten des Waldes bauen zu dürfen, ist nicht alltäglich. Der einzigartige Blausee wurde vor rund 15'000 Jahren durch einen Felssturz geformt. Seine malerischen Qualitäten ziehen seit mehr als einem Jahrhundert Besucher aus aller Welt in diese Ecke des Berner Oberlands. Das seit 1878 am Seeufer bestehende Hotel wurde letztes Jahr um drei Hotelzimmer vergrössert: Die Waldhäuser ermöglichen Gästen ein einmaliges Erlebnis in der Natur.

Foto: Andrea Diglas
Foto: Andrea Diglas
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Die architektonische Auseinandersetzung mit dem Ort hat zu einem Entwurf geführt, der den Wald und seine unberührte Schönheit inszeniert und die Identität des Ortes stärkt. Uns war es wichtig, die bauliche Geschichte des Blausees nachhaltig weiterzuschreiben. In Anlehnung an den von uns gebauten Blausee Pavillon aus dem Jahr 2017 war auch dieser Entwurf durch die wiederkehrende Auseinandersetzung mit der japanischen Kultur geprägt: Die Japaner haben eine sehr spirituelle Art, sich mit der Natur zu verbinden, und ihre Häuser haben eine eher symbiotische Beziehung zur natürlichen Welt. In der Schweiz ist unsere Beziehung zur Natur eher pragmatisch. Beide Sensibilitäten sollten in den Waldhäusern miteinander verbunden werden.

Foto: Andrea Diglas
Foto: Andrea Diglas
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Ein behutsamer Umgang mit der Umgebung stand beim Entwerfen für uns an oberster Stelle. Die Waldhäuser wurden zwischen die Bäume eingepasst. Sie stehen auf filigranen Stahlstützen und berühren die Felsen nur sanft. Dadurch entsteht ein minimaler Footprint. Form und Ausrichtung der Häuser unterliegen den bestehenden Qualitäten und stärken diese zugleich. Alle drei tragen eigene Namen, passend zu ihrem spezifischen Charakter: Das «Mooshaus» sitzt zwischen zwei mit Moos überwachsenen Felsen. Das «Steinhaus» steht mit Blick über die Baumkronen auf einem Felsen über einem steilen Abhang. Und das «Waldhaus» befindet sich inmitten von Bäumen. Von jedem Zimmer aus blickt man über grosse Fensteröffnungen in den atemberaubenden Wald, der sich je nach Jahreszeit verändert. Die Verbindung zwischen Mensch und Natur wird mit allen Sinnen wahrgenommen. 

Foto: Andrea Diglas
Foto: Andrea Diglas
Wie gliedern sich die Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten Ihres Büros ein?


Wir entwerfen ortsverbundene Projekte mit einer starken Identität. Dabei ist der Umgang mit natürlichen Ressourcen, Handwerkskunst und dem architektonischen Erbe ein zentraler Bestandteil.

Die enge Verbindung mit der Natur ist ein grundlegendes Gestaltungsprinzip in unserer Arbeit und war auch im Projekt der Waldhäuser zentral. Es ist uns wichtig, auf den Menschen abgestimmte Architektur zu entwerfen, die ressourcenschonend ist, aber auch unsere Sinne anspricht. Wir setzen gerne natürliche Materialien ein, die uns berühren: Holz hat mit uns Menschen viel gemeinsam: Es ist warm, riecht gut und erzählt Geschichten. Seine Konsistenz ist der unseren sehr ähnlich. Vielleicht fühlt sich Holz deshalb «menschlicher» an als andere Materialien. 

Foto: Andrea Diglas
Foto: Andrea Diglas
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Nutzung von lokalen Materialien war für uns selbstverständlich. Die aus lokal gefälltem Kiefernholz gebauten Häuser wurden von Holzarbeitern in der Nachbargemeinde Frutigen vorgefertigt. Nachdem die Fundamente vollständig vorbereitet waren, wurden die modularen Elemente mithilfe eines Hubschraubers auf die Baustelle herabgelassen und dort zusammengebaut. 

Für die Bäder und Fussböden wählten wir denselben Stein, aus dem auch die Berghänge rund um den Blausee bestehen: einen tiefgrauen Mitholzer-Kieselkalk, der aus einem Steinbruch einige Kilometer weiter oben im Tal stammt. Zudem hat die sorgfältig abgestimmte Gestaltung der Interieurs von Ruth Kramer dazu beigetragen, beruhigende und zeitlose Räume zu schaffen, die dem Menschen die Möglichkeit geben, abzuschalten, in eine andere Welt einzutauchen und inmitten von Bäumen zu schlafen.

Modellfoto: © HILDEBRAND Studios
Situation (© HILDEBRAND Studios)
Grundriss Mooshaus (© HILDEBRAND Studios)
Querschnitt Mooshaus (© HILDEBRAND Studios)
Grundriss Steinhaus (© HILDEBRAND Studios)
Längsschnitt Steinhaus (© HILDEBRAND Studios)
Grundriss Waldhaus (© HILDEBRAND Studios)
Bauwerk
Waldhäuser Blausee
 
Standort
3717 Blausee
 
Nutzung
Hotel
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Blausee AG, Blausee
 
Architektur
HILDEBRAND Studios, Zürich
Stefan Amann (Projektleiter), Thomas Hildebrand, Sophia Döffinger und Sahra Lechner
 
Fertigstellung
2022
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Innenarchitektur: Ruth Kramer, Vals
Holzbau: Allenbach Holzbau und Solartechnik AG, Frutigen
Metallbau: Jost AG, Frutigen
Schreinerei: Sarbach AG, Frutigen
Fensterbauer: Zurbrügg und Trachsel AG, Frutigen
 
Fotos
Andrea Diglas

Vorgestelltes Projekt

architecum

cinémathèque suisse, Capitole

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