Who’d wreck what?

Manuel Pestalozzi
14. Mai 2018
Könnte das nicht weg? Für diesen Redaktor liesse sich auf das Schloss Tarasp ruhig verzichten. Er plädiert für den Zerfall. Bild: Manuel Pestalozzi

Wochenende ist Feuilleton-Zeit. Da hatten bekannte Architektinnen und Architekten in der NZZ Gelegenheit, zu bestimmen, was sie bewahren und was sie abreissen möchten. Das regt die Leserinnen und Leser an.

Was finden die angesagten Teams erhaltenswert? Was wünschen sie sich weg? Diese Frage stellte NZZ-Redaktorin Antje Stahl, Peter Zumthor, Annette Gigon und Mike Guyer, Roger Diener, Anne Kaestle, Elli Mosayebi, Manuel Herz, E2A, dem Urban-Think Tank, der Familie Snozzi Groisman, Angela Deuber, Christ & Gantenbein und 2b Architectes. Und sie gaben Antwort. Die Rückmeldungen vermitteln ein doch recht interessantes Panorama über die Befindlichkeit des Berufsstandes.
 
In der Papierausgabe der Zeitung vom 12. Mai sticht ins Auge, dass sich die Auswahl fast ausschliesslich auf Bauten und Anlagen des 20. Jahrhunderts beschränkt. Standort ist mehrheitlich eine grössere Stadt, manchmal die Agglomeration. Ältere Bauten oder wie immer geartetes «Ländliches» finden fast alle Angefragten offenbar uninteressant – oder fühlen sie sich da nicht zuständig? Auffallend auch, dass man sich bei der Auswahl gegenseitig in Ruhe lässt; beim Abriss – wo sich doch bemerkenswert viele ausschweigen – finden zwar auch ganz neue Bauten Erwähnung, oder solche, die noch gar nicht fertig sind. Deren Autorinnen und Autoren wurden von der Feuilleton-Redaktion allerdings mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht angefragt, bei diesem Wertungsreigen mitzumachen.
 
Die Urteile verfehlen ihre Wirkung nicht, und es ist erfreulich, dass neben Einzelbauten auch ganze Anlagen (etwa Frau Gerolds Garten in Zürich) oder der Lac Léman tout court im Beitrag auftauchen. Dieser Redaktor bedauert, dass im Rahmen des NZZ-Beitrags die Möglichkeit, Bauwerke dem (kontrollierten!) Zerfall anheimzustellen keine Erwähnung findet. Da hätte er mit dem Schloss Tarasp nämlich wirklich einen Vorschlag, der ihm sofort in den Sinn gekommen ist. Diese dräuende Trutzburg im Unterengadin, die sich für eine Kafka-Verfilmung geradezu aufdrängt, erinnert an eine Feudalherrschaft, welche das Land zum Glück überstanden hat. Könnte man die nicht einfach geduldig zerbröseln lassen? Schweizer Ruinen – wer nimmt sich diesem Thema an?

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