Keine Unterstützung vom Bund

Jenny Keller
20. Juli 2017
Die Zukunft des S AM wäre eine App gewesen. Nun ist sie düster. Grafik: Something Fantastic

Das Schweizerische Architekturmuseum (S AM) erhält ab 2019 keine weiteren Betriebsbeiträge vom Bund mehr. Und man fragt sich: Welchen Stellenwert haben Architektur und Baukultur für den Bund eigentlich?

Am 19. Juli hat das Bundesamt für Kultur (BAK) dem S AM mitgeteilt, dass es nach einer Übergangsfrist ab 2019 nicht mehr mit Betriebsbeiträgen des Bundes rechnen kann. Der erste Grund dafür ist ein Systemwechsel beim BAK: Es vergibt die Betriebsbeiträge an Museen ab 2018 gestützt auf eine öffentliche Ausschreibung. Insgesamt 35 Museen reichten im Frühjahr 2017 beim BAK ein Fördergesuch ein. Die Gesuche wurden von sechs Expertinnen und Experten bis Ende Juni 2017 geprüft und bewertet. 13 Institutionen erhalten einen Betriebsbeitrag für die Jahre 2018 bis 2022. Das S AM, das bisher mit 300'000 Franken jährlich vom Bund unterstützt worden ist, geht leer aus.

Er hätte es nicht gedacht, dass sein Museum durch die Maschen falle, sagt Direktor Andreas Ruby im Regionaljournal Basel auf SRF. Man sei enttäuscht und könne den Entscheid nicht nachvollziehen. Insbesondere deshalb nicht, weil das S AM das einzige nationale Architekturmuseum in der Schweiz sei und eben erst eine einzigartige Kooperation mit den drei wichtigsten Architekturarchiven der Schweiz (Archivio del Moderno der Universität in Mendrisio, dem gta Archiv der ETH Zürich und dem Archive de la Construction Moderne der EPFL) eingegangen sei.

Gemäss Verordnung des EDI müssen die Museen, die Unterstützung vom Bund erhalten, eine gesamtschweizerisch bedeutsame Ausstrahlung und Qualität aufweisen, über eine für das kulturelle Erbe der Schweiz bedeutsame und einzigartige Sammlung von hohem kulturellem Wert verfügen sowie eine innovative und breite Vermittlungsarbeit leisten.

Daniel Menna vom BAK sagt auf Anfrage, dass die Architektur einen hohen Stellenwert beim BAK habe, das auch für den Denkmalschutz und die Heimatpflege zuständig ist. Die Auswahl der Museen sei aber nicht aufgrund der Thematik der Museen erfolgt, sondern aufgrund der Qualität und Ausstrahlung des Museums sowie der Bedeutung der Sammlung und der Vermittlungsarbeit. Im Quervergleich habe festgestellt werden müssen, dass andere Gesuchsstellende diese wichtigen inhaltlichen Anforderungen an die museale Arbeit besser erfüllten.

Das sitzt. Und man fragt sich: Kam der Systemwechsel beim BAK für das S AM ein paar Jahre zu früh? Badet man beim S AM etwa die Versäumnisse der letzten Jahre aus? Als das «schweizerisch» ein kühner Schachzug im Namen des Architekturmuseums in Basel war, dem man gar nie gerecht wurde? Andreas Rubys erste Ausstellung hiess «Schweizweit», er vernetzte damit viele Architekten aus allen Landesteilen und lockte sie auch mit seinen «blind dates» nach Basel. Das war ein cleverer Schachzug. Und nun wirft das BAK das Schachbrett mitten im Spiel um.

​Geht es um die museale Sammlung, kann man nur immer wieder betonen, dass Architektur ausstellen einen Sonderfall in der Museumslandschaft darstellt. Die Kriterien, die zählen, damit ein Museum vom BAK unterstützt wird, sind somit engstirnig. Man vergleicht Äpfel mit Birnen und vergibt nun Betriebsbeiträge an zwei Museen, die Glas sammeln (Musée Ariana (Musée suisse de la céramique et du verre) in Genf und Vitromusée in Romont im Kanton Freiburg), aber hält indes die Architektur nicht für unterstützungswürdig – oder überlässt das dem Kanton. Eine Architektursammlung anzulegen ist nicht ganz einfach. Sammelt man das Objekt im Massstab 1:1, müsste man sich schon einen Campus wie den in Weil am Rhein zutun. Aber der wäre für das BAK wohl auch nicht umfassend und «einzigartig» genug. Andreas Ruby wollte die Sammlung in Form einer App, die alle «guten» Bauten der Schweiz vereint, dem Publikum zugänglich machen. Damit hätte man mit einem Konzept zwei Punkte (Vermittlung, Sammlung) abgedeckt, die das BAK fordert, damit es fördert. Doch wie will man das ohne Fördergelder tun?



 

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