Eine Trouvaille behutsam weitergebaut

Eglin Partner Architekten
10. November 2022
Der Pausenhof mit dem Schultrakt (links) und der Turnhalle (rechts) (Foto: Thomas Aus der Au)
Herr Eglin, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das unter kommunalem Kulturschutz stehende Schulhaus aus den 1950er-Jahren bedurfte einer umfassenden Innen- und Aussensanierung sowie einer Erweiterung um drei Klassenzimmer mit den dazugehörigen Gruppenräumen. Beim vorhergehenden Umbau der Schule in den 1980er-Jahren wurden Eingriffe vorgenommen, welche die ursprüngliche Konzeption nicht unterstützten. Unser Anliegen war es deshalb, in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft und der Denkmalpflege die vorhandenen originalen Qualitäten der Schulanlage herauszuarbeiten und zu stärken und auch die Erweiterung mit einem zeitgemäss interpretierten Vokabular der originalen Architektursprache zu konzipieren.

Der Anbau mit neuem Eingang und Vordach (Foto: Thomas Aus der Au)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Bei der vorherrschenden Typologie der Schulbauten der 1950er-Jahre handelt es sich um Längsbauten, die als Einbünder organisiert sind. Ergänzt wurden sie mit angehängten Nebenraumkörpern. Durch eingeschossige, halb offene Verbindungsbauten und -dächer werden die verschiedenen Trakte zusammengehalten und fassen so auch den Aussenraum. 

Diese schöne, einfache und sehr tragfähige Grundanlage ist auch in der Schulanlage Zentral vorzufinden. Der einbündig organisierte Längsbau mit nach Osten hin orientierten Schulzimmern wird mit einem Singsaal, einem Nasszellenblock, einem Treppenhaus und einem Abwartshaus ergänzt. Unter Beibehaltung dieser typischen Grundanlage wurde die eben erwähnte Erweiterung mit den drei Schulzimmern und den Gruppenräumen folgerichtig als Vergrösserung des südwestlich gelegenen Treppenhauses interpretiert.

Korridorzone (Foto: Thomas Aus der Au)
Eines der Klassenzimmer im Anbau (Foto: Thomas Aus der Au)
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Der ursprüngliche Eingangsbereich stellte eine gedeckte, witterungsgeschützte Verbindung zwischen dem Schul- und dem Turnhallentrakt dar. Dieser war jedoch zu klein für die wachsenden Schülerzahlen dimensioniert, deshalb wurde zu einem späteren Zeitpunkt die überdachte Fläche gegen den Pausenplatz vergrössert. Anfangs war die Sanierung des bestehenden Vordaches vor dem Haupteingang vorgesehen. Im Zuge der Projektierung hat sich aber gezeigt, dass die Konstruktion den technischen wie auch den denkmalpflegerischen und architektonischen Anforderungen nicht genügt. Deshalb wurde der Vordachbereich grundlegend neu konzipiert. Die Adaptation und Weiterführung der vorhandenen Architektursprache und des architektonischen Ausdrucks spiegelt sich sowohl in der Material- und Farbwahl sowie der Detaillierung als auch in der gewählten Formensprache wider. Das Podest wurde erweitert, und die Rampenanlage für den behindertengerechten Zugang integriert. Die bestehenden Binder wurden «verdoppelt», und die Dacheindeckung wurde analog dem Singsaal in Blech ausgeführt. So wurde die Pausenhalle auf selbstverständliche Weise erweitert und den Bedürfnissen der Schule angepasst.

Der Schultrakt und die neue Pausenhalle (Foto: Thomas Aus der Au)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten Ihres Büros ein?


Nach verschiedenen Wettbewerbserfolgen und Bauten hat sich eine Affinität unseres Büros für Kindergarten- und Schulbauten gezeigt. Es ist uns ein Anliegen, sorgfältig konzipierte, natürlich materialisierte und belichtete Schulbauten zu entwerfen, die den Bedürfnissen der Kinder, den Ansprüchen der Lehrpersonen und den Massstäben der Gesellschaft gerecht werden. 

Das gesamtheitliche Erarbeiten und Umsetzen von Projekten mit hohen architektonischen und gestalterischen Ansprüchen ist weiter ein wichtiger Bestandteil und wesentlicher Erfolgsfaktor unseres Büros. So stellen wir uns auch der immer komplexer werdenden Herausforderung, alles aus einer Hand, also von der Projektierung über die Ausschreibung bis zu Bauleitung, anzubieten. Dies hat sich gerade bei diesem komplexen Umbau als höchst anspruchsvoll erwiesen. Die Folgen der Corona-Pandemie und insbesondere die weltweite Beeinträchtigung der Lieferketten waren sehr stark bemerkbar während der Bauzeit.

Dachgeschoss (Foto: Thomas Aus der Au)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Wir sehen unsere Arbeit immer eingebunden in einen grösseren kulturellen und sozialen Kontext. Insofern sind für uns neben ökologischen und energetischen Aspekten auch immer die gestalterische Qualität, die Robustheit sowie die Angemessenheit von Materialien und Räumen zentrale Bausteine einer nachhaltigen Bauweise. 

Die Adaptation und Weiterführung der vorhandenen Architektursprache und des architektonischen Ausdrucks spiegeln sich zum Beispiel in der Konstruktion der neuen Aussenwände beim Anbau wider. Hier wurde ein Dämmsteinmauerwerk gewählt, welches eine analoge Konstruktion wie beim Bestand ermöglicht. Der äusseren Schicht aus 36,5 Zentimeter starken Dämmsteinen wurde eine innere Schale aus Einsteinmauerwerk mit vorgefertigten Betonstützen eingeschrieben, welche die schmalen Pfeiler zwischen den Fenstern erst ermöglicht hat.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Neben dem Dämmsteinmauerwerk erachten wir im Innenausbau die Applikation der naturbelassenen zementgebundenen Holzwolleplatten («Spaghettiplatten») in den Schulzimmern als sehr erfolgreich. Durch die satt gestossene Anordnung der Platten ohne Phase entsteht ein durchgehend homogenes Bild. Dieses wird durch die übergeordnet ausgelegten Eichen-Deckleisten in mehrere Deckenfelder pro Raum gegliedert. Auf diese einfache Weise werden die simplen und günstigen Akustikdeckenplatten veredelt. Dies führt zusammen mit den halb eingelassenen Leuchten zu einer schönen, ruhigen und angemessenen Gestaltung der Räume.

In einem der neuen Gruppenräume (Foto: Thomas Aus der Au)
Situation
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss von oben nach unten: Ober- und Dachgeschoss
Pläne in Leserichtung: Ansichten von Südost, Schnitte durch Anbau und Bestand
Bauwerk
Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Zentral in Volketswil
 
Standort
Eichholzstrasse 11, 8604 Volketswil
 
Nutzung
Schule
 
Auftragsart
Planerwahlverfahren
 
Bauherrschaft
Schulgemeinde Volketswil
 
Architektur
Eglin Partner Architekten, Baden (Generalplaner)
Mitarbeiter: Martin Eglin (Projektleitung), Camill Andres, Alexander Baumann, Natascha Bradfield, Valeria Meier, Hanspeter Müller, Albulena Rrudhani und Nadia Widmer
 
Fachplaner
MWV Bauingenieure, Baden
Ingenieurbüro Leimgruber Fischer Schaub, Ennetbaden
Elektroingenieurbüro P. Keller + Partner, Baden
Steigmeier Akustik + Bauphysik, Baden
 
Jahr der Fertigstellung
2022
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 11,2 Mio.
 
Fotos
Thomas Aus der Au

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