Wohnen unter dem Dach der Blutbuche

Sandra König, Anja Meyer 
17. August 2017
Blick in die Überbauung. Bild: Martin Stollenwerk

Das Büro AMJGS hat kürzlich eine Wohnüberbauung in Vaduz fertiggestellt. Sandra König und Anja Meyer beantworten unsere Fragen.


Nutzung Mehrfamilienhaus
Ort Im Muehleholz 19, 19a, 19b, 9490 Vaduz FL
Auftragsart Direktauftrag
Bauherrschaft privat
Architektur AMJGS Architektur AG, Zürich | Projektleitung: Sandra König | Studie: Anja Meyer
Fachplaner Wenaweser + Partner Bauingenieure AG, Schaan, FL | Lenum AG, Bauphysik, Vaduz, FL | A.Vogt Gebäudetechnik AG, Vaduz, FL | Planing Elektroplanung, Ruggell, FL | Grünenfelder AG, Gartenplanung, Ziegelbrücke, GL
Bauleitung Bau-Data AG, Schaan, FL
Jahr der Fertigstellung 2017
Gesamtkosten BKP 1–9 CHF 3,8 Mio
Gebäudekosten BKP 2 CHF 3,5 Mio
Gebäudevolumen SIA 416 3’959 m3
Kubikmeterpreis CHF 879/m3
Massgeblich beteiligte Unternehmer Gebr. Hilti, Baumeister, Schaan FL | Frommelt Zimmerei und Holzbau, Schaan, FL | Frommelt- Noldi, Holzfenster, Schaan, FL | Schreinerei Luchsinger, Schwanden, GL | Nägele, Dach und Spengler, Nendeln, FL | Paul Schurte Gipser, Triesen, FL | Ender Elektrik, Vaduz, FL| Ospelt, Haustechnik, Vaduz, Li | Eberle Metallbau, Triesen, FL | Grünenfelder Gartenbau, Ziegelbrücke, GL
Fotos Martin Stollenwerk
 

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die bestehende imposante Blutbuche im Zentrum des Grundstücks ordnet die sie flankierenden Bauten. Der schrittweise Übergang von Aussen nach Innen, von öffentlich zu privat wird durch die gruppierende Setzung um den Baum inszeniert. So führt ein gemeinsamer Weg ins Zentrum der Bebauung, von wo aus alle Eingänge ersichtlich sind. Weit auskragende Vordächer schützen die Aussentreppen der im oberen Geschoss liegenden Wohnungen. Die privaten Balkonsitzplätze sind auf der abgewandten Seite in Holzvorbauten gefasst. Der privaten Bauherrschaft lag etwas an einer leichten, wir sprachen von pavillonartiger, Bauweise. Dadurch entsteht eine hohe Wohnqualität mit vierseitig belichteten und übereck angeordneten Räumen.
 
 

Blick von der Treppe. Bild: Martin Stollenwerk

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Da der Wunsch der Bauherrschaft nach einer leichten, pavillonartigen Architektur bestand, haben wir uns im Vorfeld die Pavillonbauten und Einfamilienhäuser von Jörn Utzon, Alvar Aaalto und Frank Lloyd Wright angeschaut. Anfangs schwebten uns eher Holzbauten vor, aber da Holzbau für die Bauherrschaft nicht in Frage kam und eine Sichtklinkerfassade aus Kostengründen ausschied, sind die Häuser eigenständiger geworden und haben sich von diesen Vorbildern gelöst.
 
Bei den Grundrissen war es uns ein Anliegen, die Möblierung nicht vorzugeben, indem zum Beispiel die quasi quadratischen Zimmer nicht in Kinder- und Elternzimmer unterschieden werden und es in jeder Wohnung verschiedene Optionen für den Standort des Esstisches gibt.

Innenraum. Bild: Martin Stollenwerk

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
 Der Ort ist geprägt von einer mächtigen und alten Blutbuche. Diese stand von Anfang an im Zentrum des Entwurfs. Die Bebauung wurde darum herum geplant, woraus sich drei einzelne Häuser ergaben, die um diesen Innenhof, der als Verteiler, Erschliessung und Aufenthaltsort funktioniert, gruppiert sind. Die leichte Hanglage des Grundstücks führte zu einer Staffelung der Gebäude, sodass sich von allen Wohnungen aus sehr verschiedene Ausblicke ergeben. Ein gemeinschaftlicher Sitzplatz unter einer Holzpergola ist als erster oder vierter Baukörper Ausgangs- oder Schlusspunkt des Ortserlebnisses.

Blickbeziehungen. Bild: Martin Stollenwerk

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die private Bauherrschaft hat von Anfang ihre Bedürfnisse und Wünsche formuliert und ihre Vorstellungen einfliessen lassen. Dies betraf einerseits die Grundkonzeption: Eine Bebauung, die etwas Besonderes sowohl für die Umgebung als auch für die Mieterschaft darstellen sollte. Andererseits sollte aber auch die Materialisierung robust und klassisch und von guter Qualität sein.
 

Zugangstreppe. Bild: Martin Stollenwerk

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Unser Büro bestehend aus sechs Teilhabern mit unterschiedlichem Hintergrund zeichnet sich durch eine grosse Vielseitigkeit und unterschiedliche Projekte aus, welche in der gemeinsamen Diskussion im Atelier entstehen. Eine Aufgabe wie diese in Vaduz ist ideal für unsere Bürogrösse und Zusammensetzung.
 

Aussenbereich. Bild: Martin Stollenwerk
Situation.
Erdgeschoss Haus 1.
Erdgeschoss Haus 2.
Erdgeschoss Haus 3.

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